Verhütung Bundesrat stimmt für rezeptfreie Pille danach

Für Frauen steigen die Chancen, die Pille danach künftig auch ohne Rezept zu bekommen. Der Bundesrat hat für eine entsprechende Verordnung gestimmt. Ob die Bundesregierung zustimmt, ist allerdings fraglich.

Böses Erwachen: Probleme vor allem an Wochenenden
Corbis

Böses Erwachen: Probleme vor allem an Wochenenden


Berlin - Die Pille danach, die nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft verhindern soll, ist in vielen europäischen Ländern ohne Rezept zu haben, nicht aber in Deutschland. Seit langem wehren sich vor allem Gynäkologen dagegen, dass Frauen an das Medikament kommen, ohne vorher mit einem Arzt gesprochen zu haben. Jetzt bringt der Bundesrat Bewegung in die Diskussion.

Die Pille danach soll nach dem Willen der Länderkammer rezeptfrei und damit frei zugänglich werden, das sieht ein Beschluss von diesem Freitag vor. Die Bundesregierung müsste diese Änderung einer Verordnung allerdings noch übernehmen.

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn sagte am Freitag zu SPIEGEL ONLINE, er bleibe bei seiner Meinung, dass die Frage der Pille danach keine politische sei. In einer Bundestagsanhörung sei deutlich geworden, dass die Einnahme mit erheblichen hormonellen Belastungen verbunden ist. "Die Pille danach ist ein Medikament mit Nebenwirkungen und deshalb ist es richtig, dass der Einnahme eine ärztliche Beratung vorausgeht", so Spahn. Warum der Bundesrat das anders sieht, sei ihm schleierhaft.

Die Verschreibungspflicht soll nach der Vorstellung des Bundesrats entfallen, wenn der Arzneistoff Levonorgestrel in einer Portion für einen einmaligen Notfall abgegeben wird. Die Pille danach soll nur in Apotheken abgegeben werden dürfen, eine Beratung durch den Apotheker soll Pflicht sein.

Weniger Abbrüche in anderen Ländern

Der Bundesrat verwies in seiner Entschließung auf die Erfahrungen anderer europäischer Länder, wo das Arzneimittel seit längerem ohne Rezept erhältlich ist. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche sei dort gesunken. Zudem hätten Studien belegt, dass die Rezeptfreiheit nicht zu einer Zunahme von riskantem Sexualverhalten geführt habe.

Ein Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit sagte dazu, über die Forderung der Länderkammer habe die künftige Bundesregierung zu entscheiden. Der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen werde sich mit der Angelegenheit am 14. Januar befassen.

Vor allem für junge Frauen wichtig

Die Abgabe der Pille danach ohne Rezept in Apotheken soll ungewollte Schwangerschaften vor allem bei jungen Frauen verhindern. Bei rascher Einnahme kann die Pille eine Schwangerschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern. Sie verschiebt den Eisprung der Frau so lange, bis die Überlebenszeit der Spermien überschritten ist.

"Bei der Einnahme der Pille danach ist es äußerst wichtig, dass diese schnell erfolgt", erklärte die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD). "Wenn wie jetzt ein Rezept erforderlich ist, dann kann es gerade an Wochenenden passieren, dass viel Zeit verstreicht und eine ungewollte Schwangerschaft nicht mehr sicher vermieden werden kann."

Einnahme so schnell wie möglich

Die etablierte Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel ist für einen Zeitraum von 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zugelassen. Am besten sollte sie allerdings so schnell wie möglich eingenommen werden: Je mehr Zeit verstreicht, desto schlechter schützt die Pille danach vor einer ungewollten Schwangerschaft.

Hat sich die Eizelle einmal in die Gebärmutter eingenistet, verliert die Pille danach ihre Wirkung - sie kann eine bestehende Schwangerschaft also nicht abbrechen. Das unterscheidet sie von der Abtreibungspille, die bei einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch eingesetzt wird.

Warum die Pille danach keine Abtreibung ist

dba/dpa/AFP

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insgesamt 101 Beiträge
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Seite 1
feuercaro1 08.11.2013
1. Endlich
Das wurde ja auch Zeit. Es ist nötig, dass die Bevormundung von Frauen durch Ärzte endlich ein Ende hat. Mit der Freigabe kann viel Leid verhindert werden. Hoffen wir, dass das Gesetz beschlossen wird.
pfzt 08.11.2013
2.
Zitat von sysopCorbisFür Frauen steigen die Chancen, die Pille danach künftig auch ohne Rezept zu bekommen. Der Bundesrat hat für eine entsprechende Verordnung gestimmt. Ob die Bundesregierung zustimmt, ist allerdings fraglich. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/verhuetung-bundesrat-stimmt-fuer-rezeptfreie-pille-danach-a-932555.html
Für diesen Artikel gebt ihr die Kommentarfunktion frei? Na, das kann ja heiter werden.
omguruji 08.11.2013
3. In Frankreich Standard
In Frankreich wird die Pille frei und günstig in jeder Apotheke verkauft, 7-10,-€. Wir sind halt etwas hinter dem Mond hier...
Lauffix 08.11.2013
4. Ibu 600
Für meine Ibuprophen 600 brauche ich ein Rezept. Ich hasse diese Bevormundung von Männern durch Ärzte. Obwohl, so eine Kopfschmerztablette hat ja auch viel weitreichendere Folgen.
joG 08.11.2013
5. Dann werden ja noch mehr....
....Kinder ungeboren bleiben.
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