Fotostrecke Philip Treacys Rebellion der Hüte

Der aus Irland stammende Designer Philip Treacy sorgte in den vergangenen Jahren für ein modisches Hut-Revival. Seine oft exotischen, immer eleganten Kopfbedeckungen werden von Stars getragen und von Modemachern bewundert.



(Aus dem SPIEGEL-ONLINE-Archiv: Artikel vom 17.4.2002)


Ausschweifend: Top-Model Naomi Campbell mit einer Treacy-Kreation im Londoner Victoria and Albert Museum
REUTERS

Ausschweifend: Top-Model Naomi Campbell mit einer Treacy-Kreation im Londoner Victoria and Albert Museum

London - Für Philip Treacy, 35, der in einem kleinen Örtchen in der irischen Provinz geboren wurde, ist Elitebewusstsein ein Fremdwort. Dem ruhmreichen Hut-Designer geht es lediglich darum, seinen Kunden eine Kopfbedeckung zu verleihen, die dem Erscheinungsbild der jeweiligen Person schmeichelt. Jedem Kopf sein passender Hut, jeder Topf findet seinen Deckel - diese Platitude scheint das Erfolgsgeheimnis Treacys wie der sprichwörtliche Nagel auf den - nun ja - Kopf zu treffen. "Meine Hüte funktionieren wie kosmetische Chirurgie", erklärte er dem britischen "Guardian", "es gibt keine Frau, die keine Hüte tragen könnte, weil sie ihr nicht stehen. Das ist nur eine Frage des richtigen Hutes", sagt Treacy und verweist auf sein Credo, die Trägerinnen seiner oft extravaganten Kreationen lediglich verschönern zu wollen. "Wir machen keine Hüte für verrückte Frauen, die sich ohnehin auffällig kleiden, sondern für eher konservative Damen, die sich mit einem schicken Hut schmücken wollen. Wer meine Hüte nur deshalb tragen will, weil er auch sonst ein außergewöhnliches Outfit pflegt, hat keinen Stil."

Dennoch erhebt er seine Hüte gerne zum Kunstwerk und Hingucker, der dem Outfit darunter oft die Schau stiehlt. Eine sehr britische Art der Hut-Betrachtung, die sich nicht zuletzt alljährlich beim Pferderennen in Ascot zeigt, wo die feinen Damen der Gesellschaft sich im schlichten Gewand mit umso extravaganteren Hüten präsentieren. "Früher waren Hüte ein Zeichen dafür, dass man mit der Masse ging, heute sind sie eher ein Symbol für Rebellion", sagt der hippe Hutmacher.


Hommage an Terry Gilliams Film "Brazil": Der Hut als Schiffchen Karneval in Venedig: Minimal-Hut zur Maske Stolz wie ein Pfau: Treacy-Kreation als Federschmuck
Revolutionär: Treacy definiert den Begriff "Hutkrempe" neu Treacy setzt klare Prioritäten: In der (Hut-)Auster verbirgt sich die Perle Barockes Visier: Kronen-hafte Hut-Kreation von Philip Treacy
Aus der Blumenwelt entliehen: Orchideen-Hut Auch in Masken bewandert: Treacys Kopfbedeckungen schmücken oft auch das Gesicht Ausladend: Auch diese Orchideen-Kreation war im Londoner Victoria and Albert Museum zu bewundern



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Treacy war vor knapp zwei Jahren der erste Hut-Designer seit mehr als 70 Jahren, der seine Kreationen in einer Haute-Couture-Schau präsentierte. Nach dem Jubel der Modewelt, die seitdem keine Gelegenheit auslässt, die Treacy-Mode mit den eigenen Schöpfungen zu verknüpfen, sind auch viele Stars auf den Hut-Geschmack gekommen. Madonna, Jerry Hall, Renee Zellweger oder auch Soul-Diva Aretha Franklin haben sich in der Vergangenheit als Treacy-Fans erwiesen, längst ist der neue Hut-Wahn aber auch auf das männliche Geschlecht übergesprungen: Die hippsten Brit-Stars - Madonna-Mann Guy Ritchie sowie die Fußball-Stars David Beckham und Vinnie Jones - haben sich längst mit modischen Treacy-Hüten zur Kopfbedeckung bekannt.

Außer für sein eigenes Label betätigte sich Treacy auch schon für John Galliano, Karl Lagerfeld und Alexander McQueen als Hutmacher. Der ganze Rummel um seine Person ist dem Iren allerdings oft zu viel. Er will ein Mann des Volkes bleiben und wehrt sich gegen das Image, ein Freund der Reichen und Prominenten zu sein: "Ich mache ihnen nur Hüte, das ist alles", sagt er und träumt davon, dass auch seine Mutter in seinem Londoner Laden einen Hut erwerben könnte. Treacy-Kreationen kosten daher zwischen günstigen 200 und luxuriösen 10.000 Pfund - ein visuelles Spektakel ist jedoch jede von ihnen.

Die Mode-Branche und viele Prominente feierten ihren Darling am Dienstag mit einer exklusiven Schau im Londoner Victoria and Albert Museum. Treacy kam, wahrscheinlich als einziger, ohne Hut.



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