Amokläufer Sebastian B. "Es wird ein ganz großer Abgang!"

Am 20. November bricht Sebastian B. in Emsdetten in seine alte Schule auf - um ein Massaker anzurichten. Er verletzt 37 Menschen und tötet sich dann selbst. Deutschland ist schockiert: Wie konnte es trotz Warnsignalen zu der Bluttat kommen?


20. November, kurz vor halb zehn am Morgen. Der 18-Jährige Sebastian B. betritt schwer bewaffnet, eingehüllt in einen langen schwarzen Mantel, den Schulhof - sein Gesicht hinter einer schwarzen Gasmaske verborgen. "Zuerst haben alle gelacht, wie er so da stand. Das sah völlig bescheuert aus", sagte ein Mitschüler später. "Dann plötzlich ballerte er drauf los."

Amoklauf an der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten: 37 Menschen werden verletzt - und einer stirbt, Sebastian B. Der frühere Schüler richtet sich mit einem Schuss ins Gesicht selbst.

Sebastian B. in Internet-Video: Selbstmord durch Schuss in den Mund
DDP

Sebastian B. in Internet-Video: Selbstmord durch Schuss in den Mund

Wieso er nicht mehr Menschen in den Tod nahm, wird sein Geheimnis bleiben. Die Polizei reagierte in Emsdetten schneller und professioneller als beim Amoklauf von Erfurt vier Jahre zuvor - doch sicher ist: Sebastian B. hatte seinen Amoklauf als regelrechtes Massaker geplant. Er hatte Todeslisten geschrieben. Er hatte zwei abgesägte Gewehre dabei, zwei weitere Waffen, ein Messer am Hosenbein, drei Rohrbomben am Körper, zehn weitere und einen Molotowcocktail im Rucksack. Er hinterließ ein Vermächtnis aus Internet-Videos, Foreneinträgen und Tagebuchnotizen, die keinen Zweifel an seiner Wut auf seine Umwelt lassen. "Ich hasse die Menschheit, ausgenommen mich und meine Familie", schrieb er. "Es wird ein ganz großer Abgang!"

Keine 24 Stunden nach dem Amoklauf fordern Politiker ein Verbot von Killer-Computerspielen. Killerspiele waren Bastian B.s Leidenschaft, er hatte sogar die Geschwister-Scholl-Schule als Ballerspiel-Arena nachgebaut. Er war ein Waffennarr. Und er galt vielen als verrückter Außenseiter. Dass er schon vor Jahren einen Amoklauf angekündigt hatte; dass manche Mitschüler richtiggehend Angst vor dem Sonderling hatten; dass er bei Lehrern seit Jahren als einer galt, der womöglich einmal ausrastet - das klingt im Nachhinein unfassbar, und doch rettete keiner Bastian B. aus seiner Parallelwelt voller Hass, Ängsten und Gewaltfantasien. "Das Leben war schön, bis ich in die Schule kam", diesen Satz hinterließ Bastian B. am Vorabend seines Amoklaufs. In sein Tagebuch notierte er: "Es ist schon verrückt. Ich habe das Ganze so lange geplant und jetzt - verdammte Scheiße - wird alles wahr. That's it."

Der Amoklauf von Emsdetten -
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