Junge Akademiker Oft zu forsch bei der Bewerbung

Frisch von der Uni und her mit der Karriere: Eine Studie zeigt, dass junge Akademiker im Bewerbungsgespräch häufig zu ehrgeizig auftreten - und damit Arbeitgeber verprellen.

Bewerbungsgespräch (Symbolbild)
Getty Images

Bewerbungsgespräch (Symbolbild)


"Zeig dich selbstbewusst und ehrgeizig!" und "Verkauf dich nicht unter Wert!" Mit solchen gut gemeinten Tipps von Vätern, Freunden, Karriereberatern gehen viele junge Menschen ins Vorstellungsgespräch bei ihrer Traumfirma.

Eine Studie zeigt: Das kann auch nach hinten losgehen. Denn ginge es nach vielen Unternehmen, sollten Hochschulabsolventen lieber etwas bescheidener auftreten.

Als häufigste Schwäche von jungen Akademikern im Einstellungsverfahren nannten 39 Prozent: "unrealistische Karriereerwartungen". Fast ebenso viele monierten fehlende Kenntnisse über das Unternehmen und unrealistische Gehaltsvorstellungen.

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Jobware/ Hochschule Koblenz

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Das Fazit der Auswertung: "Studierende sollten ihre Ansprüche hinterfragen und weniger fordernd im Vorstellungsgespräch auftreten."

Für die "Hochschul-Recruiting-Studie 2016" befragte die Onlinestellenbörse "Jobware" in Zusammenarbeit mit der Hochschule Koblenz bundesweit 84 Unternehmen, vor allem aus den Bereichen IT, Ingenieurswesen, Finanzen, Vertrieb und Recht. Personaler und Firmenmitarbeiter mit Personalverantwortung füllten einen Fragebogen aus, in dem verschiedene Antworten vorgegeben waren.

Darin wurde auch abgefragt, mit welchen Dingen Bewerber bei künftigen Arbeitgebern zusätzlich punkten können. So ist es 92 Prozent der Befragten wichtig, dass die Kandidaten schon als Praktikant oder Werkstudent fürs Unternehmen gearbeitet und dabei einen guten Eindruck gemacht haben.

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Jobware/ Hochschule Koblenz

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Fast acht von zehn Arbeitgebern schauen sich an, ob Bewerber im Studium den richtigen Schwerpunkt gesetzt haben. Etwa die Hälfte liest sich frühere Arbeits- und Praktikumszeugnisse besonders aufmerksam durch und legt Wert auf eine gute Uni-Abschlussnote.

Für rund ein Drittel der Arbeitgeber sind Fremdsprachenkenntnisse und die Studiendauer besonders relevant. Nur für zwölf Prozent der Befragten ist Auslandserfahrung ein zusätzliches Plus. In der letzten Studie vor zwei Jahren hielten das noch 39 Prozent der Befragten für besonders wichtig.

Ob das daran liegt, dass Arbeitgeber Auslandserfahrung heute als weniger wichtig einschätzen - oder ob ein Aufenthalt im Ausland bereits zu den Kriterien gehört, die Firmenchefs als selbstverständlich voraussetzen, verraten die Studiendaten nicht.

lov

insgesamt 232 Beiträge
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Seite 1
Miere 12.08.2016
1. Ist das wirklich alles?
Was ist mit "richtige Kleidung und Frisur", gutaussehend, gemeinsamen Bekannten, oder auch so was wie "keine Frau" oder falls doch: "kann überzeugend vortragen dass sie auf keinen Fall Kinder will"?
bauern-muenchen 12.08.2016
2. Demut und Huldigung
Ich fasse also mal zusammen: Die befragten Arbeitgeber hätten es gerne, dass der Kandidat schon mal (fast) kostenlos in Form von Praktikum o.ä. bei denen gearbeitet hat. Weiterhin darf der Bewerber froh sein, wenn die Firma sich dazu herab lässt, ihn einzustellen. Solch Verhalten von Arbeitgebern spricht sich herum. Die Daten sind eventuell dadurch verfälscht, dass sich bei solchen Firmen nur die schlechten Akademiker bewerben. Gute haben es nicht nötig.
petra.stein 12.08.2016
3.
Ich habe beruflich sehr viel mit Studenten zu tun. --Was die als an den Tag legen..da schüttel ich nur mit dem Kopf. Die meinen, nur weil sie studiert haben, können sie jemanden, der über 30 jahre Berufserfahrung hat, das Wasser reichen.
dbeck90 12.08.2016
4. Studies halt
Wollen alles, haben aber keine Arbeitserfahrung. Ausbildung ist da besser. Dauert genauso lang wie Studium + betriebliche Erfahrung. Leider weiß das keiner der Studierenden. Studieren sollte nur, wer mind. den Master will. Bachelor = nix wert.
n.erd 12.08.2016
5. Bereits bekannt ...
In unserem Unternehmen stellen sich die Bologna-Absolventen nicht in die zweite Reihe, um von den "alten Hasen" zu lernen, sonder erkecken sich zu fordern, was das Unternehmen einem bieten kann, um ihn zu halten. Der eine mag dies als gesundes Selbstbewusstsein bezeichnen, ich erkenne hierin eine übertriebene Ich-Bezogenheit und Dreistigkeit. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass selbst Master-Absolventen heute keine Generalisten, sondern konforme Spezialisten sind, denen i.d.R. ein breiter Horizont an Allgemeinbildung fehlt. Dies kann man jederzeit spüren und "erleiden". Bildung und Wissen - die Ressourcen unseres Landes - verkümmern wegen eines dummen Kultussystems. Wir sollten aus dem Bologna- heraus zu unserem Humboldt-Prinzip zurückkehren und wieder solidarische statt individualistische Erziehung fördern. Denn daraus resultieren diese Ego-Machos.
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