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06. März 2015, 16:38 Uhr

Bundesrat

Pille danach ab Mitte März rezeptfrei in der Apotheke

In wenigen Tagen erhalten Frauen die Pille danach in Deutschlands Apotheken ohne ein Rezept. Der Bundesrat hat eine entsprechende Verordnung gebilligt. Die Beratung übernehmen dann die Apotheker.

Berlin - Die Beratung direkt in der Apotheke; keinen Zwang mehr, einen Arzt aufzusuchen: Frauen werden die Pille danach von Mitte März an im Notfall ohne ein Rezept erhalten. Der Bundesrat stimmte am Freitag einer Verordnung zu, die die Verschreibungspflicht der beiden auf dem Markt befindlichen Präparate aufhebt.

Mit den Medikamenten können Frauen nach einer Verhütungspanne eine Schwangerschaft verhindern, allerdings ohne hundertprozentige Sicherheit. Sie eignen sich nicht zur regelmäßigen Verhütung.

Während es die Pille danach in den meisten europäischen Ländern seit Jahren ohne Rezept gibt, hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eine Freigabe bis zuletzt abgelehnt. Auslöser des Kurswechsels war der Beschluss der EU-Kommission, eines der beiden verfügbaren Präparate EU-weit von der Rezeptpflicht zu befreien.

Beide Mittel unterdrücken oder verzögern den Eisprung und verhindern dadurch eine Befruchtung nach einer Verhütungspanne. Hat sich bereits eine befruchtete Eizelle eingenistet, sind die Präparate wirkungslos. Eine Schwangerschaft können sie also nicht abbrechen.

Wichtig: Extrem schnelle Einnahme

Hauptargument für die Freigabe war, dass die Pille danach möglichst schnell nach einer Verhütungspanne geschluckt werden sollte. Je mehr Zeit zwischen dem Sex und der Einnahme des Präparats vergeht, desto weniger wirksam ist es.

Aus diesem Grund sollen die beiden Medikamente auch in Zukunft nicht über den Versandhandel, sondern nur in Apotheken abgegeben werden. Ziel ist, dadurch neben der schnelleren Einnahme auch eine bessere Beratung zu gewährleisten.

Die Bundesapothekerkammer sicherte eine "kompetente und diskrete Beratung" der Betroffenen zu. Nach Angaben von Kammerpräsident Andreas Kiefer wird die Pille danach vom 15. März an rezeptfrei in den Apotheken erhältlich sein.

In einer Handlungsanweisung wird den Apotheken empfohlen, die Medikamente nur an die betroffene Frau persönlich und nicht an Boten und auch nicht "auf Vorrat" abzugeben. Mädchen unter 14 Jahren wird ein Arztbesuch geraten, "sie bekommen diese Medikamente im Regelfall nicht in der Selbstmedikation", sagte Kiefer.

Für junge Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten der Pille danach, sofern sie ein Rezept vorlegen. Andernfalls müssen sie das Medikament nach Beratung in der Apotheke selbst bezahlen.

irb/AFP

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