Ab durch die Mitte "Mehrzweckwaffen gesucht"

In den Konzernen gibt es zu viele "Klassensprecher", im Mittelstand mehr Karriereoptionen, sagt Tiemo Kracht. Im Interview erklärt der Kienbaum-Personalberater, wie sich frühe Verantwortung auszahlt und warum etwas niedrigere Startgehälter für Einsteiger kein Problem sein müssen.

Tiemo Kracht ist Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants
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Tiemo Kracht ist Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants


Frage: Wie sieht das Anforderungsprofil für eine Karriere im großen Mittelstand aus?

Kracht: Die Mittelständler suchen meist keine Experten, sondern Personen mit breiter Qualifikation, die es spannend finden, zwischen Funktionen zu wechseln. Sie brauchen sozusagen Mehrzweckwaffen, Menschen, die bereit sind, ins kalte Wasser zu springen.

Frage: Was haben die Mittelständler Talenten zu bieten?

Kracht: Vor allem breiter angelegte Entwicklungsmöglichkeiten durch den Wechsel zwischen den Funktionen. In den Konzernen werden die jungen Leute oft früh Opfer der Feinsortierung. Außerdem bekommt der Nachwuchs beim Mittelstand früher Personal-, Umsatz- und Ergebnisverantwortung.

Frage: Wie sieht es mit dem Gehaltsniveau aus?

Kracht: Die Einstiegsgehälter liegen im großen Mittelstand tendenziell um 10 bis 15 Prozent unter denen der Konzerne. Doch weil die Karriere im Mittelstand zügiger verläuft, ist der Unterschied schnell wettgemacht, das dauert keine drei Jahre. Dann ist das Einkommensniveau mindestens gleich. Nur für die Unternehmensspitze zahlen Konzerne mehr.

Frage: Heißt es: einmal Mittelstand, immer Mittelstand, oder gibt es die Chance, in Großunternehmen umzusteigen?

Kracht: Früher waren die Konzerne Lieferanten für die Managementriege der Mittelständler, heute ist es umgekehrt. Die Großen werben Führungskräfte im Mittelstand ab, weil die gewohnt sind, eigenverantwortlich zu handeln und nicht von der Matrixorganisation verdorben sind. Die Konzerne bringen zu viele reine Koordinatoren hervor, Klassensprecher, die in Gremien und Meetings geschickt agieren, aber nicht gewohnt sind, selbst in die Speichen zu greifen.

Frage: Wann ist der beste Zeitpunkt für den Umstieg?

Kracht: Wenn man zweimal befördert worden ist und Personalverantwortung sowie eine gute Leistungsbilanz vorweisen kann.

Das Interview führte Michael Gatermann



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