Leverkusen - Die Antibabypillen Yasmin und Yaz, einst ein Kassenschlager des Pharmariesen Bayer, werden zum kostspieligen Problem für das Unternehmen: Wegen Rechtsstreitigkeiten in den USA hat der Konzern bis Mitte Februar allein für Vergleiche im Zusammenhang mit der Verhütungspille etwa eine Milliarde US-Dollar gezahlt.
Mitte Februar lag die Zahl der Klagen in den USA bei rund 10.000. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor, den Bayer am Donnerstag veröffentlichte. Bis zum 12. Februar hat Bayer
demnach ohne Anerkennung einer Haftung Vergleiche mit 4800 Anspruchstellerinnen in den USA vereinbart. Ähnliche vergleichswürdige Fälle aufgrund venöser Blutgerinnsel (Thrombosen) seien noch bei etwa 3200 Antragstellerinnen möglich. In den USA währt die gerichtliche Auseinandersetzung um Thrombosegefahren von Antibabypillen, die den Wirkstoff Drospirenon enthalten, schon Jahre. Zu diesen Produkten zählen auch die Bayer-Mittel.
Bayer schließt jedoch nur Vergleiche mit Klägerinnen ab, bei denen gefährliche Blutgerinnsel, etwa Venenthrombosen oder Lungenembolien, aufgetreten sind. Venenthrombosen werden durch Blutgerinnsel in den Gefäßen ausgelöst. Wandern sie in die Lunge oder in das Gehirn, kann es zu gefährlichen Lungenembolien und Schlaganfällen kommen.
Die Antibabypillen gehören zu den umsatzstärksten Präparaten von Bayer. Mit den vom zugekauften Schering-Konzern übernommenen Verhütungsmitteln Yaz und Yasmin setzte Bayer 2012 weltweit 1,045 Milliarden Euro um. Auf Drängen der US-Gesundheitsbehörde FDA hatte der Leverkusener Konzern Anfang 2012 seine Produkthinweise verschärfen müssen. Ausdrücklich weist Bayer seitdem darauf hin, dass Präparate mit dem hormonellen Wirkstoff Drospirenon - wie Yasmin und Yaz - das Thromboserisiko für Anwenderinnen erhöhen könnten.
Es ist nicht das einzige Verhütungsmedikament, mit dem Bayer Schwierigkeiten hat: Ende Januar musste der Konzern das Akne-Mittel Diane-35 in Frankreich vom Markt nehmen, da vier Todesfälle in Folge von Thrombosen mit dem Medikament in Verbindung gebracht wurden. Zwar war das Mittel offiziell nur zur Behandlung von Akne zugelassen, doch von vielen Ärzten aufgrund seiner verhütenden Wirkung als Antibabypille verschrieben worden.
Inzwischen prüft auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Pillen erneut. Es sollten alle vorliegenden Daten zu Nutzen und Risiken des Medikaments des deutschen Pharmakonzerns Bayer ausgewertet werden, kündigte die EMA vor wenigen Wochen an. Das Ergebnis der Untersuchung steht noch aus, möglicherweise muss Diane-35, die auch in Deutschland unter dem gleichen Handelsnamen als Akne-Medikament zugelassen ist, dann in ganz Europa vom Markt genommen werden.
cib/dpa/Reuters
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