Britische Studie Wie die Ehe das Leben verlängern könnte

Verheiratete Menschen überleben bedrohliche, aber behandelbare Krankheiten eher als Singles. Das zeigt eine aktuelle Studie mit knapp einer Million Probanden.

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Wer einen Ehepartner an seiner Seite hat, hat gute Chancen auf ein längeres Leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie, an der knapp eine Million Menschen teilgenommen und die Wissenschaftler nun auf der Konferenz der British Cardiovascular Society vorgestellt haben.

Für ihre Untersuchung analysierten die Forscher um Paul Carter von der Aston Medical School die Daten von Männern und Frauen, die mit Bluthochdruck, einem hohen Cholesterinspiegel oder Typ 2 Diabetes in ein Krankenhaus im Norden Englands eingeliefert wurden.

Alle drei sind gesundheitliche Beschwerden, die das Risiko für lebensgefährliche Krankheiten wie einen Herzinfarkt erhöhen, aber eigentlich gut behandelbar sind. Dafür sind Ärzte jedoch auf die Hilfe der Patienten angewiesen: Nur wer regelmäßig seine Medikamente nimmt, sich viel bewegt und auf seine Ernährung achtet, senkt das Risiko für gefährliche Folgeerkrankungen. Das gelingt nicht jedem.

16 Prozent geringeres Sterberisiko

Um herauszufinden, wie der Beziehungsstatus den Umgang mit den Krankheiten beeinflusst, konzentrierten sich die Forscher auf die Anzahl der Todesfälle unter den knapp eine Millionen Patienten. Diese Daten kombinierten sie anschließend mit dem Beziehungsstatus: Wie groß war das Risiko der Single-Patienten, im Zeitraum der Studie zu sterben? Wo groß das der Verheirateten?

Auf den ersten Blick schienen die Ergebnisse für ein Single-Dasein zu sprechen, wie die Grafik zeigt. In einem zweiten Schritt rechneten die Forscher jedoch noch den Einfluss von Faktoren wie Alter oder Geschlecht auf das Sterberisiko heraus. Auch die Auswirkungen anderer Krankheiten, die am häufigsten zum Tod führen, berücksichtigen sie.

Damit verschob sich das Ergebnis:

  • Bei den Patienten mit einem hohen Blutfettspiegel reduzierten Ehepartner den Berechnungen zufolge das Sterberisiko um 16 Prozent,
  • bei den Patienten mit einem Typ 2 Diabetes um 14 Prozent und
  • bei den Patienten mit Bluthochdruck um immerhin 10 Prozent.

Als Vergleich für die Daten dienten immer Singles. Aber auch Patienten mit einer normalen Partnerschaft schnitten den Berechnungen zufolge schlechter ab als die Verheirateten - und zum Teil sogar schlechter als die Singles.

Nimm deine Medikamente!

Auf Basis ihrer Ergebnisse können die Forscher zwar nicht mit absoluter Sicherheit sagen, dass tatsächlich die Ehe das Leben verlängert und nicht ein anderer Faktor, den sie übersehen haben. Weitere Studien sprechen jedoch ebenfalls für einen positiven Einfluss des Ehepartners auf die Gesundheit.

Dasselbe Forscherteam hatte beispielsweise vergangenes Jahr beobachtet, dass verheiratete Menschen einen Herzinfarkt eher überleben als Singles. "Die schützenden Effekte einer Ehe könnten möglicherweise darauf zurückzuführen sein, dass die Patienten sozial stärker unterstützt werden, deshalb einen gesünderen Lebensstil führen und ihre Medikamente zuverlässiger einnehmen", schreiben sie im Fazit ihres kurzen Konferenzberichtes.

Andersherum heißt das jedoch auch, dass sich Singles mit einem funktionierenden sozialen Umfeld keine Sorgen machen müssen: Die zentrale Botschaft der Studie sei, dass sowohl das soziale Umfeld als auch medizinische Risikofaktoren einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlergehen haben, zitiert die "BBC" Mike Knapton von der British Heart Foundation.

"Egal, ob man nun verheiratet ist oder nicht - wer einen der größten Risikofaktoren für Herzerkrankungen entwickelt, kann Angehörige darum bitten, ihm beim Umgang damit zu helfen."

irb



insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
sammilch 09.06.2017
1.
Ich wage mich zu erinnern, dass das bereits Aaron Antonovsky vor einigen Jahren bereits bewiesen hatte - neben einem ausgeprägten Sinn für das Leben (Verstehbarkeit, Begreiflichkeit, Sinnhaftigkeit) gehörte auch ein stabiles Umfeld zu den Faktoren die Menschen gesund erhalten.
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