Pille danach Europäische Arzneimittelbehörde prüft Freigabe von "Ellaone"

Die Bundesregierung läuft Gefahr, in der Diskussion über die Rezeptpflicht der Pille danach übergangen zu werden: Wie die "FAZ" berichtet, prüft die europäische Arzneimittelbehörde die Freigabe einer neueren Variante des Medikaments. Diese würde europaweit gelten.

Neuartige Pille danach "Ellaone": Momentan noch in ganz Europa unter Rezeptpflicht
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Neuartige Pille danach "Ellaone": Momentan noch in ganz Europa unter Rezeptpflicht


Hamburg - Der Bundesregierung könnte die Entscheidung über die Pille danach aus der Hand genommen werden: Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema prüft laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" die Freigabe einer neueren Variante des Medikamentes. Stimmt sie für eine Aufhebung der Rezeptpflicht, könnte das entsprechende Medikament europaweit ohne Rezept in den Apotheken abgeholt werden - auch gegen den Willen der deutschen Regierung.

Eine Ema-Sprecherin bestätigte der "FAZ" zufolge, dass ein Antrag auf Freigabe des Medikaments vorliege. Zu den Chancen dafür oder einem Zeitrahmen für die Entscheidung wollte sie dem Bericht zufolge keine Angaben machen.

Die Bundesregierung streitet momentan heftig über die Frage, ob die Pille danach in Zukunft ohne ein Rezept in der Apotheke geholt werden kann. Das Medikament soll eine Schwangerschaft verhindern und muss nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr möglichst schnell eingenommen werden. Während sich die Länder, SPD und Opposition für eine Freigabe aussprechen, stemmt sich die CDU um Gesundheitsminister Gröhe dagegen.

Diskussion um unterschiedliche Varianten der Pille danach

Die deutsche Diskussionen dreht sich allerdings - anders als der Antrag der europäischen Arzneimittelbehörde - um die seit Jahren etablierte Pille danach "Pidana". Aufgrund der langjährigen Erfahrungen existieren umfassende Daten zur Sicherheit der Medikaments, das auf dem Wirkstoff Levonorgestrel basiert. Es ist bereits heute in vielen europäischen Ländern rezeptfrei zu erhalten.

Bei der Ema hingegen entscheiden die Experten über die Freigabe einer Weiterentwicklung der Pille danach: "Ellaone", die erst seit 2009 zugelassen ist und noch in ganz Europa der Rezeptpflicht unterliegt. Da sie europaweit zugelassen wurde, könne die Ema allein das Ende der Verschreibungspflicht bestimmen, schreibt die FAZ. Die "Pidana" hingegen wurde von der deutschen Arzneiaufsichtsbehörde zugelassen, bei ihr hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Entscheidungsgewalt.

Beide Varianten der Pille danach haben Vor- und Nachteile: Während die "Pidana" spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr geschluckt werden muss, darf die "Ellaone" bis zu 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Dafür existieren für die neuere Pille "Ellaone" deutlich weniger Daten zur Sicherheit und sie ist knapp doppelt so teuer.

PILLE DANACH: ARGUMENTE FÜR UND GEGEN DIE REZEPTFREIGABE

Pro:

  • Die Arzneimittel-Experten vom BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) haben in einer Prüfung keine medizinischen Argumente gefunden, die zwingend gegen eine Entlassung aus der Rezeptpflicht sprechen.
  • Die Familienberatung Pro Familia argumentiert, in ländlichen Gebieten sei der Zugang zu Ärzten am Wochenende, an Feiertagen oder in der Nacht nicht immer gewährleistet.
  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO schreibt in einem Factsheet: "Für einen korrekten Gebrauch ist eine medizinische Überwachung nicht notwendig." Die Levonorgestrel-Präparate seien sicher, führten nicht zu einem Schwangerschaftsabbruch, und Nebenwirkungen seien selten und normalerweise gering.
  • Der von rot-grünen Bundesländern dominierte Bundesrat hatte im November die Rezeptfreiheit verlangt, um gerade jungen Frauen einen schnellen Zugang zu dem Präparat ohne Arztbesuch zu ermöglichen. Auf diese Weise würden letztlich auch Abtreibungen verhindert.
  • Laut Pro Familia gibt es noch immer "sehr viele" Krankenhäuser, die Frauen abweisen, wenn sie die Pille danach haben möchten.

Contra:

  • Die katholische Kirche argumentiert, das Präparat könne befruchtete Eizellen daran hindern, sich in der Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Wissenschaftlich nachgewiesen ist das nicht.
  • Gröhe sagt, das Medikament habe in Einzelfällen schwere Nebenwirkungen und müsse daher von einem Arzt nach ausführlicher Beratung verschrieben werden. Außerdem sei ärztliche Beratung wichtig, da die verschiedenen Wirkstoffe abhängig vom Zeitpunkt der Einnahme und vom Körpergewicht der Frau unterschiedlich zuverlässig wirkten.
  • Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach sich im Deutschlandfunk für die weitere Rezeptpflicht aus, weil das deutsche System mit Beratung durch Ärzte so gut funktioniere. Es gebe in Deutschland trotz Verschreibungspflicht die wenigsten Teenager-Schwangerschaften aller Industrieländer der Welt.

Warum die Pille danach keine Abtreibung ist

irb/AFP

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
polarwolf14 24.02.2014
1. Barbarisch
diese Pille danach gehört nicht freigegeben sondern restriktiviert! Die ganzen ungeborene Kinder können sich nicht wehren, das ist schlichtweg Tötung nur weil die deutschen a) Verantwortungslos mit Sex umgehen b) Kinderleben einer bescheuerten Karriere vorziehen, vor allem Frauen. Kein Wunder, dass die Deutschland mehr auf Immigration angewiesen ist und somit diese Frauen degradiert, statt selbst mal anzufangen, mehr Kinder zu bekommen.
dadanchali 24.02.2014
2. nee
Zitat von sysopDPADie Bundesregierung droht, in der Diskussion über die Rezeptpflicht der Pille danach übergangen zu werden: Wie die "FAZ" berichtet, prüft die europäische Arzneimittelbehörde die Freigabe einer neueren Variante des Medikaments. Diese würde europaweit gelten. http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/notfallverhuetung-ema-koennte-pille-danach-freigeben-a-955293.html
Eine sinnvolle Maßnahme, doch wer ist dagegen? Die Religionsspinner, die gegen alles sind was ihr erfundenes Weltbild mit Papa Gott in der Mitte stört. Ärzte die bei einer Freigabe nicht mitverdieneen können. Und sonst? Niemand! Die Nebenwirkungen muss man ernst nehmen. Es bleiben aber die Gleichen ob mit oder ohne Arztbesuch. Ein seriöser Apotheker kann da zumeist auch beraten. Die Pille danach ist sinnvoll weil nicht der unsinnig lange Weg bis zum Rezept gegangen werden muss. Unsere religiösen Freunde würden am Liebsten eine 9monatige Karenz bis zum Ausstellen des Rezeptes noch dazwischen schieben.
Georg_Alexander 24.02.2014
3. Ja, das ist ein Argument
Zitat: "Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach sich im Deutschlandfunk für die weitere Rezeptpflicht aus, weil das deutsche System mit Beratung durch Ärzte so gut funktioniere." Ehrlicherweise sollte aber "durch" mit "für" ersetzt werden.
dadanchali 24.02.2014
4. nee
Zitat von polarwolf14diese Pille danach gehört nicht freigegeben sondern restriktiviert! Die ganzen ungeborene Kinder können sich nicht wehren, das ist schlichtweg Tötung nur weil die deutschen a) Verantwortungslos mit Sex umgehen b) Kinderleben einer bescheuerten Karriere vorziehen, vor allem Frauen. Kein Wunder, dass die Deutschland mehr auf Immigration angewiesen ist und somit diese Frauen degradiert, statt selbst mal anzufangen, mehr Kinder zu bekommen.
Wollen Sie jetzt tatsächlich eine Debatte um Abtreibung? Oder ist Ihr Weltbild so verengt, dass Sie aus Ihrem religiösen Gefängnis gar nicht herauskönnen? Die Pille danach soll es also nicht geben damit es mehr Kinder gibt, so eine Art Lebensborn reloaded? Engstirnigkeit schützt vor Argumenten, ist aber nicht sehr sinnvoll!
appenzella 24.02.2014
5. @spon
"Die Bundesregierung droht, in der Diskussion über die Rezeptpflicht der Pille danach übergangen zu werden:" Das ist schlechte Grammatik, die Aussage wird verändert. Nicht: Die Bundesregierung droht, sondern "Der Bundesregierung droht" muß es wohl heißen.
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