Unfruchtbarkeit: So bleiben die Spermien gesund

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Für französische Männer war es eine bittere Nachricht: Ihnen schwinden die Spermien, warnten Forscher. Grund sollen Chemikalien sein. Oft stecken die Ursachen für eine schlechte Spermaqualität allerdings im eigenen Verhalten. Ein paar einfache Kniffe können helfen, den Kinderwunsch zu erfüllen.

Auf dem Weg zur Eizelle: Nur die kräftigsten Spermien kommen an Zur Großansicht
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Auf dem Weg zur Eizelle: Nur die kräftigsten Spermien kommen an

Es sind nur 20 Zentimeter, doch es ist einer der schwierigsten Wege überhaupt: Ihn müssen Spermien zurücklegen, um von der Scheide zu ihrem Ziel im Eileiter zu gelangen - zur Eizelle. Die Chance jeder Samenzelle, ein neues Leben zu erschaffen, ist winzig. Sie beträgt weniger als 1 zu 500 Millionen. Doch die Masse macht's. Aber ausgerechnet daran hapert es offensichtlich.

Männer produzieren immer weniger Spermien. Was schon länger bekannt, aber umstritten war, haben französische Forscher jetzt mit einer Langzeitstudie weiter untermauert. Ab einem Wert von unter 20 Millionen Spermien pro Milliliter Sperma gelten die Zellen als Mangelware. Umso wichtiger ist es, dass Männer mit Kinderwunsch auf ihre Spermaqualität achten.

Das Thema mag im ersten Moment viele zum Schmunzeln bringen, hat aber einen ernsten Hintergrund: Sperma mit nur wenigen oder trägen und fehlgebildeten Spermien ist eine häufige Ursache für Unfruchtbarkeit. Neben Krankheiten oder genetischen Defekten kann vor allem das Verhalten ausschlaggebend sein. "Es gibt mittlerweile starke Hinweise darauf, dass Faktoren, die durch den Lebensstil bedingt sind, eine Rolle spielen", sagt Hans-Christian Schuppe, der als Androloge am Universitätsklinikum Gießen und Marburg arbeitet. "Das reicht über den Nikotinkonsum und Medikamente bis hin zu Gewichtsproblemen."

Manche Knackpunkte lassen sich einfach beheben, andere - wie etwa das Rauchen - benötigen große Willenskraft. Doch der Einsatz lohnt sich: "Wenn es auf natürliche Weise mit dem Kinderwunsch klappt und Paare nicht den sehr belastenden Weg der künstlichen Befruchtung gehen müssen, ist das eine große Erleichterung", sagt Schuppe.

Fünf bekannte Spermientöter im Überblick:

Zu hohe Hodentemperatur

Obwohl die Hoden äußerst empfindlich sind, baumeln sie frei im Schritt. Aus gutem Grund: Damit Spermien gedeihen können, benötigen sie eine Temperatur, die rund zwei bis drei Grad unterhalb der des Körpers liegt. Dies erreicht das Hodengewebe unter anderem durch ein ausgeklügeltes Venengeflecht und die Luftzirkulation um die Hoden.

Kommt das Kühlsystem aus dem Takt, leidet auch die Spermaproduktion. Gut dokumentiert ist dieser Effekt bei Fieberpatienten. Doch auch so können schon Kleinigkeiten die Hodentemperatur in die Höhe treiben. Wer etwa auf der Arbeit lange sitzt und nicht hin und wieder über den Gang flaniert, schadet seiner Spermaproduktion ebenso wie die Träger enger Unterhosen. Liegen die Hoden am Körper an, werden sie erwärmt, außerdem fehlt die kühlende Zirkulation.

Ebenfalls schädlich sind Vollbäder, Saunagänge, Solariumbesuche, Sitzheizungen und der warme Laptop auf dem Schoß. "Es ist wichtig, dass man solche Faktoren nicht übersieht. Manchmal reichen Kniffs wie der Verzicht auf das regelmäßige Vollbad schon aus, um den Kinderwunsch natürlich auf die Wege zu bringen", sagt Schuppe. Der Körper bildet innerhalb weniger Wochen neue Samenzellen, mitunter kann das Problem dann schon gelöst sein.

Nikotin

Schon wenn die Mutter während der Schwangerschaft raucht, leidet die Fruchtbarkeit ihres Sohnes. Die Kinder kommen früher in die Pubertät, haben kleinere Hoden, weniger Spermien und schütten weniger Hormone aus, die mit der Spermienbildung zusammenhängen.

Auch das Rauchen im Erwachsenenalter hat Folgen: "Die Schadstoffe schaden dem Erbgut der Spermien", sagt Schuppe. "Das kann noch im Embryo nachgewiesen werden." Bei Befruchtungen im Reagenzglas verschlechtern rauchende Väter die Chancen auf eine Schwangerschaft um 50 Prozent. Zudem gibt es Hinweise, dass das Risiko für eine Fehlgeburt durch das beschädigte Erbgut steigt.

Jeder Tag ohne Zigaretten verbessert die Spermaqualität. Bis ein ehemaliger Raucher den Status eines Nichtrauchers erreicht, muss er sich allerdings im Durchschnitt eineinhalb bis zwei Jahre gedulden, zeigen Studien. Im Gegensatz zum Nikotin schaden Alkohol und Koffein erst bei gravierendem Konsum deutlich.

Schlechte Ernährung

Eine Ernährung reich an Antioxidantien mit viel Vitamin C und E, mit Zink und Beta-Carotin scheint die Spermaqualität zu verbessern. Das zumindest haben mehrere kleine Studien ergeben. Mit Empfehlungen ist Schuppe dennoch vorsichtig. "Die Datenlage ist noch sehr dünn." Schädlich scheint hingegen eine Ernährung reich an Sojaprodukten zu sein. Der Effekt wurde bereits bei Tierversuchen belegt, Forscher der Harvard University konnten ihn auch bei einer kleinen Gruppe von Männern beobachten. Sie vermuten, dass pflanzliche Hormone aus dem Soja dafür verantwortlich sind.

Generell scheint bei der Spermienqualität dasselbe Motto zu gelten wie bei vielen Körperbeschwerden: Wer sich gesund ernährt, gewinnt dazu. In einer kleinen Studie zeigten Forscher, dass eine durchschnittliche westliche Diät mit rotem Fleisch sich nicht auf das Sperma auswirkt. Eine sehr gesunde Ernährung mit Vollkornprodukten, Fisch, hellem Fleisch, Obst und Gemüse hingegen hing mit einem gesunden Sperma zusammen. "Die Männer müssen sich mit den Maßnahmen allerdings wohl fühlen. Es bringt nichts, sie in ein Korsett zu pressen und zu sehr unter Druck zu setzen", sagt Schuppe.

Medikamente und Anabolika

Manche Medikamente wie Antidepressiva, aber vor allem anabole Steroide können die Spermaproduktion stark gefährden. Die künstlichen Sexualhormone stecken vor allem in Haarwuchsmitteln und Präparaten zum Muskelaufbau. Sie sorgen dafür, dass der Körper kaum noch natürliches Testosteron ausschüttet - ein entscheidender Stoff in der Spermaproduktion.

Androgene Steroide fahren die Spermaproduktion so weit herunter, dass sie bereits als Grundlage für eine Pille für den Mann gehandelt wurden. In aller Regel lässt sich der Effekt rückgängig machen, nachdem die Mittel abgesetzt wurden. Missbrauchen Gewichtheber, Bodybuilder oder andere Athleten die Stoffe dauerhaft, kann das dem Hormonsystem nachhaltig schaden.

Übergewicht

Studien liefern immer wieder Hinweise darauf, dass gerade bei viel zu vielen Kilos auf den Rippen die Fruchtbarkeit leiden kann. So ist etwa der Anteil Übergewichtiger bei unfruchtbaren Männern bis zu dreimal höher als bei Männern mit einer normalen Samenqualität. Bei einem Body-Mass-Index von 25 büßen Männer im Schnitt 25 Prozent ihrer Spermien ein.

Als mögliche Ursache gelten hormonelle Änderungen. Übergewichtige Männer haben häufig einen niedrigeren Hormonspiegel im Blut. Abgesehen davon könnte es jedoch auch sein, dass sie Fett um die Hodengefäße anlagern und das Kühlsystem unterbinden.

Generell gilt: "Oft kommt eins zum anderen. Wenn ein Mann raucht, sich viele Drinks gönnt und übergewichtig ist, sinken die Chancen auf eine Schwangerschaft deutlich. Statt weniger Monate kann es dann ein bis zwei Jahre dauern, bis es klappt, falls es überhaupt auf natürlichem Wege klappt", sagt Schuppe.

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1. optional
inci2 10.12.2012
bis zum ausbrauch der gesundheitshysterie, die jeden tag mindestens 2-3 neue mögliche gesundheitliche probleme im angebot hat, haben übergewichtige, alkoholtrinkende und (auch) übergewichtige männer absolut kein problem kinder zu zeugen. das haben sie mit ihren ebenfalls rauchenden und alkoholtrinkenden frauen (evtl. auch übergewichtig) bis ca. zur jahrtausendwende locker hinbekommen.
2. Bittere Nachricht?
chrima 10.12.2012
Wohl kaum. Was gibt es besseres als zu wissen unfruchtbar zu sein? Spart die Kosten der Vasektomie, mann ist nicht mehr davon abhängig ob frau ihm ein Kind unterjubeln möchte. Was für ein Traum...
3. Vielleicht ist DAS....
World_watcher 10.12.2012
...das entscheidende Argument, wie die Erde diesen Parasiten homosapiens wieder los wird oder zumindest auf ein erdverträgliches Maß reduziert..... As always
4.
niska 10.12.2012
Zitat von inci2bis zum ausbrauch der gesundheitshysterie, die jeden tag mindestens 2-3 neue mögliche gesundheitliche probleme im angebot hat, haben übergewichtige, alkoholtrinkende und (auch) übergewichtige männer absolut kein problem kinder zu zeugen. das haben sie mit ihren ebenfalls rauchenden und alkoholtrinkenden frauen (evtl. auch übergewichtig) bis ca. zur jahrtausendwende locker hinbekommen.
Danke für den Kommentar. Im Artikel wird wieder der einzelne Mensch als selbstschuld an seiner Unfruchtbarkeit hingestellt. Dabei hat ja gerade auch die Studie in France Umweltgifte als Auslöser benannt.
5. Die Realität erzählt oft andere Geschichten
Sebamo 10.12.2012
Früher haben die Menschen - und dabei natürlich wie heute die Männer - viel ungesünder gelebt. Trotzdem werden viele von deren Kinder sehr alt. Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung allein sind keine ernstzunehmende Forschung, weil hier kein direkter Ursache-Wirkungs-Zusammenhang untersucht wird.
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Zur Autorin
  • Iris Carstensen
    Irene Berres, studierte Wissenschaftsjournalistin, hat sich auf Themen rund um den Körper spezialisiert. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

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