Es gibt viele Gründe, warum Spermien ihre Qualität verlieren oder weniger werden: Rauchen, Übergewicht, schlechte Ernährung oder zu hohe Temperaturen im Hoden sind die bekanntesten Ursachen. Jetzt will ein internationales Wissenschaftlerteam einen weiteren Faktor identifiziert haben: Fernsehen. Demnach haben Männer, die ständig vor dem TV-Gerät hocken, deutlich weniger Spermien als diejenigen, die kaum oder nie fernsehen.
Für ihre Untersuchung befragten die Forscher 189 Männer zwischen 18 und 22 Jahren mit Hilfe von Fragebögen zu zwei Themen: Wie viel Zeit hatten sie in den vergangenen drei Monaten ferngesehen und wie viel Sport hatten sie getrieben. Zudem untersuchten sie die Spermienqualität der Männer anhand der Konzentration, der Beweglichkeit, der Form und der Anzahl. Die Ergebnisse stammen aus der sogenannten Rochester Young Men's Study, die 2009 bis 2010 an der University of Rochester im US-Bundesstaat New York durchgeführt wurde.
Wie in vorangegangenen Studien ergab die Untersuchung, dass sich Sport positiv auf die Spermienqualität auswirkt: Männer, die mehr als 15 Stunden pro Woche körperlich aktiv waren, hatten 73 Prozent mehr Spermien als Männer, die sich weniger als fünf Stunden wöchentlich bewegten. Beim Fernsehen war der Effekt umgekehrt, berichten die Forscher auf der Internetseite der Fachzeitschrift "British Journal of Sports Medicine": Diejenigen, die wöchentlich 20 Stunden oder mehr fernsahen, hatten 44 Prozent weniger Spermien als diejenigen, die kaum oder nie vor dem TV saßen. Neben dem Bewegungsmangel könnte die Hodentemperatur eine Ursache des Effekts sein: Beim langen Sitzen können sich die Hoden aufheizen, dies schadet der Spermienproduktion.
Die Autoren der Studie räumten ein, dass die Aussagekraft ihrer Untersuchung begrenzt ist, weil sie auf relativ wenigen Teilnehmern basiert und nur eine Spermaprobe von jedem Mann untersucht wurde. Außerdem sind retrospektive Studien, die im Nachhinein mit Hilfe von Fragebögen Ergebnisse ermitteln, anfällig für Fehler. Teilnehmer könnten etwa ihre sportliche Aktivität oder die Anzahl der Fernsehstunden anders angegeben haben, als sie tatsächlich waren. Zudem ist mit der Studie nicht belegt, dass tatsächlich die Zeit vor dem Fernseher ursächlich ist für die reduzierte Zahl der Spermien, oder ob vielleicht andere Gründe wie Ernährung oder Rauchen dafür verantwortlich sind.
Trotz der Einschränkungen hält die Studie einen Trost für bewegungsfaule TV-Fans bereit: Alle untersuchten Männer wären den Angaben zufolge in der Lage gewesen, ein Kind zu zeugen.
Schon länger existieren Hinweise darauf, dass Männer generell immer weniger Spermien produzieren. Eine Langzeitstudie hatte im letzten Jahr gezeigt, dass es zumindest um die Samenzellen französischer Männer nicht gut bestellt ist. Demnach sinkt die Anzahl der Spermien kontinuierlich, außerdem ist ein steigender Anteil verformt. Neben dem Lebensstil vermuten die Forscher, dass schädliche Chemikalien eine Ursache dafür sind. Ab einem Wert von unter 20 Millionen Spermien pro Milliliter Sperma gelten die Samenzellen als Mangelware.
hei/afp
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