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Broschüre: Bundesregierung will vor "Homo-Heilern" warnen

Regenbogenfarben als Protest   vor der russischen Botschaft in Oslo: Homosexualität ist keine Erkrankung und bedarf keiner Therapie Zur Großansicht
DPA

Regenbogenfarben als Protest vor der russischen Botschaft in Oslo: Homosexualität ist keine Erkrankung und bedarf keiner Therapie

Homosexualität ist keine Krankheit - dennoch finden auch in Deutschland Seminare zur "Heilung" der sexuellen Orientierung statt. Künftig wird vor solchen Angeboten offiziell gewarnt.

Berlin - Die Bundesregierung kritisiert das Angebot fragwürdiger Behandlungen für Homosexuelle und will in einer Broschüre vor selbsternannten "Homo-Heilern" warnen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werde in einer für 2015 geplanten Broschüre zur sexuellen Orientierung und Identität das Thema aufnehmen, heißt es in einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Grünen-Anfrage.

Der Grünen-Abgeordnete Volker Beck sprach von einem "kleinen Erfolg". Es sei aber weiterhin Druck nötig. Die Regierung müsse die Gemeinnützigkeit von Organisationen infrage stelle, die sogenannte Konversions- und Reparationstherapien anbieten.

Gesundheitsministerium: Die Ärztekammern sind gefordert

Die Bundesregierung setze "beim Schutz homosexueller junger Menschen vor unangemessenen und gegebenenfalls für sie schädlichen Therapie- und Beratungsangeboten insbesondere auf die frühzeitige sachgerechte Aufklärung und Information", heißt es in der Antwort von Gesundheitsstaatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) auf die Anfrage der Grünen. Würden Behandlungen angeboten, die die betroffenen Menschen schädigen, seien die Ärztekammern oder Approbationsbehörden gefordert, im Einzelfall berufsrechtliche Schritte einzuleiten. Zudem müssten solche Fälle strafrechtlich verfolgt werden.

In Deutschland bieten und empfehlen eine Reihe von Organisationen Behandlungen von Homosexuellen mit dem Ziel, deren sexuelle Orientierung zu ändern. Die schädlichen Effekte solcher Behandlungen seien wissenschaftlich nachgewiesen, dazu zählten Ängste, soziale Isolation, Depressionen und erhöhte Suizidgefahr, schreiben die Grünen in ihrer Anfrage. Zum Teil seien diese Organisationen Mitglieder in den Spitzenverbänden der Wohlfahrtspflege. In der TV-Reportage "Die Schwulenheiler" hatte das ARD-Magazin "Panorama" im Mai über Ärzte berichtet, die Homosexualität für behandelbar halten und ihre "Therapien" den Krankenkassen in Rechnung stellten.

Widmann-Mauz verwies auf eine Stellungnahme des Weltärztebunds, der sich im Herbst 2013 strikt gegen derartige Therapien ausgesprochen hatte. "Homosexualität ist keine Erkrankung und bedarf deshalb keinerlei Heilung", zitierte sie den Verband. "Direkte und indirekte Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung sind allerdings häufig Ursachen für negative psychische und physische Erkrankungen." Dieser Einschätzung stimme die Bundesregierung uneingeschränkt zu.

wbr/AFP

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