Koitus-Frequenz Kiffer haben häufiger Sex

Rauchen kann die Potenz und auch die Lust auf Sex verringern. Fürs Kiffen gilt dieser Zusammenhang offenbar nicht unbedingt. Anscheinend erhöht es die Sexhäufigkeit sogar.

Raucher mit Joint
DPA

Raucher mit Joint


Häufiges Kiffen scheint Amerikanern den Spaß am Sex nicht zu verderben - eher im Gegenteil. Das legt zumindest eine Studie von Urologen der Universität Stanford in Kalifornien im "Journal of Sexual Medicine" nahe.

Das Team um Andrew Sun verglich Zahlen aus einem großen US-Gesundheitssurvey. 28.000 Frauen und 23.000 Männer zwischen 25 und 45 Jahren hatten darin Angaben zu ihrem Cannabiskonsum im Vorjahr und der Sex-Häufigkeit gemacht. Knapp 25 Prozent der Männer und knapp 15 Prozent der Frauen gaben an, im Vorjahr Cannabis konsumiert zu haben.

Ungeachtet von Alter, Geschlecht, Ethnie oder Lebenssituation zeigte sich: Wer täglich kiffte, hatte im Mittel sogar etwas häufiger Geschlechtsverkehr als Cannabis-Abstinenzler. Frauen hatten demnach in vier Wochen 7,1- statt sechsmal Sex, Männer 6,9- statt 5,6-mal.

Dosis unklar

Das Ergebnis überraschte die Forscher. "Ich dachte, es würde wahrscheinlich einen ähnlich negativen Zusammenhang geben wie bei Zigaretten", sagte Studienautor Michael Eisenberg der Seite Febes.com. Erst 2016 hatte eine Übersichtsstudie untermauert, dass Tabakrauchen das Risiko für erektile Dysfunktion erhöht. Beim Kiffen ist das laut der aktuellen Untersuchung offenbar anders.

"Häufiger Marihuanakonsum scheint die sexuelle Motivation und Leistungsfähigkeit nicht zu schmälern. Wenn überhaupt, dann steht er mit erhöhter Koitus-Frequenz in Zusammenhang", so Eisenberg. Die Sex-Häufigkeit stieg dabei ziemlich parallel zum Cannabiskonsum an - unabhängig davon, ob die Befragten auch andere Drogen wie Alkohol oder Kokain konsumierten oder nicht. Wie hoch die einzelnen Dosen waren, geht aus dem Datenmaterial nicht hervor.

Allerdings stellt die Arbeit keinen kausalen Zusammenhang her, sondern nur eine Korrelation. "Die Studie sagt nicht: Wenn du Marihuana rauchst, hast du mehr Sex", betont Eisenberg. Denkbar wäre etwa auch, dass Menschen, die kiffen, generell entspannter eingestellt sind und deshalb mehr Sex haben.

Wahrscheinlich kommt es auf die Dosis an

Michael Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Männergesundheit, hält den Zusammenhang dennoch für schlüssig: "Dass man bei moderatem Cannabiskonsum lockerer wird, ist bekannt."

Bisher hatten Fachleute und Studien intensives Kiffen eher mit Libido-Verlust in Verbindung gebracht, bei Männern teils auch mit Erektionsschwierigkeiten und verminderter Spermienqualität. Andererseits hatten Versuche bei Tieren und Menschen gezeigt, dass Marihuana Hirnregionen stimuliert, die für sexuelle Erregung und Aktivität wichtig sind.

In den USA ist Marihuana in derzeit 29 Bundesstaaten als Medizin oder zum Freizeit-Gebrauch erlaubt. Rund 22 Millionen erwachsene Amerikaner konsumieren es regelmäßig. In Deutschland haben nach offiziellen Zahlen etwa 1,4 Millionen Menschen im Vormonat in der Freizeit gekifft.

Sommer geht davon aus, dass sich die Ergebnisse der US-Studie grundsätzlich auf Deutschland übertragen lassen. Er schränkt aber ein: "Bei gemäßigtem Konsum!".

jme/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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tsitsinotis 30.10.2017
1. Überraschung, Überraschung...
Jeder Cannabis-User weiß, dass C. ein Aphrodisiacum ist. Man ist sich generell mehr zugeneigt.^^---- Wann wird es endlich von der Friedensforschung gewürdigt?
toliphe 30.10.2017
2. Experten
So, so, verwundert? Vielleicht mal selbst ausprobieren. Hardcorekonsum ist sicher nicht förderlich. Aber die meisten Gelegheitsverkoster wissen: Kiffen macht rollig!
permissiveactionlink 30.10.2017
3. Eigentor der Menschheit
Seit Jahrzehnten wird Cannabis verteufelt, auch um der Pharmaindustrie märchenhafte Gewinne zu sichern. Das Verbot von Cannabis hierzulande ist eindeutig Verfassungswidrig. Wer erwachsene Entscheidungen der Bürger will, sollte sie nicht drangsalieren und wie Kleinkinder behandeln. Im Gegensatz zu Alkohol und Tabak ist Cannabis selbst nicht krebserregend. Stattdessen enthält es vielmehr sogar schmerzstillende Verbindungen wie Cannabidiol, die keinen Rausch verursachen. Stattdessen verschreibt die Schulmedizin in den USA dann lieber Killer wie Oxycodon, die die Betroffenen in die Beschaffungskriminalität treiben und in den Drogentod (siehe aktuellen SPON-Beitrag). Dass Cannabis dazu beiträgt, dass Sex entspannter und unaufgeregter praktiziert wird, ist ein alter Hut. Also Cannabis für Erwachsene freigeben, und irgendwie dafür sorgen, dass es ohne Tabakverbrennung konsumiert wird. Da freuen sich nicht nur Schmerzpatienten, sondern auch der Finanzmiinster. Nur die Drogenmafia und die Pharmaindustrie dürften dann blöde aus der Wäsche gucken !
tuvalu2004 30.10.2017
4. Trockenübungen
Einfach mal Kiffen und schauen was da passiert - möchte man den Forschern zurufen. Cannabis ist sein tausenden Jahren als Aphrodisiakum bekannt. In China z.B. haben sich die Konkubinen Cannabisöl auf die Brüste geträufelt um den Kaiser während der Sexspiele zu erregen, wenn der an ihren Nippeln saugte. Und natürlich kommt es auf die Dosis an und auf die Herkunft. Sativa ist deutlich leichter und besser geeignet um zu aphrodisieren als indika. Wenn man stoned in der Ecke sitzt ist nicht viel mit Sex. Stimmt das Setting, dann kann Cannabis einen Gefühle, Berührungen intensiver erfahren lassen und man kann während des Sex stark darauf fokussieren. Gleichzeitig verändert Cannabis das Denken von kategorisierendem in Richtung ganzheitliches Denken (nö kein Widerspruch zum fokussiertem Wahrnehmen). Die Wahrnehmung des Partners verändert sich. Natürlich gibt es auch die Entspannung der glatten Muskulatur, also auch der Arterien in Form von einen Blutdruckabfall. Auf die Erektionsfähigkeit hat das aber keinen Einfluss. Vielleicht sollten die Forscher wirklich mal Kiffen.
marianne.weber 30.10.2017
5.
Der Beitrag klingt ja gerade so als wäre kiffen plötzlich total gesund... was ist mit den negativen Nebeneffekten geworden?
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