Maskuline Züge Volksgesundheit beeinflusst Partnerwahl

Wer besonders maskulin aussieht, bringt gutes Genmaterial mit - das zumindest scheinen Frauen zu hoffen, die in Gesellschaften mit schlechter öffentlicher Gesundheit leben. Sie schwärmen eher für männliche Partner als für weniger kantig aussehende Männer, wie eine Studie ergab.


London - Softie oder harter Kerl? Welchen Partner sich eine Frau sucht, hängt offenbar auch mit dem durchschnittlichen Gesundheitszustand in ihrer Heimat zusammen. Denn wenn die Lebenserwartung niedrig und die Verbreitung ansteckender Krankheiten vergleichsweise hoch ist, bevorzugen Frauen offenbar Männer mit maskulinen Gesichtszügen. Das zumindest berichtet eine Forschergruppe um Lisa DeBruine von der University of Aberdeen im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

Die Partnerwahl bei Menschen ist ein beliebtes Forschungsfeld. So haben Wissenschaftler Hinweise darauf gefunden, dass die Gesichter der Eltern mitentscheidend für die Partner-Vorlieben der Kinder sind. Bisher kaum untersucht war aber die Frage, wie die Wahl von Frauen von äußeren Faktoren wie den Gesundheitsbedingungen abhängt. Forscher glauben, dass urtümliche Assoziationen am Werk sind: Frauen verbinden maskuline Gesichtszüge mit genetischer Gesundheit - und so mit besseren Chancen auf die Zeugung gut gerüsteten Nachwuchses. Das wiederum sei in Ländern wichtig, in denen die individuelle Konstitution entscheidend für das Überleben sein kann.

Doch die maskulin wirkenden Männer haben auch Nachteile: Sie gelten eher als untreu, unkooperativ und an kurzfristigen Beziehungen interessiert. Das erkläre, warum Frauen aus Ländern mit hohem Entwicklungsstand weniger dazu neigen, maskulin aussehende Männer zu favorisieren, schreiben die Forscher. Bereits vor einigen Jahren hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass sich Männer mit guten - und langfristigen - Vaterqualitäten durchaus am Gesicht erkennen lassen.

Für die aktuelle Studie hatten fast 5000 Frauen zwischen 16 bis 40 Jahren aus 30 überwiegend westlichen Nationen Fotos von Männern bewertet. Zu den Ländern zählten unter anderem Deutschland, Brasilien, Kanada, Russland und Schweden. Um jeweils eine maskuline und eine feminine Version der Porträts zu erhalten, bearbeiteten die Forscher die Bilder am Computer.

Die Ergebnisse der Beurteilung verglichen DeBruine und ihre Kollegen mit Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur nationalen Gesundheit der jeweiligen Staaten. Der sogenannte Gesundheitsindex setzt sich aus acht verschiedenen Kennzahlen zusammen, unter anderem Säuglingssterblichkeit, Lebenserwartung und Todesfälle durch ansteckende Krankheiten.

Je niedriger der Index für einen Staat war, desto höher war auch der Hang der Frauen zu maskulinen Männern. Diese Befunde seien unabhängig vom Durchschnittsalter der jeweiligen Landesgruppen und von individuellen Paarungsstrategien. Alle untersuchten Länder hätten allerdings einen relativ hohen Entwicklungsstand. Zu untersuchen bliebe deshalb, ob die Befunde auch auf sehr arme Staaten zutreffen, räumen die Forscher ein.

chs/dpa/AFP/ddp



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