Achilles' Ferse: "Sport steigert die Lust auf Sex"

Läuferinnen beim Halbmarathon in Berlin: Das Sexleben profitiert vom Ausdauersport, sagt Sexualmediziner Michael J. Mathers Zur Großansicht
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Läuferinnen beim Halbmarathon in Berlin: Das Sexleben profitiert vom Ausdauersport, sagt Sexualmediziner Michael J. Mathers

Erfolg durch Enthaltsamkeit ist eine Weisheit, an die viele Läufer glauben. Doch Leistungssteigerung durch Sex-Verzicht ist ein Irrtum, sagt Sexualmediziner Michael J. Mathers im Interview mit achim-achilles.de. Vor dem Wettkampf sollte die amouröse Ekstase stehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel muss man trainieren, um die Manneskraft zu stärken?

Mathers: Am besten man treibt zwei-, dreimal die Woche rund 30 Minuten Ausdauersport und ergänzt dies durch gemäßigten Kraftsport. Dabei sollte man vor allem die untere Partie des Körpers trainieren. Durch Übungen für den Beckenboden, zum Beispiel Beinpressen, können Männer die Durchblutung steigern und eine Verbesserung der Erektion erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit Marathonläufern oder Triathleten: Macht das viele Training nicht vollkommen schlapp?

Mathers: Natürlich wirkt sich ein sehr intensives Training auf die Libido aus. Das ist aber kein Effekt, der mehrere Monate anhält, sondern der in Schüben kommt. Vor allem nach besonders anstrengenden Trainingseinheiten ist es normal, dass sich die Lust auf Sex in Grenzen hält. Auf lange Sicht kommt aber auch dem Sexleben von Marathonläufern und Triathleten die positive Wirkung von Ausdauersport zu Gute.

SPIEGEL ONLINE: Triathleten sitzen viel auf dem Rad. Man hört immer wieder, dass das impotent machen kann.

Mathers: Nein, gerade bei Sportlern, die viel Rad fahren, trifft das nicht zu. Diese benutzen den Sattel nämlich fast nur zum Lenken und haben eine Beckenstellung, die wenig Druck auf den Damm verursacht. Am besten ist, regelmäßig zu fahren und die Sitzposition häufig zu wechseln.

SPIEGEL ONLINE: Spielt die Art des Sattels auch eine Rolle?

Mathers: Ja, der Sattel sollte eine Breite haben, die den Druck auf den Damm gut verteilt. Ansonsten wird der Penis nicht ausreichend durchblutet - und das kann tatsächlich zu Impotenz führen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es ein Alter, in dem Männer besonders von Impotenz bedroht sind?

Mathers: Es ist eindeutig erwiesen: Ab 50 Jahren nimmt die Impotenzrate zu. Durch Sport lässt sich der Zeitpunkt aber hinauszögern.

SPIEGEL ONLINE: Kann Sport auch noch helfen, wenn die Impotenz schon eingesetzt hat?

Mathers: Das hängt davon ab, wie ausgeprägt die erektile Dysfunktion - die Impotenz - ist. Bei Betroffenen, die noch zu Geschlechtsverkehr in der Lage sind, hilft Beckenbodentraining, um die Erektionsfähigkeit zu steigern.

SPIEGEL ONLINE: Ist der positive Effekt auf die Potenz ausschließlich auf den Sport zurückzuführen? Oder hängt er mit einer insgesamt gesünderen Lebensweise von Sportlern zusammen?

Mathers: Beides trifft zu. Sport ist ein Programm, das auch im Kopf abläuft. Man isst gesünder, raucht nicht und kann Stress besser abbauen. Das hilft auch der sexuellen Leistungsfähigkeit.

SPIEGEL ONLINE: Ist Sex vor dem Wettkampf gut oder schlecht für die sportliche Leistung?

Mathers: Für eine herausragende Leistung ist die psychische Ausgeglichenheit entscheidend. Wer sich also durch Sex wohler fühlt, sollte es tun. Im Leistungssport sieht man das mittlerweile auch nicht mehr so eng.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen Fußballer, die im Mannschaftshotel Besuch von ihren Frauen bekommen.

Mathers: Genau. Man weiß: Die Wettkämpfe werden auch im Kopf gewonnen - und dazu trägt ein befriedigendes Sexualleben bei.

Das Interview führte Wendelin Hübner

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Sex nur Männersache???
petra195 19.07.2012
Für mich wäre es auch interessant gewesen, welchen Einfluß Sport auf die weibliche Sexualität hat. Leider scheinen sowohl Dr. Mathers als auch der Interviewer zu vergessen, dass beim Sex (manchmal?) auch Frauen beteiligt sind...
2. sind Sie sicher?
oui 19.07.2012
@petra195: «dass beim Sex (manchmal?) auch Frauen beteiligt sind...». hm! ob es wirklich stimmt? jedenfalls klagt derzeit ein hetero über Disrkiminierung, weil er sein «girl» friend, gerade wegen «girl», im Olympia-Dorf nicht dabei haben kann (::). homos wären da im eindeutigen Vorteil!
3.
skal666 20.07.2012
Zitat von petra195Für mich wäre es auch interessant gewesen, welchen Einfluß Sport auf die weibliche Sexualität hat. Leider scheinen sowohl Dr. Mathers als auch der Interviewer zu vergessen, dass beim Sex (manchmal?) auch Frauen beteiligt sind...
Das ist mir auch aufgefallen. Und auf dem Foto ist auch noch eine Marathonläuferin zu sehen, mit dem Text aus dem Artikel dazu.
4.
Antidarwinist 17.07.2013
Zitat von skal666Das ist mir auch aufgefallen. Und auf dem Foto ist auch noch eine Marathonläuferin zu sehen, mit dem Text aus dem Artikel dazu.
MarathonläuferIN? Das sieht mir eher aus wie generisches Femininum.
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Zur Person
  • Dr. Michael J. Mathers, geboren 1961 in den USA, studierte Medizin in München, Bonn, Boston und Baltimore. Für seine Habilitation forschte er über männliche Sexualstörungen. Mathers arbeitet als Urologe in Remscheid.

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