Haarentfernung: Intimrasur mit Folgen
Immer mehr Menschen frisieren sich den Schambereich. Nicht ohne Risiken: Pusteln, Pickel und Rasurbrand können die Folge sein, bei der Blitzlampe drohen Verbrennungen. Im Extremfall folgt sogar ein kosmetischer Eingriff - denn das, was versteckt war, missfällt mitunter.
Für viele gehört die Intimrasur mittlerweile zur normalen Körperpflege dazu. Junge, trendbewusste Menschen wählen heute in den professionellen Enthaarungsstudios ebenso einfach zwischen Brasilian Hollywood-Cut (alle Haare fallen) und Brasilian Landing Strip (ein kleiner Streifen bleibt stehen), wie sie im Coffeeshop einen "Latte decaf to go" bestellen.
2008 ergab eine medizinpsychologische Studie der Universität Leipzig mit 314 Studenten, die im Schnitt 23 Jahre alt waren, dass 88 Prozent der befragten Frauen und 67 Prozent der Männer ihren Intimbereich modifizierten. Eine zweite Erhebung unter insgesamt 2512 Befragten bestätigte das Ergebnis weitgehend: 69,7 Prozent der Männer rasierten sich regelmäßig, bei den Frauen waren es 67,7 Prozent. Als Hauptgründe gaben die Befragten das Schönheitsideal, Hygiene und besseren Sex an.
Auch das Dr.-Sommer-Team der "Bravo" lieferte nach einer Umfrage eigene Daten: Demnach rasierten sich 2009 bereits 65 Prozent der Mädchen und 42 Prozent der Jungen zwischen elf und 17 Jahren die Schamhaare. Die häufigste Begründung: "Schamhaare sind eklig."
Intimrasur mit Risiken
Seit Jahrtausenden versuchen die Menschen, ihre Schamhaare loszuwerden. Kleopatra soll warmes Bienenwachs benutzt haben, Cäsar ließ sich mit einer Elfenbeinpinzette jedes Haar einzeln ausrupfen, andere griffen zu Fledermausblut, Pech oder geschliffenen Muscheln.
Heute ist das Vorgehen zwar weniger archaisch. Die perfekte Methode zur Haarentfernung ist dennoch nicht erfunden: Die Hautärztin Uta Schlossberger wird fast täglich in ihrer Praxis mit den Folgen missglückter Haarentfernungsmethoden konfrontiert - kreuz und quer durch alle Alters- und Geschlechtergruppen.
"Nach der Rasur gibt es häufig Hautreizungen, die Haut brennt, es bilden sich Pickelchen und Pusteln", sagt die Hautärztin, die Sprecherin des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen ist. "Gerade im Intimbereich sind schnell Infektionen möglich, die dringend behandelt werden müssen." Denn aus Pickeln können Furunkel oder Abszesse werden, aus einem eingewachsenen Haar schlimmstenfalls eine Wundrose oder eine Blutvergiftung. "Wer zu eingewachsenen Haaren neigt, sollte statt der Rasur etwa das Lasern wählen", empfiehlt Schlossberger.
Der Dermatologin zufolge birgt vor allem die Selbstrasur ein Verletzungsrisiko, über das Mikroorganismen eintreten können. Auch beim Waxing könne es schlimme Entzündungen geben, wenn es unsauber zugehe. Die Hautärztin warnt auch vor der Blitzlampe, kurz IPL ("Intense Pulsed Light)": "Schwere Verbrennungen sind möglich, da der Kopf der Lampe sehr groß ist und daher die Zielpartien nicht so gut angesteuert werden können."
Von Schamhaartoupets und Intimchirurgie
Viel nackte Haut in den Medien, die gestiegene Akzeptanz von Pornografie in der Gesellschaft und offenherzig über Schamhaartoupets und Intimrasuren plaudernde Hollywood-Stars wie Kate Winslet könnten Experten zufolge Gründe dafür sein, dass die haarfreie Intimzone überhaupt zur Mode wurde. Der Sexualwissenschaftler Jakob Pastötter ist davon überzeugt, dass der Trend zur Intimrasur aus dem Softporno-Metier kommt: "Im 'Playboy' war 2001 in der deutschen Ausgabe das erste haarlose Genital zu sehen. Spätestens seitdem ist die letzte Bastion der Intimsphäre gefallen, auch diese Körperregionen werden nun Schönheitsnormen unterworfen."
Vorstellen kann er sich nicht, dass der Wunsch nach mehr Hygiene der wahre Grund ist. "Jeder hat fließend Wasser zu Hause", so Pastötter. "Die Männer haben den Trend in den neunziger Jahren angeschoben, weil sie nackte Genitalien in den Pornofilmen sahen. Und dann wollten sie das eben auch zu Hause haben."
Die Entblößung des Genitals spreche zudem nicht zwangsläufig für eine selbstbewusstere Sexualität. Im Gegenteil könne das, was zutage komme, auch verunsichern: "Die Menschen kennen Bilder vom getunten, nackten Genital aus Magazinen", so der Sexualforscher. "Sie vergleichen sich mit den retuschierten Bildern und leiden, weil das eigene Geschlechtsorgan nicht so perfekt aussieht." Vor allem wenn die inneren über die äußeren Schamlippen ragen, werde dies von vielen als ästhetischer Mangel gesehen. "Dabei ist das bei mindestens der Hälfte der Frauen der Fall", sagt Pastötter. Die Verunsicherung führt im Extremfall zur Schönheitsoperation. Vor drei Jahren schlug die Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Alarm: Die Zahl von Schönheits-OPs im Intimbereich habe sich drastisch erhöht.
Einen positiven Nebeneffekt hat die Intimrasur australischen Forschern zufolge aber: Die Filzlaus, die noch lieber in Scham- als in Achsel- oder Barthaaren lebt, ist vom Aussterben bedroht.
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- Christine Pander ist Ethnologin und freiberufliche Wissenschaftsjournalistin. Am liebsten schreibt sie über Themen, die das Leben leichter machen.

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