Natürlich heilen Was bei Wechseljahresbeschwerden hilft

Pflanzliche Mittel, Yoga, Achtsamkeitstraining: Bei Wechseljahresbeschwerden setzen viele Frauen aus Angst vor den Nebenwirkungen von Hormonen auf natürliche Behandlungsmethoden. Was hilft wirklich? Ein Überblick.

Yoga-Übung: Bewegung kann Symptome der Wechseljahre lindern
Corbis

Yoga-Übung: Bewegung kann Symptome der Wechseljahre lindern


Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen, keine Lust auf Sex, Herzklopfen oder Schlafstörungen: Viele Frauen um die 50 kennen die Beschwerden der Wechseljahre nur allzu gut. Jede dritte leidet so stark, dass sie eine Behandlung braucht.

Betroffene können sich dann für eine Hormonersatztherapie entscheiden. Allerdings kamen vor etwa zehn Jahren die Hormonpräparate in Verruf, Herzinfarkte und Schlaganfälle auszulösen. Zwar zeigte sich, dass das Risiko nur für bestimmte Frauen gilt und Hormone richtig angewendet wirksam und sicher sind. Dennoch wollen viele Frauen lieber hormonfreie Behandlungen gegen ihre Wechseljahresbeschwerden.

Was aber hilft natürlich gegen Hitzewallungen und Co.?

Cornelia von Hagens, Leiterin der Ambulanz für Naturheilkunde in der Gynäkologie der Uniklinik in Heidelberg, schlägt zunächst eine Änderung des Lebensstils vor: Frauen, die sich regelmäßig bewegen, leiden seltener unter Stress, Ängsten, Depressionen, Reizbarkeit, Kopfschmerzen oder Sexualproblemen und haben eine bessere Lebensqualität. "Sport hat den angenehmen Nebeneffekt, dass er gleichzeitig das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Brustkrebs senkt", sagt von Hagens. Hört man mit dem Rauchen auf, kann das Hitzewallungen lindern.

Qigong, Yoga oder Tai-Chi lindern Beschwerden

Auch Entspannungsverfahren oder Achtsamkeitstraining linderten in kleineren Studien die Beschwerden, und die Frauen schliefen besser. Yoga, Qigong oder Tai-Chi würde sie bevorzugen, sagt von Hagens, denn die Methoden förderten zudem Koordination und Beweglichkeit und könnten so langfristig Stürzen vorbeugen. Frauen sollten auch ein Normalgewicht anstreben. "Dadurch steigt die Lebensqualität, und man kann besser mit den Beschwerden umgehen", so von Hagens.

Viele Frauen entscheiden sich während ihrer Wechseljahre für pflanzliche Mittel. Am besten ist die Wirkung der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und der Isoflavone (bestimmte Pflanzenfarbstoffe) untersucht. Ältere Studien lieferten widersprüchliche Ergebnisse, ob Traubensilberkerze hilft oder nicht. Deshalb analysierte ein Team um Kai Bühling, Leiter der Hormonsprechstunde der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, Daten aus neueren Studien. Das Ergebnis der Auswertung: Cimicifuga wirkt nicht besser als ein Placebo.

Zudem gab es Berichte, die Pflanze könne die Leber schädigen. "In den klinischen Studien wurde das aber nie nachgewiesen", sagt Petra Stute, Leiterin des Zentrums für Wechseljahre an der Uniklinik in Bern. "Vielleicht wurde das Präparat in den Berichten viel zu hoch dosiert." Sind keine Lebererkrankungen in der Familie bekannt, könne man es durchaus probieren - allerdings wie alle pflanzlichen Mittel nur in Absprache mit dem Arzt.

Vorsicht, auch bei Heilpflanzen

Die Studienanalyse der Hamburger Ärzte ergab auch: Traubensilberkerze wirkt in Kombination mit Johanniskraut. Diese Pflanze kann die Wirkung vieler Arzneimittel verstärken oder abschwächen, aber auch zu diversen Komplikationen führen. "Johanniskraut ist eine gute Option, wenn die Frau gleichzeitig unter depressiven Verstimmungen leidet und keine anderen Medikamente einnimmt", sagt von Hagens.

Im Internet oder einschlägigen Apothekenzeitschriften werden noch andere Pflanzen wie Safran, Kiefernborke, Lavendel, Hopfen oder Rosenwurz angepriesen. "Ich rate aber davon ab, weil die in Deutschland nicht als Arzneimittel erhältlich sind", sagt von Hagens. Während Arzneimittel in klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden, ist dies bei Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Präparaten nicht der Fall.

"Viele kennen den Unterschied gar nicht und meinen, letztere seien auf jeden Fall harmlos, weil sie frei erhältlich seien." Das gilt auch für die oft angepriesenen Isoflavone. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam zu dem Schluss, dass die Pflanzenpräparate nicht nur nicht wirken, sondern auch das Risiko für Brustkrebs erhöhen und andere Nebenwirkungen haben können.

Nadeln gegen Hitzewallungen

Eine wirksamere Alternative mit weniger Nebenwirkungen scheint Akupunktur zu sein: In einer Studie zeigte Petra Stute, dass das Nadeln an den klassischen Akupunktur-Punkten Hitzewallungen besser lindert als eine Schein-Akupunktur. Chinesische Kräuter halfen dagegen nicht mehr als Placebo-Kräuter.

Neben den hormonfreien pflanzlichen Präparaten können auch herkömmliche hormonfreie Medikamente, die Ärzte sonst bei Depressionen oder Epilepsie einsetzen, Wechseljahresbeschwerden lindern. Allerdings sind sie in Deutschland dafür nicht zugelassen und kommen nur bei sogenannten individuellen Heilversuchen zum Einsatz. "Da die Medikamente bei anderen Krankheiten schon länger angewendet werden", sagt Kai Bühling, "kennen wir deren Nebenwirkungen gut."

Dass man Hormonpräparate so verteufelt habe, sei nicht richtig gewesen, sagt der Frauenarzt im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Damals habe man noch nicht alle Daten ausgewertet. "Ich kann aber verstehen, wenn eine Frau lieber auf natürliche Weise ihre Beschwerden lindern möchte."

Hormonfreie Möglichkeiten seien immer einen Versuch wert, sagt Petra Stute. Keine Frau solle sich genötigt fühlen, sich einem "Pro- oder Kontra-Hormonlager" anzuschließen. "Die Entscheidung hängt allein von ihr ab und kann jederzeit revidiert werden. Es geht ja nicht darum, sich für die nächsten zehn Jahre festzulegen."

HORMONERSATZTHERAPIE - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

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artusdanielhoerfeld 22.11.2013
1. Und was ist mit uns Männern?
An uns denkt wieder mal keiner. Dabei sind Porsche-Syndrom (der zwanghafte Drang, sich in diesem Alter einen Sportwagen kaufen zu müssen), Torschlusspanik (..., sich eine wesentlich jüngere Frau anzulachen)und Haartönungen für uns ernste Themen. Wenn die Prostata dicht macht, der Schniedel nicht mehr stehen will und die Wampe bedrohlich wächst werden wir mit unseren Problemen allein gelassen. Schnief...
gerne 22.11.2013
2. hauptsache die studie denkt...
....und die leute werden nicht weiter mit eigenen Erfahrungswerten belästigt. Bitte liebe Leute, passt jederzeit höllisch auf bei Naturheilkunde - die könnte Euch umbringen... Die Pharmakos haben ihre Sachen ja jetzt mal wieder ausreichend geprüft und endlich unter Kontrolle! Macht die Champusflaschen auf - sieg über die Natur, dieses unberechenbare Biest!
altebanane 25.11.2013
3.
Die Wahl "pro und contra Hormonlager" entfällt, wenn man künstlich in jungen Jahren in die WJ geschickt wird wegen eines hormonabhängigen Brustkrebs. Und das schöne : die Beschwerden sind dann auch noch viiiiiiiel schlimmer als bei normalen WJ. Das einzige, was -mir- geholfen hat, war die Lektüre des Buches "Wechseljahre" von Germaine Greer und die daraus resultierende Erkenntnis : es dauert so lange es dauert und irgendwann wird's wieder besser, bis dahin muss man halt ohne Schlaf leben und basta.
liebeleise 13.11.2014
4. Mir haben natürliche Mittel geholfen
Auch ich kam vor einiger Zeit in den Genuss, mich mit dem Thema Wechseljahre zu beschäftigen. Ich fand es ganz furchtbar. Mir ging es nicht gut und meine Mitmenschen habe ich mitleiden lassen. Ich entdeckte im Internet die Seite Thaivita, die ausschließlich Naturprodukte vertreiben. Ich dachte mir, probieren kann man es ja mal, da es ja keine Nebenwirkungen gibt. Ich bestellte mir das Jugendtonikum PFW, dass bei Wechseljahrbeschwerden helfen sollte. Und tatsächlich, nach ein paar Tagen spürte ich schon eine deutliche Verbesserung. Meine schlechte Laune war wie weggeblasen und meine Kinder und mein Mann sagten mir, dass ich nicht mehr so furchtbar nervig sei. Super, ich bin total begeistert, dass die Kapseln mir so gut geholfen haben. Wer weiß, wie schlimm es noch geworden wäre.
kuklina 15.02.2015
5. Das beste sind...
immer Tipps wie: Gewicht reduzieren, kein Alkohol, Sport. Ich lach mich tot. Ich mache 3 Mal die Woche Kampfsport, trinke keinen Alkohol, bin 1,67 m groß, wiege 57 kg. Ich bin 50, schwitze alle 2 Stunden auch nachts. und nun? Wir müssen da durch, so sieht es aus :-)
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