Studie Das Sexleben der Deutschen

Wie viele Sexualpartner haben die Deutschen? Wie häufig gehen Männer und Frauen fremd? Und welche Altersgruppe hat am meisten Sex? Forscher haben nachgefragt.

Am sexuell aktivsten ist die Gruppe der 25- bis 29-Jährigen
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Am sexuell aktivsten ist die Gruppe der 25- bis 29-Jährigen


Männer in Deutschland haben nach eigenen Angaben im Leben im Schnitt schon mit zehn Partnerinnen geschlafen, Frauen aber nur mit fünf. So lautet ein Ergebnis einer repräsentativen Studie zum Sexualverhalten in Deutschland, die im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht wurde. 2524 Menschen ab 14 Jahren wurden per Fragebogen befragt.

Hintergrund der Befragung: Nach Angaben der Autoren fehlen in Deutschland bevölkerungsbasierte Daten zur Häufigkeit von verschiedenen sexuellen Verhaltensweisen. Die aber seien wichtig, "besonders in Bezug auf die Prävention und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen".

Wie zuverlässig die Angaben im Einzelnen sind, ist allerdings fraglich. So lässt sich kaum erklären, warum Frauen so viel weniger Sexualpartner angeben. Im Durchschnitt müssten beide Geschlechter nämlich auf eine gleich große Anzahl an Sexualpartnern kommen, zumindest solange man davon ausgeht, dass am Sex stets nur ein Mann und eine Frau beteiligt sind.

Das Phänomen, dass das Verhältnis in Umfragen nie aufgeht, ist nicht neu. Solche Diskrepanzen hätten sich in der bisherigen Sexualforschung auch schon ergeben, schreiben die Forscher um die Erstautorin Julia Haversath von der Technischen Universität Braunschweig.

Inszenierung von Geschlechterrollen

Der Grund: Beim Antworten schummelten die Befragten vermutlich etwas, meinen die Psychologen. Arne Dekker vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), der nicht an der Studie beteiligt war, hat eine ähnliche Erklärung: "Sie inszenieren damit auch ihre Geschlechterrollen", sagt er. Manche Männer glauben, es sei attraktiv und gesellschaftlich anerkannt, viele Sexpartner zu haben, bei Frauen sei oft das Gegenteil der Fall.

Zum Unterschied bei der Zahl der Geschlechtspartner könnte lediglich beitragen, dass acht Prozent der befragten Männer schon zu Prostituierten gegangen sind. Diese Gruppe hatte im Mittel mit vier Prostituierten sexuellen Kontakt. Sofern keine oder anteilig zu wenige Prostituierte an der Umfrage teilgenommen haben, fällt die Quote der Frauen kleiner aus, als sie tatsächlich ist. Die Forscher fragten zudem nicht, ob die Teilnehmer Sex im Ausland hatten.

Die 25- bis 29-Jährigen sind am aktivsten

Die Studie bietet über das sexuelle Selbstbild der im Schnitt 48,5 Jahre alten Befragten hinaus noch weitere Erkenntnisse aus den Betten der Republik. Die meisten Menschen - das überrascht kaum - haben Erfahrungen mit Vaginalverkehr gemacht: 88 Prozent der Männer und 89 Prozent der Frauen hatten schon solchen Sex. Oral befriedigt wurden schon einmal 56 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen.

Häufigkeit von Sexualpraktiken
Deutsches Ärzteblatt, Heft 33/34, S. 548

Häufigkeit von Sexualpraktiken

Die große Mehrheit der Männer (86 Prozent) und Frauen (82 Prozent) gaben an, heterosexuell zu sein. Fünf Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen hatten schon einmal gleichgeschlechtliche Kontakte. Jeweils ein Prozent gab an, rein homosexuell zu sein. Einige machten keine Angaben oder gaben an, dass keine dieser Kategorien zutreffe.

Am sexuell aktivsten ist die Gruppe der 25- bis 29-Jährigen. In diesem Alter haben Männer nach eigenen Angaben im Schnitt 60 Mal Vaginalverkehr pro Jahr (im Schnitt 1,2 Mal pro Woche), Frauen 47 Mal (im Schnitt 0,9 Mal pro Woche). Danach sinkt die Häufigkeit stetig ab: Männer im Alter von 50 bis 59 Jahre haben demnach 34 Mal pro Jahr solchen Sex (im Schnitt 0,7 Mal pro Woche), Frauen 22 Mal (im Schnitt 0,4 Mal pro Woche).

21 Prozent der Männer, 15 Prozent der Frauen gehen fremd

Und wie halten es die Menschen in Deutschland mit der Treue? Auch hier gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau: Eigenen Angaben nach ist rund jeder fünfte Mann (21 Prozent) in einer Partnerschaft schon einmal fremdgegangen. Bei den Frauen betrug der Anteil 15 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) hatte einen festen Partner. 76 Prozent verhüten in ihrer Beziehung nie mit Kondomen. In etwa jede zweite Frau (51 Prozent), die 50 Jahre oder jünger ist, nimmt die Pille oder ähnliche orale Verhütungsmittel. Fünf Prozent verzichten auf Verhütung, weil sie einen Kinderwunsch haben.

Risiko: Ungeschützter Sex außerhalb der Beziehung

Sorgen machte den Forschern eine kleine Gruppe der Befragten (2,5 Prozent): Sie gaben an, während ihrer aktuellen Beziehung sexuelle Außenkontakte und generell schon ungeschützt Sex mit anderen Personen außerhalb der Partnerschaft gehabt zu haben sowie in ihrer Beziehung nicht immer Kondome zu nutzen.

Für die Forscher gehören die Menschen zu einer "Hochrisikogruppe", weil sie einer höheren Gefahr ausgesetzt sind, an einer sexuell übertragbaren Infektion wie HIV, Gonorrhö oder Syphilis zu erkranken. Jene Personen hatten außerdem dreimal so viele Sexpartner wie der Durchschnitt: Männer 38, Frauen 17.

Generell empfehlen die Autoren der Studie: Wer bei wechselnden Sexpartnern nicht ständig Kondome benutzt, sollte sich regelmäßig sexualmedizinisch untersuchen lassen. Routinemäßige Untersuchungen könnten bei einigen Personengruppen dazu beitragen, die Verbreitung sexuell übertragbarer Infektionen zu begrenzen. Für Dekker zeigen sich hier die Grenzen dieser Studie: "Das wussten wir, ehrlicherweise, auch schon vorher."

jme/dpa



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