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Enthaarung: "Ich rate davon ab, den Genitalbereich zu waxen"

Ein Interview von

Heißes Wachs statt Rasierer: Waxing liegt im Trends Zur Großansicht
Corbis

Heißes Wachs statt Rasierer: Waxing liegt im Trends

Rasierer sind out, heißes Wachs ist in. Im Interview spricht Dermatologe Volker Steinkraus über die Risiken von Waxing und erklärt, warum es durchaus sinnvoll ist, seine Schambehaarung zu trimmen.

Zur Person
  • Holde Schneider
    Volker Steinkraus ist Professor für Dermatologie sowie Gründer und Leiter des Dermatologikums in Hamburg.
SPIEGEL ONLINE: Herr Steinkraus, was halten Sie vom neuen Waxing-Trend?

Steinkraus: Es ist interessant zu beobachten, wie der Kult um die Haut für viele zur Ersatzreligion geworden ist. Für manche Leute ist sie eines der wichtigsten Themen im Leben. Vor 20 Jahren wäre kein 40-jähriger Mann im Genitalbereich rasiert gewesen. Heute sind es fast alle.

SPIEGEL ONLINE: Woher kommt das?

Steinkraus: Das ist aus den USA herüber geschwappt. Amerikanerinnen sind seit Jahrzehnten in Achselhöhlen und an Unterschenkeln rasiert. Als ich 1970 Austauschschüler in den USA war, gab es dort keine Frau, die das nicht kultivierte. Den Deutschen war das damals noch relativ fremd.

SPIEGEL ONLINE: Aber wie kam es dazu, dass die haarlosen Zonen immer größer wurden?

Steinkraus: Je kleiner die Bikinis wurden, desto größer wurde die Rasurfläche. Die Leute nervt es, knappe Badewäsche zu tragen, aus der Haarbüschel ragen. Das ist für jedes ästhetische Auge nachvollziehbar. Dieser Trend wird unterstützt durch einen zunehmend offenen Umgang mit Sexualität und einem steigenden Stellenwert von Haut- und Körperpflege.

SPIEGEL ONLINE: Ist Rasieren schonender als Waxen?

Steinkraus: Nach dem Waxen haben Sie drei bis vier Wochen lang Ruhe. Bei der Rasur sind nach wenigen Tagen wieder Haare sichtbar. Nachteil des Waxing ist aber, dass Haare immer eine gewisse Länge brauchen, damit das Ganze überhaupt funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Macht Waxing die Haut kaputt?

Steinkraus: Nein. Bei einer gesunden Haut ist Waxing unbedenklich. Aber es führt zu einer vorübergehenden Irritation, zu Mikroentzündungen der Haarbalge, was Sie an den vielen kleinen roten Punkten sehen können, die gelegentlich Folge des Waxing sind. Dies juckt und brennt. Man sollte nach einem Waxing die Haut daher zwei, drei Tage mit einer beruhigenden Creme behandeln.

SPIEGEL ONLINE: Macht das denn der Haut wirklich nichts, wenn man wiederholt großflächig die Haarwurzeln herausreißt?

Steinkraus: Die Haut ist robust und verträgt auch ein wiederholtes Waxing. Natürlich können kleinste Miniwunden zurück bleiben, wenn die Haare ständig herausgerissen werden. Miniwunden können in der Tiefe des Haarbalgs unsichtbare Mininarben verursachen. Gelegentlich findet ein nachwachsendes Haar seinen Kanal nicht und wächst in die Haut ein. Das kann in sehr unangenehmen Krankheitsbildern enden, weil das Haar von der Haut dann wie ein Fremdkörper behandelt wird. In diesen Fällen können kleine Fremdkörpergranulome entstehen, also immunologische Abwehrreaktionen der Haut. Auch eine kurzfristig veränderte bakterielle Besiedelung der Haut kann Folge des Waxing sein. Manche Haarwurzeln stellen bei gehäuftem Waxing ihren Dienst auch komplett ein - es wächst weniger nach. Das dürfte aber in der Regel eher erwünscht sein.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Waxing mit heißem Wachs und es gibt Sugaring, das Entfernen der Haare mit einer klebrigen Zucker-Zitronen-Paste. Sugaring ist teurer. Was ist besser?

Steinkraus: Sugaring ist das Gleiche in Grün.

SPIEGEL ONLINE: Kann man auch zu Hause waxen?

Steinkraus: Natürlich. Bei unsachgemäßiger Handhabung kann man sich jedoch verbrennen.

SPIEGEL ONLINE: Aber es gibt ja sensible Bereiche. Ist das nicht gefährlich, wenn man seinen Genitalbereich oder seine Pofalte waxt?

Steinkraus: Ich rate generell davon ab, den Anal- und Genitalbereich zu waxen. Diese Hautpartien sind sehr empfindlich, das ist sehr schmerzhaft, wenn sie dort heißes Wachs auftragen. Schleimhäute sind für thermische und mechanische Provokationen, wie Waxing, nicht gemacht. Dort sollte man nur rasieren. Es ist auch durchaus sinnvoll, die Schambehaarung zu trimmen, weil Haare immer auch Andockstelle für Bakterien sind. Gerade jetzt im Sommer, wo man viel schwitzt.

SPIEGEL ONLINE: Im Studio heißt es, nach dem Waxen dürfe man 24 Stunden lang nicht in die Sauna, ins Schwimmbad oder Sonnenbaden - stimmt das?

Steinkraus: Sie sollten nach dem Waxen die Haut mit einer antiseptischen Creme behandeln und sie ein, zwei Tage in Ruhe lassen. Gegen ein moderates Sonnenbad ist nichts einzuwenden. Verbote dieser Art dienen oft der Absicherung der Studios - falls etwas passiert und Schadensersatz gefordert wird.

SPIEGEL ONLINE: Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR rät zur Vorsicht beim Gebrauch von aluminiumsalzhaltigen Deos - vor allem nach der Achselhaarrasur, weil dann Miniwunden entstehen und die Aluminiumverbindungen leichter in den Körper eindringen können. Gilt das auch fürs Waxing?

Steinkraus: Ich sehe zwar noch erheblichen Forschungsbedarf bei diesem Thema und teile nach meinem derzeitigen Kenntnisstand diese Empfehlung nicht. Aber es wäre aus Sicht eines Instituts für Risikobewertung, das Vorsicht nach der Rasur ausspricht, natürlich konsequent, solche Vorsicht auch nach dem Waxing auszusprechen.

SPIEGEL ONLINE: Wann würden Sie vom Waxing abraten?

Steinkraus: Zum Beispiel bei entzündlichen Hautveränderungen wie Haarbalgentzündungen, Neurodermitis, Schuppenflechte, Sonnenbränden oder Austrocknungsekzemen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Vier Seltsamkeiten.
ellereller 06.08.2014
Erstens: Prof. Steinkraus hält Waxing (1) bei gesunder Haut für unbedenklich, allerdings könne (2) dieses "in sehr unangenehmen Krankheitsbildern enden", weshalb er vom Waxing (3) im Genital- und Analbereich abrät. Das nennt man wohl einen klassischen Zick-Zack-Kurs. Zweitens: Waxing in den Achselhöhlen scheint er aber für unbedenklich zu halten. Ist die Haut dort wirklich weniger empfindlich als die des Schamhügels? Ich würde das Gegenteil für wahrscheinlicher halten. Drittens: Laut Steinkraus sind "fast alle" vierzigjährigen Männer im Genitalbereich rasiert. Das halte ich für nicht evidenzbasiert. Viertens: Jens Lubbadeh geniert sich schon bei der Vorstellung, seine Pofalte einer Waxerin zu öffnen, fast zu Tode. Bei Penisschaft und Hodensack scheint er keine Probleme zu haben. Herr Freud, bitte übernehmen Sie.
2. Hygiene
stanleybi 06.08.2014
Unabhaengig von dem aesthetischen Geichtspunkt moechte ich an dieser Stelle auch die Hygiene etwas weiter behandeln: Bei den meisten Maennern ist die Behaarung zwischen den Pofalten - wie oben beschrieben, ein nicht unerheblicher Risikofaktor. Ein "verwischen" der Exkremente kann zu erheblichen Problemen fuhren - insbesondere bei starker Behaarung in diesem Bereich. In vielen Kulturen ist der Gebrauch - auch aus Mangel an Toilettenpapier, unbekannt oder gar verpoent. Mit gutem Grund. Furunkel, Abszesse koennen entstehen, die aeusserst unangenehme Folgen, wie nicht mehr sitzen koennen. Die Rasur oder auch das Waxing koennen hier durchaus ebenso zu derartigen Problemen fuehren. Meine Empfehlung ist, unabhaengig vom Entfernen der Behaarung, entweder ein Bidet zu nutzen - soweit vorhanden, oder aber sich eine relativ preiswerte Popodusche zuzulegen. Die Installation einer Popodusche am Wasserzulass des Spuelkastens ist oftmals unproblematisch und relativ preiswert. Fragen sie ihren Klempner.
3. Weitere Seltsamkeiten
Waxingkunde 07.08.2014
Was bereits erwähnt wurde, kann ich nur bekräftigen. Es gibt sogar noch weitere Unstimmigkeiten. Um nur Eine zu nennen: Sugaring ist nicht "das gleiche in Grün". Zum Beispiel werden die Haare mit unterschiedlicher "Zupftechnik" entfernt, wodurch sie beim Waxing eher brechen, als komplett mit Wurzel entfernt zu werden, wie es beim Sugaring geschieht. Dadurch wachsen durch regelmäßige Sugaringanwendungen die Haare weniger stark nach. Auch ist die verwendete Zuckerpaste kälter als das Wachs bein Waxing. Somit ist das Argument gegen die Haarentfernung in der Pofalte entkräftet. Es gibt noch weitere Unterschiede. Man hätte vielleicht einen Enthaarungsexperten hinzuziehen sollen, der das Fachwissen des Dermatologen ergänzt.
4. Stimmt...
fatherted98 07.08.2014
Zitat von stanleybiUnabhaengig von dem aesthetischen Geichtspunkt moechte ich an dieser Stelle auch die Hygiene etwas weiter behandeln: Bei den meisten Maennern ist die Behaarung zwischen den Pofalten - wie oben beschrieben, ein nicht unerheblicher Risikofaktor. Ein "verwischen" der Exkremente kann zu erheblichen Problemen fuhren - insbesondere bei starker Behaarung in diesem Bereich. In vielen Kulturen ist der Gebrauch - auch aus Mangel an Toilettenpapier, unbekannt oder gar verpoent. Mit gutem Grund. Furunkel, Abszesse koennen entstehen, die aeusserst unangenehme Folgen, wie nicht mehr sitzen koennen. Die Rasur oder auch das Waxing koennen hier durchaus ebenso zu derartigen Problemen fuehren. Meine Empfehlung ist, unabhaengig vom Entfernen der Behaarung, entweder ein Bidet zu nutzen - soweit vorhanden, oder aber sich eine relativ preiswerte Popodusche zuzulegen. Die Installation einer Popodusche am Wasserzulass des Spuelkastens ist oftmals unproblematisch und relativ preiswert. Fragen sie ihren Klempner.
...in Südostasien Standard...aber....die haben auch die Temperaturen dazu....das Wasser kommt da nicht wie bei uns eim Winter Eiskalt aus der Leitung...und sich einen Anal-Eiszapfen zu holen ist nicht so angenehm...alsoe wenn Anal-Dusche...dann bitte temperiert...ich weiß Warmduscher...aber an dieser Stelle echt ein Plus.
5. @stanleybi
Tobi2995 07.08.2014
Warum in eine Popodusche investieren? Feuchtes Toilettenpapier bei Bedarf tut's doch auch... Ich kann gar nicht verstehen, wie Männer mit behaartem A*** auf sowas verzichten können.
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