Geschlechtskrankheit Chlamydien - die unterschätzte Infektion

Es ist die am häufigsten sexuell übertragene Infektion in Deutschland. Doch viele kennen Chlamydien nicht. Schuld an der Ausbreitung der Krankheit hat auch der Einsatz von Sexspielzeug.

Chlamydien (Schemazeichnung)
imago/ Science Photo Library

Chlamydien (Schemazeichnung)


Kaum jemand kennt sie, dabei ist eine Chlamydien-Infektion weder selten noch harmlos: Gerade bei Frauen kann sie unbehandelt zu Unfruchtbarkeit führen. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wissen aber nur 14 Prozent der Deutschen mit der Erkrankung etwas anzufangen.

Wie viele Menschen genau betroffen sind, lässt sich nur schätzen, da keine bundesweite Meldepflicht besteht. Aber: "Chlamydien-Infektionen sind die häufigste sexuell übertragbare Infektion in Deutschland", sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. "Etwa zehn Prozent aller sexuell aktiven Jugendlichen und Erwachsenen stecken sich irgendwann in ihrem Leben mit Chlamydien an."

Betroffen sind vor allem junge Erwachsene, sagt BZgA-Referentin Verena Lulei. Studien zufolge seien es unter den 18- bis 19-jährigen Frauen 4,5 Prozent und 4,9 Prozent unter den 25- bis 29-jährigen Männern. Die Zahlen steigen. Das belegen zum einen Daten aus Sachsen - dort sind Chlamydien meldepflichtig: Es wurde ein Anstieg der Infektionen von 26,3 im Jahr 2003 auf 102 Personen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2012 verzeichnet.

"Heute kommen täglich ein bis zwei Betroffene"

Auch Clara Lehmann, Expertin der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, beobachtet diesen Zuwachs. Zu Beginn vor etwa 15 Jahren habe sie an der Uniklinik Köln "sehr selten" mit Chlamydien-Infektionen zu tun gehabt. "Heute kommen täglich ein bis zwei Betroffene." Hauptübertragungswege für Chlamydien, eine Bakterienart, sind Vaginal- und Analsex sowie die gemeinsame Nutzung von Sexspielzeug. Anstecken kann man sich immer dann, wenn die Schleimhaut mit infizierter Schleimhaut oder Körperflüssigkeit in Kontakt kommt.

Mögliche Symptome für eine Infektion sind zum Beispiel Ausfluss, Juckreiz, Schmerzen beim Sex oder beim Wasserlassen. "Bei 70 Prozent der Frauen und bei 50 Prozent der Männer verursachen Chlamydien-Infektionen allerdings keine spürbaren Symptome", erklärt Albring. Weitergeben kann man die Infektion unabhängig davon, ob Symptome auftreten oder nicht. Das ist tückisch. Denn vor allem für Frauen kann eine unentdeckte Chlamydien-Erkrankung schwere Folgen haben.

"Eine nicht behandelte Infektion kann bei der Frau zu einer Verklebung der Eileiter und damit zur Unfruchtbarkeit führen", warnt Albring. Das sei bei zehn bis 40 Prozent der betroffenen Frauen, die nichts von ihrer Infektion wissen und daher auch nicht behandelt werden, der Fall.

"Nicht entdeckte Chlamydien-Infektionen sind die häufigste Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit in Deutschland." Außerdem kann eine Mutter ihr Baby bei der Geburt anstecken - das kann etwa schwere Augenentzündungen beim Neugeborenen zur Folge haben.

Bei Männern kann eine Chlamydien-Infektion zu einer Entzündung der Hoden, Nebenhoden oder der Prostata führen, ergänzt Lehmann, seltener zur Unfruchtbarkeit. Außerdem könne eine Infektion mit Chlamydien bei Männern und Frauen das Risiko einer Ansteckung mit HIV erhöhen. Bestimmte Typen der Infektion können auch zu sehr schmerzhaften Schwellungen der Lymphknoten führen, sagt Lehmann.

Um eine Erkrankung festzustellen, wird ein Abstrich gemacht. Bis das Ergebnis da ist, dauert es bis zu fünf Tagen, so Lehmann. Wird der Verdacht durch die Untersuchung bestätigt, bekommen Betroffene Antibiotika. Bei einem klaren Verdacht behandeln Mediziner schon vor dem Ergebnis mit einer antibiotischen Kombinationstherapie. "Wenn als Folge einer unbehandelten Infektion die Eileiter verklebt sind, ist es für eine Heilung zu spät", sagt Albring. Doch inzwischen sind laut Warnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Chlamydien immer häufiger resistent gegenüber Antibiotika.

Kondome sind der beste Schutz vor einer Ansteckung. Aber: "Da Chlamydien nicht nur beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung", erklärt Lulei. "Daher sollte bei einem Verdacht auf eine Infektion oder bei Anzeichen eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden", rät Lulei.

Frauen unter 25 Jahren können sich einmal jährlich auf Chlamydien testen lassen - die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten im Rahmen des Chlamydien-Screenings dafür. Aber auch dieses Angebot ist wenig bekannt: Laut der BZgA-Studie wissen nur 31 Prozent der Frauen zwischen 16 und 20 Jahren von diesem Screening . Nur 13 Prozent der Altersgruppe haben es in Anspruch genommen.

Von Elena Zelle, dpa/joe

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