Von Marion Martin
Kalte Füße gehören zu einer Hochzeit wie das Ja-Wort und die Ringe. Viele halten das für völlig normal - ein gewöhnliches Anzeichen der Aufregung vor dem großen Tag. Doch Wissenschaftler der University of California in Los Angeles raten jetzt zur Vorsicht, wenn sich Zweifel im Bauch melden.
Über vier Jahre hinweg befragten Psychologen 232 frisch verheiratete Paare zu Bedenken gegenüber ihrer Partnerschaft. Auf die Frage, ob sie jemals unsicher waren, ihren Partner tatsächlich heiraten zu wollen, antworteten 47 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen mit Ja. Da Frauen insgesamt positiver in die Zukunft blicken, nahmen die Forscher um Justin Lavner deren Bedenken ernster, als die der Männer.
Zurecht, wie das Gesamtergebnis der Studie zeigt, die jetzt im "Journal of Family Psychology" veröffentlicht wurde. Demnach waren 19 Prozent der Frauen, die sich vor der Heirat nicht sicher waren, ob ihre Ehe halten würde, vier Jahre später tatsächlich wieder geschieden. Von denen, die sich mit ihrer Entscheidung sicher waren, hatten sich lediglich acht Prozent scheiden lassen. Bei Männern waren 14 Prozent der Bedenkenträger nach vier Jahren den Ehering wieder los, zuvor Bendenkenlose zu neun Prozent.
"Die meisten Menschen glauben, dass es völlig normal ist, vor einer Hochzeit Zweifel zu haben und man sich darüber keine Gedanken machen muss", sagt Justin Lavner. "Wenn Frauen im Vorfeld ihrer Hochzeit unsicher sind, sollten sie dieses Vorzeichen ernst nehmen." Vor allem sollten sie nicht davon ausgehen, dass sich die Bedenken von allein auflösen, warnt der Psychologe. Im Gegenteil: Den Ergebnissen nach erhöhte sich damit die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung um etwa das 2,5fache.
Paare, die sich ihrer Sache sicher sind, können demnach auf eine lange gemeinsame Zukunft blicken: Der Studie zufolge hielt die Ehe in 94 Prozent der Fälle, wenn beide Eheleute keine Zweifel hatten. Bei 36 Prozent der 232 befragten Paare war dies gegeben. Berichtete jedoch nur die Braut von Unsicherheit vor der Eheschließung, lag die Scheidungsrate bei 18 Prozent. Hegten beide Partner Zweifel, lag die Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe nach vier Jahren nicht mehr existierte, bei 20 Prozent, also nur geringfügig über den allein hadernden Ehefrauen.
Ein Grund, sich zu trennen, seien voreheliche Zweifel jedoch nicht, muntert Co-Autor Thomas Bradbury auf - und rät zur klassischen Problemlösung. "Sprechen Sie über ihre Bedenken und versuchen Sie sie aus der Welt zu schaffen. Zu den schlechtesten Lösungen gehören Kinder oder eine gemeinsame Hypothek."
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