Stiftung Warentest warnt vor Weichmachern Sexspielzeug mit Schadstoffen belastet

Sie können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und gelten als krebserregend: Stiftung Warentest hat in Sexspielzeug bedenkliche Stoffe nachgewiesen. Betroffen ist nicht nur Billigware.

Sexspielzeug im Test
Stiftung Warentest

Sexspielzeug im Test


Sexspielzeug ist laut Stiftung Warentest häufig mit Schadstoffen belastet. Vier der zwölf geprüften Vibratoren haben demnach eine "mangelhafte" Schadstoffbilanz. Gleiches gilt für eine der drei getesteten Liebeskugeln, die beispielsweise in die Scheide eingeführt werden und den Beckenboden trainieren. In den 18 getesteten Produkten oder dem mitgelieferten Zubehör fanden sich zum Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als krebserregend gelten, und der Weichmacher DEHP, der die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.

Die Werte seien besonders kritisch, weil Sexspielzeug oft Kontakt mit Schleimhäuten hat. "Diese Gewebe sind meist gut durchblutet und können empfindlich sein", erklärte Projektleiterin Sara Wagner-Leifhelm. "Schadstoffe haben deshalb in Sextoys nichts zu suchen." Bislang gebe es allerdings keine Grenzwerte speziell für Sexspielzeug, dabei hatten die Grünen diese bereits im Jahr 2011 ins Gespräch gebracht.

Für ihre Untersuchung haben sich die Warentester nach eigenen Angaben an allgemeingültigen Grenzwerten oder Vorgaben für andere Produktgruppen orientiert, für Kinderspielzeug etwa. Das Ergebnis: Oft wurden diese deutlich überschritten, bei manchen Produkten sogar um das Hundertfache.

Am schlechtesten bewerteten die Tester den Paarvibrator We-Vibe für 89,50 Euro. Der Ladekontakt gebe so viel Nickel ab, dass der Vibrator eigentlich nicht verkauft werden dürfte. Nickel kann Allergien auslösen und steht im Verdacht, Krebs zu begünstigen.

Stiftung Warentest warnt außerdem vor dem Pipedream-Umschnallvibrator für 15,30 Euro. Die mitgelieferte Maske überstieg den gesetzlichen DEHP-Grenzwert für einige Produktgruppen um das Hundertfache. Außerdem enthielt die Maske deutlich mehr Chlorparaffine, als die EU empfiehlt. Diese gelten als krebserregend und gefährden Wasserorganismen, wenn sie sich in der Umwelt anreichern.

15-Euro-Vibrator mit "sehr gut" bewertet

Die Schadstoffbelastung ist dabei keine Frage des Preises: Giftige Substanzen fanden die Tester sowohl in teuren Vibratoren für knapp 90 Euro als auch in Billigprodukten. Als "sehr gut" bei der Schadstoffbelastung bewerteten die Tester beispielsweise den 15-Euro-Vibrator Space Rider von OV-Großhandel beziehungsweise You2Toys.

Für Verbraucher ist die Schadstoffbelastung kaum zu erkennen. Auch ein unangenehmer Kunststoffgeruch beim ersten Auspacken sei kein zuverlässiger Indikator: Der kam im Test zwar bei mehreren Produkten vor - einige davon erwiesen sich aber ansonsten als völlig unbedenklich.

Grundsätzlich raten die Warentester, Vibratoren und andere Sexspielzeuge vor und nach jedem Gebrauch gründlich zu reinigen. So können sich darauf keine Keime verbreiten.

koe/dpa/AFP



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