Verhütung: Was man über die Pille wissen sollte

Anti-Baby-Pille: Seit mehr als 50 Jahren das wichtigste Mittel zur Familienplanung Zur Großansicht
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Anti-Baby-Pille: Seit mehr als 50 Jahren das wichtigste Mittel zur Familienplanung

Die Hormonpille ist das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel in Deutschland. Eine Schwangerschaft verhindern kann das Medikament nur, wenn es richtig eingesetzt wird. Frauen, die mit ihr verhüten, sollten außerdem die Nebenwirkungen der Pille kennen.

Wie funktioniert die Pille?

Die eine Pille gibt es nicht. Auf dem Markt sind unterschiedliche Arten, die meistens zwei weibliche Geschlechtshormone enthalten, Östrogen und Gestagen. Moderne Pillen kommen mit deutlich niedrigeren Hormonmengen aus, als das erste in Deutschland verfügbare Präparat "Anovlar" in den sechziger Jahren. Mittlerweile gibt es die Minipille, die nur Gestagene enthält. Einige dieser Minipillen müssen besonders exakt eingenommen werden, um verhütend wirken zu können.

Eine Schwangerschaft verhindern alle Pillenarten, indem sie den Eisprung verhindern, das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter erschweren und die Schleimhaut der Gebärmutter so verändern, dass ein befruchtetes Ei sich nicht einnisten könnte.

Was sind Ein-, Zwei- und Dreiphasenpillen?

Am verbreitetsten sind Einphasenpillen. In einer Packung sind 21, 22 oder 28 Dragees enthalten. Bei Pillen mit 21 oder 22 Dragees enthält jede Pille die gleiche Hormonmenge, jeden Tag wird eine Pille genommen. Anschließend folgt eine Pause von sieben (21) oder sechs (22) Tagen, während der es zur Monatsblutung kommt, weil dem Körper die Hormone entzogen werden. Bei Pillen, die 28 Dragees in einer Packung enthalten, sind je nach Präparat die letzten vier, sechs oder sieben Pillen ohne Wirkstoff. 28 Pillen sind es nur, um Einnahmefehler zu vermeiden.

Bei Zwei- und Dreiphasenpillen sind die Mengen an weiblichen Geschlechtshormonen und das Mischungsverhältnis je nach Einnahmetag unterschiedlich. So soll der weibliche Zyklus nachgeahmt werden. Diese Pillen müssen unbedingt in der richtigen Reihenfolge eingenommen werden, sonst verhüten sie unter Umständen nicht zuverlässig.

Wie sicher verhütet die Pille?

Die Wirksamkeit verschiedener Verhütungsmittel vergleichen Mediziner mit Hilfe des Pearl-Indexes. Die Pille hat bei richtiger Anwendung einen Pearl-Index von unter 1, das heißt weniger als eine von hundert verhütenden Frauen wird innerhalb eines Jahres trotz Pille schwanger.

Entscheidend dafür, ob die Verhütung mit der Pille klappt, ist die korrekte Einnahme. Beginnt eine Frau, mit der Pille zu verhüten, wird das erste Dragee üblicherweise am ersten Zyklustag eingenommen, also dem ersten Tag der Monatsblutung. Von diesem Tag an verhütet die Pille. Der Schutz vor einer Schwangerschaft erstreckt sich auch über die Einnahmepause und die Monatsblutung.

Außer bei der Minipille ist eine vergessene Pille noch nicht schlimm, wenn sie innerhalb von zwölf Stunden noch genommen wird. Mehrere vergessene Dragees hintereinander allerdings gefährden den Verhütungsschutz. Erst nach einer durchgehenden Einnahme für sieben Tage besteht der Schutz erneut - solange müssen andere Verhütungsmethoden wie zum Beispiel Kondome verwendet werden.

Für die Minipille gilt: Die meisten Präparate müssen täglich in einem engeren Zeitfenster eingenommen werden als die normale Pille.

Wann wirkt die Pille nicht?

Immer dann, wenn eine Pilleneinnahme vergessen wurde - und bei normalen Pillen nicht innerhalb von zwölf Stunden nachgeholt wurde - ist der Empfängnisschutz gefährdet. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet einen Online-Schnelltest "Pille vergessen?", der zeigt, ob die Verhütung noch gewährleistet ist.

Verschiedene Medikamente können trotz zuverlässig eingenommener Pille die Verhütung gefährden: Antibiotika, Abführmittel, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel und Epilepsiemedikamente. Auch pflanzliche Wirkstoffe wie Johanniskraut machen die Pille unwirksam. Der Beipackzettel der Medikamente enthält Informationen über die Wechselwirkungen mit der Pille. Arzt und Apotheker sollten, wenn sie solche Wirkstoffe verschreiben beziehungsweise verkaufen, darauf hinwiesen, dass für die Dauer der Einnahme und sieben Tage darüber hinaus zusätzlich zum Beispiel mit Kondomen verhütet werden muss.

Durchfall und Erbrechen können dazu führen, dass die Hormone aus der Pille nicht aufgenommen werden und der Verhütungsschutz so unterbrochen wird.

Im Zweifelsfall sollte der Frauenarzt aufgesucht werden.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Zu den unerwünschten Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, sexuelle Lustlosigkeit, Zwischen- und Schmierblutungen, Stimmungschwankungen und Spannungsgefühle in den Brüsten. Manchen Frauen hilft der Wechsel auf ein anderes Präparat.

Sehr seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen sind venöse Thrombosen und Lungenembolien. Thrombosen sind Blutgerinnsel, die vor allem in den tiefen Beinvenen entstehen und sich lösen können. Als Embolus wandern Gerinnsel in die Lungengefäße. Bei Frauen, die sonst keine Risikofaktoren für diese Krankheiten haben, bleibt das Risiko sehr gering: Während es normalerweise zu fünf bis zehn Fällen bei 100.000 Frauen in einem Jahr kommt, steigt das Risiko mit der Pille auf zwischen 20 und 40 Fällen, je nach Präparat.

Stärker erhöht ist das Embolie- und Thromboserisiko bei Raucherinnen und Frauen mit Gerinnungsstörungen. Auch das Herz-Kreislauf-Risiko steigt bei Frauen, die rauchen und die Pille nehmen. Ein unbehandelter Bluthochdruck treibt das Risiko weiter in die Höhe. Bei Diabetikerinnen muss der Frauenarzt individuell entscheiden, ob die Patientin mit der Pille verhüten kann.

Unter anderem wegen der möglichen Risiken durch andere Krankheiten auch bei Familienmitgliedern, etwa Bluthochdruck oder Herzinfarkte bei engen Verwandten, ist es wichtig, dass der Frauenarzt vor dem Verschreiben der Pille eine Anamnese erhebt. Frauen, die mit der Pille verhüten, sollten halbjährlich ihren Frauenarzt sehen.

Wer bezahlt die Pille?

Bei Frauen bis zum 20. Lebensjahr übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die Pille. Danach muss die Verhütung aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

Schwangerschaft nach der Pille?

Wird die Pille abgesetzt, kann die Frau sofort schwanger werden. In der Praxis dauert es gelegentlich einige Monate, bis der Körper seinen natürlichen Rhythmus wiederfindet und es zum Eisprung kommt.

dba/Quelle: BZgA/DGGG

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insgesamt 7 Beiträge
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1. das ist alles?
m.bungert 31.08.2012
Schön, dass es das Thema Verhütung mal wieder in die Schlagzeilen geschafft hat. Es ist aber vielleicht etwas zuviel der Ehre, wenn sich der Artikel unter dem Titel: "Pille: Alles, was man über Verhütung wissen muss" darstellt. Mir fehlt zum einen, dass keine Alternativen benannt werden. Es gibt inzwischen einige Möglichkeiten der Verhütung. Sei es die symptothermale Methode, die Gynefix, oder der Nuva Ring ( auch wenn es sich bei ihm ebenso um ein Hormonpräparat handelt ). Ein weiterer Aspekt, der meiner Ansicht nach ebenfalls etwas zu kurz kommt, ist, dass Paare, die sich nach längerer Verhütungszeit mit der Pille zu einer Schwangerschaft entschlossen haben, oftmals großen Probleme gegenüberstehen, dieses Vorhaben umzusetzen ( ein bißchen was zu dem Thema hier: https://babyzauber.com/mama-werden/voraussetzungen-schwangerschaft/pille-absetzen ) . Verrät sich nicht in dieser Problematik die enorme Größenordnung, in der die Pille in den Organismus eingreift? Ich möchte aber nicht unnötig Stimmung gegen die Pille machen, wer sie verträgt soll sie auch nehmen. Das Bewusstsein aber, dass sie nur eine Möglichkeit der Empfängnisverhütung ist- und zudem eine der radikalsten, wird durch Artikel wie diesen nicht gefördert.
2. Ein Anfang
elli003 31.08.2012
Zitat von sysopDPADie Hormonpille ist das am häufigste verwendete Verhütungsmittel in Deutschland. Eine Schwangerschaft verhindern kann das Medikament nur, wenn es richtig eingesetzt wird. Frauen, die mit ihr verhüten, sollten außerdem die Nebenwirkungen der Pille kennen. http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/0,1518,852872,00.html
Dieser Artikel zumindest. So langsam scheint der Mythos der Pille ja langsam Brüche zu bekommen! Bisher galt man immer als Hausmütterchen, wenn man über die starken Nebenwirkungen der Pille sprach. Das ändert sich langsam - zum Glück und mit wiss. Fundierung. Ich stimme meinem Vorredner dabei zu, ich hätte mir gewünscht, der Artikel hätte auf hormonfreie Verhütungsmethoden hingewiesen, die ja mittlerweile genau so sicher sind wie die Pille! Ich selbst etwa bin nach langen Jahren der Pille mit all ihren Nebenwirkungen endlich auf einen sympothtermalen Computer (cyclotest 2 plus) umgestiegen - hormonfrei und sicher. Das hat mein Leben wahrlich um 180 Grad zum Besseren gewendet. Ich kann allen Frauen nur dazu raten, sich gründlich über hormonfreie Alternativen zu informieren bevor sie blind jahrelang Hormone schlucken!
3.
elli003 31.08.2012
Dieser Artikel zumindest. So langsam scheint der Mythos der Pille ja langsam Brüche zu bekommen! Bisher galt man immer als Hausmütterchen, wenn man über die starken Nebenwirkungen der Pille sprach. Das ändert sich langsam - zum Glück und mit wiss. Fundierung. Ich stimme meinem Vorredner dabei zu, ich hätte mir gewünscht, der Artikel hätte auf hormonfreie Verhütungsmethoden hingewiesen, die ja mittlerweile genau so sicher sind wie die Pille! Ich selbst etwa bin nach langen Jahren der Pille mit all ihren Nebenwirkungen endlich auf einen sympothtermalen Computer (cyclotest 2 plus) umgestiegen - hormonfrei und sicher. Das hat mein Leben wahrlich um 180 Grad zum Besseren gewendet. Ich kann allen Frauen nur dazu raten, sich gründlich über hormonfreie Alternativen zu informieren bevor sie blind jahrelang Hormone schlucken!
4. Nebenwirkung erhöhter Cholesterinwert
saskiaspieth 02.09.2012
Ich bin nach meinem Studium ins europäische Ausland gezogen. Bei meinem ersten Frauenarztermin wurde routinemässig ein Bluttest gemacht. Die Frauenärztin wunderte sich schon, dass das zuvor in Deutschland noch nie passiert ist. Bei dem Test kam heraus, dass ich mit Ende 20 den Cholesterinwert einer 50-jährigen hatte. Nachdem ausgeschlossen werden konnte, dass es keine anderen Gründe wie falsches Essen oder erbliche Vorbelastung gibt wechselte ich von einer herkömmlichen Pille zu einer Pille ohne Östrogene. Mein Cholesterinspiegel hat darauf sofort reagiert. Da in Deutschland dieser Zusammenhang jedoch vollkommen unbekannt zu sein scheint hatte ich wohl seit meinem 16. Lebensjahr 12 Jahre lang einen deutlich erhöhten Cholesterinwert. Währe ich nicht ins Ausland gegangen hätte ich den immer noch. Warum verschreibt man tausenden von jungen Mädchen ein Medikament ohne sie über eine wichtige Nebenwirkung aufzuklären und diese durch einen einfachen Bluttest zu testen?
5. Weitere Informationen
su-su79 02.09.2012
Für weitere Informationen möchte ich euch auch diese Seite empfehlen: www.risiko-Pille.de Ich kann mich den Vorrednern nur anschliessen! Bei so einem Artikel sollten auch Alternativen aufgezeigt werden. Leider fehlen diese Information schon oft bei den Frauenärzten und man gewinnt den Eindruck als gäbe es keine vernünftigen Alternativen. Unter FAQ findet ihr auch Angaben zu nicht hormonellen Methoden.
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