US-Studie: Jungs kommen immer früher in die Pubertät

Klein und schon sehr cool: Mit zehn entwickeln Jungs die ersten Anzeichen der PubertätZur Großansicht
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Klein und schon sehr cool: Mit zehn entwickeln Jungs die ersten Anzeichen der Pubertät

Bei Mädchen war es schon belegt, jetzt haben Forscher den Nachweis auch für Jungs erbracht: Junge Männer werden immer früher geschlechtsreif. Für die Studie hatten Kinderärzte mehr als 4000 Jungs auf die ersten Anzeichen der Pubertät untersucht. Über die Ursache können sie aber nur spekulieren.

Der Körper verändert sich, plötzlich sind Haare, wo immer nur ein leichter Flaum stand, Mädchen sind nicht mehr blöd, sondern interessant, sogar interessanter als das coole Lego-Raumschiff, und die Bettdecke ist beim Aufwachen komisch besudelt: Wenn Jungs in die Pubertät kommen, steht ihnen eine aufregende Zeit bevor. Der Lebensabschnitt bringt jedoch auch einen langsamen Abschied von der unbeschwerten Kindheit mit sich, einen Abschied, der offensichtlich immer früher einsetzt.

Die amerikanischen Jungs kommen heute zwischen sechs Monaten und zwei Jahren früher in die Pubertät als noch vor ein paar Jahrzehnten. Das hat eine Studie des US-Instituts Pediatric Research in Office Settings (PROS) ergeben. Bisher war eine immer frühere körperliche Entwicklung nur für Mädchen durch Studien belegt und akzeptiert. Für Jungs fehlten große Untersuchungen, unter anderem, weil der Pubertätseintritt bei ihnen schwerer zu erfassen ist. Während bei Mädchen etwa die erste Periode einfach dokumentiert werden kann, fehlt bei Jungs ein derartig eindeutiger Faktor.

Für die Untersuchung hatten 212 Kinderärzte mit Sitz in 41 verschiedenen US-Staaten Informationen von insgesamt 4131 Jungs gesammelt. Dabei dokumentierten sie das Wachstum der Schamhaare und der Hoden. Während die Penislänge bei den ersten Anzeichen der Pubertät noch unverändert bleibt, beginnt das Volumen des Hodens zu wachsen, die Haut verdünnt sich und wird röter. Außerdem beginnen aus dem feinen Flaum an der Basis des Penis und des Hodensacks erste richtige Haare zu sprießen.

Erste Anzeichen mit etwa zehn Jahren

Laut der Analyse erreichen afroamerikanische Jungs als erstes dieses Entwicklungsstadium, bei ihnen zeigten sich mit durchschnittlich 9,14 Jahren die ersten Anzeichen der körperlichen Veränderung. Bei den weißen Jungs setzten die Veränderungen mit durchschnittlich 10,14 Jahren ein. Nachzügler waren die lateinamerikanischen Jungs, die durchschnittlich mit 10,4 Jahren die ersten Anzeichen für eine Pubertät entwickelten.

Damit beginnen Jungs etwa 1,5 bis 2 Jahre früher zu pubertieren, als bisher gedacht, schreiben die Forscher um Marcia Herman-Giddens in der Fachzeitschrift "Pediatrics". Die Untersuchung erlaube es Eltern, zu verfolgen, ob ihre Söhne sich ihrem Alter entsprechend üblich entwickelten, sagt einer der Studienautoren. Das sei in den USA bisher aufgrund fehlender Daten nicht möglich gewesen.

Warum die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen heutzutage im Zeitraffer abläuft, und was das für Auswirkungen auf die Gesundheit hat, müssen nun weitere Studie zeigen. Noch haben Forscher nur vage Vermutungen, die hauptsächlich auf Mädchen zutreffen: So hatten Studien zum Beispiel gezeigt, dass Übergewicht mit einem frühen Einsatz der Pubertät zusammenhängt. Auch scheinen psychische Faktoren eine Rolle zu spielen. Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, scheinen früher in die Pubertät zu kommen.

Ebenfalls diskutiert wird der Einfluss von Chemikalien auf die Entwicklung, die Sexualhormone beeinflussen. Da es sich dabei allerdings vor allem um das weibliche Sexualhormon Östrogen handelt, lässt sich die Theorie nicht einfach auf Jungs übertragen - Östrogen könnte bei ihnen genau gegengesetzt wirken und die Entwicklung eher verzögern. Ebenfalls unklar ist, wie die beobachteten ethnischen Unterschiede zustande kommen. Auch das sollen weitere Studien klären.

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insgesamt 33 Beiträge
paraibu 29.10.2012
Merkwürdig. Wenn das Thema mit Bezug auf Jungs bis dato gar nicht untersucht wurde - woher will man denn wissen, daß sich der Beginn der Pubertät nach vorne verlegt hat?
Merkwürdig. Wenn das Thema mit Bezug auf Jungs bis dato gar nicht untersucht wurde - woher will man denn wissen, daß sich der Beginn der Pubertät nach vorne verlegt hat?
Atheist_Crusader 29.10.2012
Wenn wir schon die Psychologie bemühen... wie wär's denn mit dem Ansatz, dass die USA eine Gesellschaft sind, die sich zwar krankhaft darum bemüht ihre Kinder vor allem zu beschützen, was teilweise seltsame Blüten treibt (Gewalt [...]
Zitat von sysopAuch scheinen psychische Faktoren eine Rolle zu spielen. Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, scheinen früher in die Pubertät zu kommen.
Wenn wir schon die Psychologie bemühen... wie wär's denn mit dem Ansatz, dass die USA eine Gesellschaft sind, die sich zwar krankhaft darum bemüht ihre Kinder vor allem zu beschützen, was teilweise seltsame Blüten treibt (Gewalt in den Medien ist okay, weibliche Brüste sind es nicht)... aber auf der anderen Seite Prominente zu Vorbildern hochstilisiert, die das Konzept des "körperlich erwachsenen Kindes" als funktionierenden Lebensstil erscheinen lassen? "Die Welt ist böse, Kinder, ihr müsst beschützt werden, aber wenn ihr erstmal selbst erwachsen seid, dann könnt ihr genauso weitermachen... nur mit mehr Rechten." Verantwortungsloses Benehmen, untaugliches Sozialverhalten, erstaunliche Begeisterung für Kraftausrücke, unterirdische Bildung, kein sozialer Zwang außer einem gelegentlichen "I love Jesus!"... wenn man jetzt noch den Sexualtrieb durch die Gier nach Spielzeug und Alkohol durch Süßigkeiten ersetzt, dann könnte ein Großteil der TV-Präsenz der Teens und Twens als geistige Kinder eingestuft werden. Also wie wär's denn damit als Erklärung? Erwachsenwerden wird weniger als eine Zeit der Veränderung als der "verbesserten Kindheit" propagiert.
FNagel 29.10.2012
Vor Jahren las ich bei einem der alten Vollwertkost-Pioniere -- vielleicht war es Kollath, vielleicht auch Bircher-Benner oder Schnitzer-- von einer Hypothese norwegischer Schulärzte. Sie hatten Aufzeichnungen über die immer [...]
Vor Jahren las ich bei einem der alten Vollwertkost-Pioniere -- vielleicht war es Kollath, vielleicht auch Bircher-Benner oder Schnitzer-- von einer Hypothese norwegischer Schulärzte. Sie hatten Aufzeichnungen über die immer frühere erste Menstruation der Mädchen mit den Daten über den zunehmenden Zuckerkonsum pro Kopf verglichen und daraus die Vermutung abgeleitet, daß der Zucker es sein könne, der das Einsetzen der Pubertät beschleunige.
danieljay 29.10.2012
Die Studie verifiziert eigentlich nur das, was Kulturwissenschaftler längst wissen. Beispielsweise kann man ab dem ausgehenden Mittelalter anhand der Kapellregister bei Knabenchören nachweisen, wann die Sänger aufgrund ihres [...]
Die Studie verifiziert eigentlich nur das, was Kulturwissenschaftler längst wissen. Beispielsweise kann man ab dem ausgehenden Mittelalter anhand der Kapellregister bei Knabenchören nachweisen, wann die Sänger aufgrund ihres Stimmbruchs aus dem Dienst ausschieden und an die Universitäten geschickt wurden. Zur Zeit der Renaissance geschah das ungefähr mit 18 Jahren. Für die Erkenntnis brauchte es also gar keine medizinische Studie.
Timson 29.10.2012
"Während bei Mädchen etwa die erste Periode einfach dokumentiert werden kann, fehlt bei Jungs ein derartig eindeutiger Faktor." Und Jungen bekommen etwa keinen Stimmbruch etc.? Hier zeigt sich mal wieder, dass die [...]
"Während bei Mädchen etwa die erste Periode einfach dokumentiert werden kann, fehlt bei Jungs ein derartig eindeutiger Faktor." Und Jungen bekommen etwa keinen Stimmbruch etc.? Hier zeigt sich mal wieder, dass die aktuelle medizinische Forschung feministisch optimiert ist. Die Erkenntnislage bei der Behandlung von männerspezifischen Krankheiten ist ebenso dramatisch, aber Hauptsache eine Frauenquote...
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  • Montag, 29.10.2012 – 18:12 Uhr
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