G-Punkt: Es gibt ihn, es gibt ihn nicht

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Auf den Punkt?: Ärzte forschen weiter nach der Gräfenberg-Zone

Mal wieder will ein Arzt ihn gefunden haben, den mysteriösen G-Punkt, den wahren Quell sexueller Erfüllung der Frau. Doch der endgültige Beweis missglückt ihm. Bei nur einer Leiche hat der Anatom nachgesehen. Und dann behauptet er noch, es würde ein G-Punkt-Gen geben.

Die weibliche Anatomie, unendliche Mysterien. Wir schreiben das Jahr 2012 - und wieder einmal hat ein Arzt entdeckt, was vor ihm noch nie ein Mensch gesehen hat: den G-Punkt. Aber vielleicht ist die Entdeckung auch, passend zur Anlehnung an die legendären "Star Trek"-Einleitungssätze, nicht nur Science, sondern auch Fiction.

Denn der US-amerikanische Arzt Adam Ostrzenski stützt sich auf die Obduktion einer einzigen Frauenleiche, wie er im "Journal of Sexual Medicine" berichtet. In der vorderen Wand der Vagina habe er die sackähnliche Struktur identifiziert, die schwellkörperartiges Gewebe enthalten soll. Etwa einen Millimeter lang und dreieinhalb Millimeter breit ist die Struktur, die sich zum Ende hin verjüngt.

Für Ostrzenski eine klare Sache: Das muss der G-Punkt sein, den der deutsche Gynäkologe Ernst Gräfenberg bereits in den fünfziger Jahren beschrieben hat. Das Reizen der Region in der Vaginalwand soll Frauen phantastische Orgasmen bescheren - nur ob die erogene Zone auch existiert, ist seit eh und je umstritten.

G-Punkt-Gen? Fehlanzeige

Ostrzenski bleibt den Beleg schuldig, ob die von ihm offen gelegte anatomische Besonderheit etwas mit dem Lustempfinden von Frauen zu tun hat. Sein Studienobjekt, eine 83-Jährige, war ja bereits verstorben.

Der Arzt sagt, er habe nicht nur, wie die meisten Forscher, das oberflächliche Gewebe seziert, sondern sei auch in tiefere Schichten vorgedrungen. In seinem Institut beschäftigt er sich vor allem mit kosmetischen Operationen im Vaginalbereich und wird daher in den USA regelmäßig als Experte für die weibliche Anatomie zitiert. Er arbeitet am kommerziell ausgerichteten Institute of Gynecology in St. Petersburg im US-Bundesstaat Florida.

Mit Genforschung nimmt der Arzt es dagegen nicht so genau. In seinem Fachartikel erwähnt er, wie es sich für solche Aufsätze gehört, diverse wissenschaftliche Hinweise, die seine These stützen. Darunter auch: das G-Punkt-Gen. Dieses sei bereits identifiziert und sei auch in sogenannten Microarrays integriert, schreibt der Arzt. Ostrzenski setzt ordnungsgemäß eine Fußnote, die auch zu einer Studie führt, in der tatsächlich ein Genchip und der G-Punkt auftauchen. Nur entpuppen sich die G-Spots dort als etwas ganz anderes - kurze DNA-Sequenzen, in denen vier oder mehr Guanin-Basen auftauchen, werden so genannt. G-Punkt-Gen? Fehlanzeige!

Deutsche Expertin skeptisch

Man kann nur hoffen, dass Ostrzenski bei der Leichensektion genauer hingeschaut hat als bei der Zusammenstellung seiner Fußnoten. Bei der Obduktion entdeckte er den G-Punkt, wie er schildert, nicht parallel zur Harnröhre, sondern in einem Winkel von 35 Grad zu dieser verlaufend. Das untere Ende liege dabei lediglich drei Millimeter von der Harnröhre entfernt und das obere 15 Millimeter. Aus dem Körper entnommen, habe sich die Struktur wie ein kleiner, von einer bindegewebsartigen Schicht bedeckter Sack dargestellt, in dessen Innerem bläuliche, traubenförmige Gebilde zu erkennen gewesen seien. Diese erinnerten Ostrzenski an Schwellkörper, wie sie beispielsweise im Bereich der Klitoris zu finden sind.

Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik der Technischen Universität München, erklärt, dass schon häufig versucht wurde, die Existenz des G-Punktes anatomisch-funktionell nachzuweisen. "Besonders hartnäckig wird diese Diskussion von denjenigen geführt, die selbst Unterspritzungen, Vergrößerungen, Verlagerungen des vermuteten G-Punktes anbieten und damit suggerieren, es sei möglich, durch diese Eingriffe die Qualität des sexuellen Erlebens zu steigern", kommentiert die Expertin, die Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ist. Ostrzenskis Untersuchung sei in diese ungezählten Versuche einzureihen und trage nicht zum Erkenntnisgewinn bei, urteilt sie.

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insgesamt 4 Beiträge
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    Seite 1    
1. Bisher fällt vor Allem auf...
kb-redaktion 26.06.2012
daß die ganze Debatte um den G-Punkt nur deswegen geführt wird, weil es so interessant ist. Haben wir ihn gefunden. Geht´s dann richtig ab? Man sollte Sexualberater werden und behaupten, man habe ihn jetzt wirklich gefunden. Man habe seine Frau genau untersucht und "Zack", da habe man ihn gesehen... Dann steht man jeden Sommer in der Presse und bald kennt einen die ganze Welt...
2.
Rainer Helmbrecht 26.06.2012
Zitat von kb-redaktiondaß die ganze Debatte um den G-Punkt nur deswegen geführt wird, weil es so interessant ist. Haben wir ihn gefunden. Geht´s dann richtig ab? Man sollte Sexualberater werden und behaupten, man habe ihn jetzt wirklich gefunden. Man habe seine Frau genau untersucht und "Zack", da habe man ihn gesehen... Dann steht man jeden Sommer in der Presse und bald kennt einen die ganze Welt...
Also, mir wäre es unangenehm, wenn jeden Sommer, viele Leute verkünden würden, sie kennen den G-Punkt meiner Frau;o). MfG. Rainer
3. Es ist schon,
marion2012 16.07.2012
Zitat von sysopMal wieder will ein Arzt ihn gefunden haben, den mysteriösen G-Punkt, den wahren Quell sexueller Erfüllung der Frau. Doch der endgültige Beweis missglückt ihm. Bei nur einer Leiche hat der Anatom nachgesehen. Und dann behauptet er noch, es würde ein G-Punkt-Gen geben. G-Punkt: US-Arzt Ostrzenski will Gräfenberg-Zone entdeckt haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/0,1518,835962,00.html)
sehr amüsant. Mal wieder will ein Arzt ihn gefunden haben, den mysteriösen G-Punkt, den wahren Quell sexueller Erfüllung der Frau. Die weibliche Anatomie, in Bezug auf den G- Punkt, werden Ärzte- Männer nicht ergründen.
4. Amüsant
leserin_45 13.09.2012
sind und bleiben doch die Dinge, die niemand so richtig erklären kann, egal ob es sie gibt oder nicht! Ich bekenne, diesen ominösen Punkt noch nie gefunden zu haben, somit halte ich persönlich ihn für eine reine Erfindung.
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