30. April 2013, 11:25 Uhr

Achilles' Verse

Sport, Sex oder gleich beides?

Sex ist nichts anderes als eine Unterabteilung des Sports, meint Achim Achilles. Und bereitet sich am liebsten mit ein paar Stretching-Übungen vor. Blöd nur, dass seine Frau in der Zeit meist einschläft. Dabei kann Bettgymnastik die sportliche Leistung verbessern - behaupten zumindest Forscher.

"Es ist Frühling", hatte Mona neulich in mein salzverkrustetes Ohr gehaucht, als ich etwas später als geplant vom Training zurückgekehrt war. "Frühling, Achim, Frühling." Ja, vielen Dank auch für diese Information. Melden meine Schleimhäute schon seit Tagen. Die Polle erregt mal wieder die Republik. Und Mona gurrt: "Frühling". Eine Gattin wie eine Polle - erregende Energien. Zartfühlend schob ich sie dennoch zur Seite, Frühling hin, Heuschnupfen her.

Lässt man dieses naiv-romantische und vor allem rein saisonal getriebene Vorspiel-Bling-Bling mal beiseite, ist Sex ja nichts anderes als eine Unterabteilung des Sports, aber im Trainingsplan leider nicht vorgesehen. Außerdem muss erst mal definiert werden, ob es sich um eine Ausdauereinheit handelt, um Kraft, Tempo oder eher was Regeneratives, womöglich noch mit zeitraubender esoterischer Streichelei.

Ein verantwortungsvoller Partner stretcht erst mal ein Weilchen und vervollständigt das Warm-up mit ein paar flotten Skippings im Flur. Paarungsbereite Normalos mögen sich warm quatschen oder fummeln. Aber wir Athleten brauchen konkreten Zug auf dem Muskel. Mona schläft oft schon, wenn ich die Stabilisierungsübungen im Wohnzimmer gefinished habe. Prima. Kann ich noch 300 Sit-ups machen, für die Rumpfstabilität, manchmal auch weniger.

Hormonbasierte Anstrengungen sparsam dosieren

Solange nicht geklärt ist, ob Sex die Leistung steigert, sollte der Ausdauersportler hormonbasierte Anstrengungen im Haushalt sparsam dosieren. Laufen sei wie Sex, soll der irische Labour-Politiker Harte behauptet haben, schließlich müsse man nicht gut sein, um Spaß zu haben - eine sympathisch-egoistische Sichtweise. Weitere Parallelen: Herumspringende Kinder nerven, Wasserflaschenhalter erst recht, Pulsgurte oder Walking-Stöcke kann man dabei tragen, muss man aber nicht, zu harter Untergrund kann zu Verletzungen führen, zum Beispiel an den Knien. Am frühen Morgen ist es eine echte Herausforderung, mit Tennissocken sieht beides ziemlich grenzwertig aus und Schwitzen ist kein schlechtes Zeichen.

Die Universität Oxford will herausgefunden haben, dass eine außerplanmäßige Last-Minute-Einheit auf dem heimischen Flokati zu einer um fünf Minuten besseren Zielzeit tags darauf beim Marathon führt. Zwischenfrage: Wird einer, der die ganze Woche vor dem Wettbewerb durchhühnert, um eine halbe Stunde schneller? Und kann das einer der Herren Wissenschaftler vielleicht mal auf die ganze Saison hochrechnen?

Gerade wir Langstreckler wissen, dass viele Studien eine einzige Lüge sind, vor allem dieser ganze Testosteron-Kram. Angeblich soll der männliche Körper ja durch Sport mehrere Zusatztonnen seines Triebhormons produzieren. Marathon-Trainierer aber wissen: Nach 90 Minuten allein im Wald ist alles Testosteron verdampft. Der Athlet träumt nur noch von Bier, Dusche, Bett und einem Trick, den Winzling, der mal sein Prachtstück war, wieder aus der Höhle herauszulocken. Der Kleine hat Auslauf auf einer Fingerkuppe. Wie soll er jemals wieder auferstehen?

Läufer haben mehr Sex, weil sie sich unwiderstehlich finden

Lauf-Guru Herbert Steffny stellt dem Sportler frei, ob er vor dem Rennen rasch noch mal die Hüfte kreisen lässt. Einzige Einschränkung: keine zeitraubenden oder komplizierten Nummern. Kein Problem, mein Hasenkostüm passt eh nicht in die Sporttasche.

An der Universität Arkansas wiederum wurde festgestellt, dass Läufer schon deswegen mehr Sex haben, weil sie sich einfach unwiderstehlich finden. Zu Recht. Mit jedem Kilometer wächst das Selbstbewusstsein - eine Art Psychoerektion. Stimmt tatsächlich. Seitdem ich dreimal schnaufend um unseren Häuserblock gewackelt bin, kann Sixpack-Gomez einpacken. In meiner Stretchpelle in modischem Zahnbelagsgrau fallen die 23 Kilogramm Übergewicht kaum noch auf. Wirklich irre, was so ein bisschen Sport ausmacht.

Warum nur teilt Mona meine Euphorie nicht so richtig? Wahrscheinlich hat sie einfach kein Interesse mehr an meinen physischen Dienstleistungen. Jede vierte Frau beschafft sich ihre Erregung tatsächlich beim Laufen selbst, sagt jedenfalls die Chicago State University. Wie praktisch. Kann ich wenigstens in Ruhe trainieren gehen.


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