Tripper und Co. WHO warnt vor Antibiotikaresistenz bei Geschlechtskrankheiten

Tripper, Syphilis und Chlamydien bereiten der Menschheit zunehmend Probleme. Der Grund: Antibiotika werden oft falsch oder zu häufig angewendet, dadurch verlieren sie ihre Wirkung.

Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis
DPA/ Charité Berlin

Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis


Die weltweit verbreiteten Geschlechtskrankheiten Gonorrhoe (Tripper), Syphilis und Chlamydiose sind nach UN-Angaben immer schwerer zu bekämpfen. Die Bakterien, die sie auslösen, seien zunehmend resistent gegenüber Antibiotika, warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Hauptgrund sei, dass Medikamente oft fehlerhaft oder zu häufig angewandt werden.

"Die Antibiotikaresistenz dieser sexuell übertragbaren Krankheiten hat rapide zugenommen, wodurch die Möglichkeiten der Behandlung geschrumpft sind", erklärte die WHO. Die stärkste Resistenz hätten die Erreger der Gonorrhoe entwickelt, mit der sich weltweit jährlich 78 Millionen Menschen infizieren.

"Es wurden Gonorrhoe-Stämme entdeckt, die auf keine der zur Verfügung stehenden Antibiotika mehr reagieren", heißt es in der Mitteilung. Auch hierzulande registrieren Experten zunehmende Resistenzen der Gonokokken gegenüber gängigen Antibiotika.

Nicht ganz so dramatisch verlaufe die Entwicklung von Resistenzen bei Chlamydien-Infektionen und Syphilis - bei jährlich 131 Millionen beziehungsweise 5,6 Millionen Neuinfektionen. Allerdings würden auch hier bereits Erreger entdeckt, die nicht auf alle Antibiotika reagierten, heißt es in der WHO-Mitteilung.

Um dagegen anzusteuern, veröffentlichte die WHO neue Behandlungsrichtlinien. Unbehandelt können die Geschlechtskrankheiten zu schweren Komplikationen - darunter chronische Entzündungen und Fehlgeburten - sowie zu Unfruchtbarkeit führen.

Deutschland: Syphilis-Höchststand

In Deutschland registrieren die Behörden immer mehr Fälle von Geschlechtskrankheiten. Bei Syphilis stieg die Zahl der Diagnosen laut Robert Koch-Institut (RKI) 2015 auf 6834. Der bundesweite Durchschnitt lag demnach bei 8,5 Fällen pro 100.000 Einwohner - 19 Prozent mehr als im Vorjahr und mit Abstand der höchste Wert seit 2001, als die Krankheit meldepflichtig wurde.

Gonorrhö (Tripper) hingegen muss in Deutschland seit 2001 nicht mehr bundesweit gemeldet werden. In Sachsen aber, wo die Meldepflicht aufrechterhalten wurde, hat sich die Häufigkeit laut RKI von 6,8 Tripper-Infektionen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2003 auf 13,7 Infektionen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2011 verdoppelt, heißt es auf der Seite des RKI.

Auch im Hinblick auf Chlamydien sind Infektionen deutschlandweit nur noch in Sachsen meldepflichtig. "Dort wurde von 2003 bis 2012 ein starker Anstieg der gemeldeten Infektionen beobachtet, von 26,3 auf 102 Infektionen je 100.000 Einwohner", heißt es in einer Veröffentlichung des RKI. Allerdings habe neben einem Anstieg der Häufigkeit der Infektionen auch die Veränderung von diagnostischen Tests und die Zunahme der getesteten Personen zu dem Anstieg beigetragen.

Seit dem Jahr 2007 haben alle gesetzlich krankenversicherten Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal pro Jahr Anspruch auf eine kostenlose Chlamydien-Untersuchung.

irb/dpa



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