Kirchendebatte: Warum die Pille danach keine Abtreibung ist

Ärzte katholischer Kliniken in Köln dürfen die Pille danach nicht ausgeben - auch nicht an Vergewaltigungsopfer. Medizinisch nachvollziehbar ist das nur schwer. Die Pille danach ist ein reines Verhütungsmittel. Besteht bereits eine Schwangerschaft, verliert sie ihre Wirkung.

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dapd

Schock am Morgen: Nach Verhütungspannen bleibt wenig Zeit

Wie wirkt die Pille danach?

Die Pille danach hat das Ziel, eine Schwangerschaft zu verhindern. Dafür enthält sie Hormone, die den Eisprung unterdrücken oder verzögern. Die Spermien sterben ab, bevor eine Eizelle in den Eileiter gelangen und befruchtet werden kann. War die Frau schon schwanger oder kommt das Mittel zu spät, verliert die Pille danach ihre Wirkung: "Wenn der Eisprung bereits erfolgt ist, die Eizelle sich aus dem Eierstock gelöst hat und im Eileiter oder in der Gebärmutter befindet, so verhindert die Pille danach weder die Befruchtung der Eizelle noch die Einnistung in der Gebärmutter", heißt es in einer Stellungnahme des Berufverbands der Frauenärzte.

Die katholische Kirche bezweifelt das. Sie geht davon aus, dass die Präparate befruchtete Eizellen daran hindern können, sich in die Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Wissenschaftlich nachgewiesen ist das nicht, auch handelt es sich dabei nur um ein kleines Zeitfenster: Als sicher gilt, dass die Pille danach ihre Wirkung verliert, sobald sich die Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat. Das Medikament sei deshalb als Verhütungsmittel und nicht als Mittel zum Schwangerschaftsabbruch einzustufen, schreibt der Berufsverband der Frauenärzte.

Was ist der Unterschied zwischen der Pille danach und der Abtreibungspille?

Die Abtreibungspille wird im Gegensatz zur Pille danach eingesetzt, wenn Frauen bereits schwanger sind. Sie kann bis zum 63. Tag nach der letzten Blutung eine frühe Schwangerschaft beenden. Ein Anti-Gelbkörperhormon verhindert, dass sich die befruchtete Eizelle weiter in die Gebärmutter einnisten kann. Die Gebärmutterschleimhaut löst sich ab, mit ihr verliert die Frau die befruchtete Eizelle. Dabei handelt es sich um eine medikamentöse Abtreibung. Da ein Schwangerschaftsabbruch unter anderem die Psyche belasten kann, müssen Frauen, bevor sie die Abtreibungspille erhalten, ein Beratungsgespräch führen.

Die Pille danach ist laut Pro Familia ein wichtiges Mittel, um solche ungewollten Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern. Durch gezielte Falschinformation, werde die Pille danach mit dem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch gleichgesetzt, beklagt der Verband auf seiner Website. Für Frauen, die sich unter hohem Zeitdruck über die Möglichkeit der Nachverhütung informierten, könne dies dazu führen, dass sie sich von der Pille danach abwenden.

Wie unterscheidet sich die Pille danach von der Antibabypille?

Die Wirkweise der Pille danach gleicht im Wesentlichen der Wirkung der normalen Antibabypille, die ebenfalls den Eisprung verhindert. Zudem enthält die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel ein Hormon, das auch in normalen Antibabypillen vorkommt. Allerdings sind die Konzentrationen wesentlich höher, deshalb sollte die Pille danach nur im Notfall genutzt werden. Dann wird sie einmalig eingenommen.

Generell können Frauen nur in einem sehr kleinen Zeitfenster um den Eisprung herum schwanger werden - die Eizelle ist jeden Zyklus nur bis zu rund 24 Stunden lang befruchtungsfähig. Nach vielen Verhütungspannen ist deshalb gar keine Notfallverhütung notwendig. Darüber sollte allerdings im Zweifel ein Arzt entscheiden.

Wann sollte man die Pille danach einnehmen?

Die etablierte Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel ist für einen Zeitraum von 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zugelassen. Am besten sollte sie allerdings so schnell wie möglich eingenommen werden: Je mehr Zeit verstreicht, desto schlechter schützt die Pille danach vor einer ungewollten Schwangerschaft.

Innerhalb von 24 Stunden kann die Pille danach noch bis zu 95 Prozent der ungewollten Schwangerschaften verhindern, zwischen 24 und 48 Stunden wirkt sie schon nur noch zu 85 Prozent. Danach sinkt die Wirksamkeit auf 58 Prozent ab. Auch dies lässt sich damit erklären, dass die Pille danach eine eingetretene Schwangerschaft nicht abbrechen kann.

Wurde der Zeitraum von 72 Stunden (drei Tage) versäumt, existiert seit kurzem ein weiteres Präparat auf dem Markt, das für eine Einnahme von bis zu 120 Stunden (fünf Tage) nach dem ungeschützten Sex zugelassen ist. Es enthält den Wirkstoff Ulipristalacetat. Ansonsten ist es allerdings noch nicht so erprobt wie die seit Jahren etablierte Pille danach mit Levonorgestrel.

Was passiert, wenn man die Pille danach nimmt und bereits schwanger ist?

Die Pille danach führt nicht zu einem Abbruch, wenn die Frau bei der Einnahme schon schwanger ist. Weder das Leben der Mutter, noch das Leben des Kindes ist in einem solchen Fall gefährdet. Bei der seit Jahren etablierten Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel gilt zudem als sicher, dass sie der Entwicklung des Kindes nicht schadet. Zur neu eingeführten Pille danach auf Basis von Ulipristalacetet existieren noch zu wenig Daten für eine sichere Aussage. Aus diesem Grund sollten Frauenärzte vor der Verschreibung mit Hilfe einer Tastuntersuchung ausschließen, dass die Frau bereits schwanger ist.

irb

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 196 Beiträge
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1. Heuchler
arioffz 25.01.2013
Zitat von sysopdapdÄrzte katholischer Kliniken dürfen die "Pille danach" nicht ausgeben - auch nicht an Vergewaltigungsopfer. Medizinisch nachvollziehbar ist das nur schwer. Die "Pille danach" ist ein reines Verhütungsmittel. Besteht bereits eine Schwangerschaft, verliert sie ihre Wirkung. Warum die "Pille danach" keine Abtreibung ist - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/warum-die-pille-danach-keine-abtreibung-ist-a-879632.html)
mehr ist nicht zu schreiben!
2. optional
level 25.01.2013
Wer an die unbefleckte Empfängnis glaubt, wird damit wohl auch nicht zu überzeugen sein.
3. Blasphemie!
volker_morales 25.01.2013
Jetzt kommen Sie bitte nicht mit so pseudorelevanten Fakten. Die Kirche bestimmt und damit basta. Demnächst behaupten Sie noch die Erde wäre gar keine Scheibe.
4. "Die "Pille danach" hat das Ziel, eine Schwangerschaft zu verhindern."
wwwwebman 25.01.2013
Zitat von sysopdapdÄrzte katholischer Kliniken dürfen die "Pille danach" nicht ausgeben - auch nicht an Vergewaltigungsopfer. Medizinisch nachvollziehbar ist das nur schwer. Die "Pille danach" ist ein reines Verhütungsmittel. Besteht bereits eine Schwangerschaft, verliert sie ihre Wirkung. Warum die "Pille danach" keine Abtreibung ist - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/sex/warum-die-pille-danach-keine-abtreibung-ist-a-879632.html)
Damit ist alles gesagt - wer damit Probleme hat, sucht sich ein Nicht-Katholisches Krankenhaus bzw. einen Nicht-Katholischen Arzt.
5. Zynismus
blasphemiker 25.01.2013
Tsja, das würde aber bedeutet, dass der Sex nicht allein zum Sinne der Fortpflanzung war! Und das geht nun mal gar nicht. Vergewaltigung hin, Vergewaltigung her. Die entsprechende Dame soll sich mal nicht so mimosenhaft anstellen. War bestimmt Gottes Wille!
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