Eifersucht: Die dunkle Seite der Liebe

Von Jasmin Andresh

Eifersucht lässt Menschen Dinge tun, die ihnen normalerweise nie in den Sinn kämen: Sie spionieren ihrem Partner hinterher oder werden gar gewalttätig. Warum? Forscher streiten über den Ursprung des heftigsten unserer Gefühle.

Eifersucht: Die dunkle Seite der Liebe Fotos
Corbis

Frank ballt die Hand in der Tasche zur Faust, als er sieht, wie der attraktive Kerl auf der Party seine Freundin anbaggert. Paula surft stundenlang auf den Facebook-Seiten ihres neuen Lovers und sucht nach Grußbotschaften seiner Ex. Und schon die zweijährige Mia fühlt Zorn in sich aufsteigen, wenn Mama ein fremdes Baby auf den Arm nimmt.

Eifersucht kennen wohl die meisten von uns. Sie ist ein altes Menschheitsthema, der Stoff, aus dem Dramen und Tragödien gestrickt sind. Wer von ihr geplagt wird, sieht seine Verbindung zu einer anderen Person oder den eigenen Stellenwert gefährdet, sei es beim Partner, bei der besten Freundin oder bei der eigenen Mutter. Die Betroffenen erleben eine ganze Bandbreite an Gefühlen von Angst und Traurigkeit bis hin zu blanker Wut, oder sie ergehen sich in Selbstzweifeln.

Doch die Frage, warum dieses heftige Gefühl überhaupt existiert, gibt Forschern immer noch Rätsel auf: Ist Eifersucht womöglich nur ein Zeichen für eine intakte soziale Beziehung? Oder folgen die Wutausbrüche betrogener Ehemänner und -frauen einem alten evolutionären Schema, das sich einst im Lauf der Menschheitsgeschichte als nützlich erwiesen hat? Auf der Suche nach Antworten rücken Psychologen dem partnerschaftlichen Argwohn immer systematischer zu Leibe.

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Auf einen Blick
Warum wir argwöhnen

1. Eifersucht kommt nicht nur in Liebesbeziehungen vor, sondern auch zwischen Freunden, Geschwistern und Eltern. Sie kann mit verschiedenen Gefühlen wie Angst, Wut oder Traurigkeit einhergehen.

2. Warum es Eifersucht gibt, ist umstritten. Einer gängigen Theorie zufolge ist sie im Lauf der Evolution entstanden und half den Frühmenschen dabei, erfolgreich ihre Gene weiterzugeben. Demnach reagieren Männer stärker auf sexuelle, Frauen dagegen auf emotionale Untreue.

3. Während ältere Studien diese Theorie stützen, zeichnen neuere Untersuchungen ein differenzierteres Bild: Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind geringer als gedacht – und Eifersuchtsreaktionen offenbar stark von kulturellen Erwartungen geprägt.

Ist Eifersucht eine Krankheit?

Auch wenn ihr Name an eine Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol erinnert – Eifersucht ist keine Sucht. Das Wort setzt sich aus dem althochdeutschen eiver (das Herbe oder Bittere) und suht (Krankheit, Seuche) zusammen. Krankhafte Züge kann die Eifersucht indes tatsächlich annehmen, allerdings weniger als Extremform eines »ganz normalen« partnerschaftlichen Misstrauens, sondern eher als Symptom im Rahmen einer schweren psychischen Störung.

Ein so genannter Eifersuchtswahn kann bei Schizophrenie und Alkoholabhängigkeit auftreten, aber auch die Folge von Hirnschädigungen sein, etwa durch eine Alzheimerdemenz. Die Betroffenen sind felsenfest davon überzeugt, dass ihr Partner sie hintergeht, und stellen teils absurde Verdächtigungen an – etwa, dass die eigene Partnerin Verhältnisse mit sämtlichen Nachbarn habe. Antipsychotische Medikamente können in diesem Fall die wahnhaften Symptome oft lindern.


Eifersuchtsmodule im Gehirn?

Japanische Forscher untersuchten 2008 die Hirnaktivität von Männern und Frauen, die verschiedene Eifersucht weckende Sätze lasen. Bei Männern regten sich vermehrt Regionen, die mit sexuellem und aggressivem Verhalten in Verbindung gebracht werden, wie Hypothalamus und Amygdala. Bei Frauen hingegen wurden vermehrt Neurone der oberen Temporalfurche aktiv, die bei der sozialen Wahrnehmung eine Rolle spielen.

(Takahashi, H. et al.: Men and Women Show Distinct Brain Activations During Imagery of Sexual and Emotional Infidelity. In: Neuroimage 32, S. 1299 – 1307, 2006)