Erfolgsgeschichten von Karrierefrauen Weiblich bleiben, männlich agieren

Was ziehe ich an als Frau unter lauter Männern? Diese Frage trieb Medienmanagerin Aleksandra Solda-Zaccaro lange um. Heute weiß sie: Probleme lassen sich nicht durch Kleidung lösen, sondern durch Pragmatismus.

Aleksandra Solda-Zaccaro, 46, studierte nach einer Lehre zur Bankkauffrau Betriebswirtschaft in München. Sie leitet heute den Münchner Standort der G+J Corporate Editors GmbH

Aleksandra Solda-Zaccaro, 46, studierte nach einer Lehre zur Bankkauffrau Betriebswirtschaft in München. Sie leitet heute den Münchner Standort der G+J Corporate Editors GmbH


Zwölf Top-Managerinnen, ein Dutzend Geschichten: Hier zeichnen erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute: Medienfrau Aleksandra Solda-Zaccaro über männliche und weibliche Karriere.

"Die Medienbranche fesselt mich seit meinem ersten Arbeitstag: Es war der 1. September 1997, der Tag nach Lady Di's Tod. Ich stieg in der Internet-Abteilung bei der Burda-Marke Traxxx ein und hatte wenig Ahnung von dem, was auf mich zukam. Aber an diesem historischen Tag lernte ich gleich alle Facetten des Geschäfts kennen - vom Verhandeln mit Fotoagenturen, Korrespondenten, dem Einkauf von Papier bis hin zum Eintüten von Kooperationen zwecks Sonderheften und dazugehöriger PR.

Mittlerweile bin ich 46 und blicke auf knapp 20 Jahre Erfahrung zurück, 15 davon als Führungskraft, elf im oberen Management: Ebene 'Vorstand minus zwei', bei Gruner + Jahr. Dieses Verlagshaus ist das Gegenteil dessen, was man als 'männlich dominiert' betitelt. Eine Frau ist Vorstandsvorsitzende.

Seit 2012 bin ich damit betraut, den neu geschaffenen Standort im Kundenkommunikationssegment aufzubauen. Als Leiterin des Büros in München verantworte ich inzwischen die Betreuung namhafter Unternehmen in Deutschland, in Österreich, der Schweiz, Luxemburg und in Italien. Die Aufgabe ist medial und kommunikationsstrategisch. Der Fokus liegt auf dem Aufbau und dem Unterhalt von Kundenbeziehungen und der Zusammenstellung der passenden redaktionellen und projektspezifischen Teams. Ich bin Mitglied der Geschäftsführung.

Mir ist wichtig, verantwortungsvoll und im Rahmen meiner Ziele selbstständig agieren zu können. Neben der Betreuung der Bestands- und der Gewinnung von Neukunden motiviere ich meine unterschiedlichen Mitarbeiter zu permanenter Höchstleistung unter Einhaltung bestehender Budgets. Effizientes Arbeiten ist unser Alltag. Mein Stil ist herzlich in der Art und streng in der Anforderung an die Leistung. KPIs, Key Performance Indicators, deren Erreichung und die Incentivierung wie Honorierung daran, sind Alltag. Das Spannende und Herausfordernde an einer Managementaufgabe wie meiner ist das 'Satellitendasein' - Teil eines großen europäischen Medienkonzerns zu sein, dabei eigenständig als Unternehmer im Unternehmen zu handeln.

Anspruch an permanente Weiterentwicklung

Geschlechtlich, altersmäßig und kompetenztechnisch gemischte Teams zu führen gehört seit Jahren zu meinem Alltag. Wir sind in der Geschäftsleitung 50/50 Mann und Frau. Wir sind in 2014. Die gut ausgebildeten, geburtenstarken Jahrgänge sind im Amt.

Vor 13 Jahren allerdings, im Jahr 2001, als ich im Alter von 33 Jahren Direktorin in einem süddeutschen Medienunternehmen wurde, war die Führungsebene in den Medienunternehmen noch männlich dominiert. Macht das einen Unterschied? Auf jeden Fall! Denn die Ebenen, in denen man sich bewegte, waren gemischt. Erst mit dem Karriereschritt in die oberen Ebenen waren kaum mehr Frauen zu finden.

Nun war ich in dieser vielzitierten Einzelsituation angekommen, die exotische weibliche Führungskraft zu sein. Ich achtete auf einmal akribisch darauf, dass es keinen Unterschied machen darf, dass ich weiblich bin. Dass ich keinen Bonus erhalte, nur weil ich eine Frau bin. Dass ich nicht geschont werde, nur weil ich eine Frau bin.

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Weiberwirtschaft: Männliche Macht, weiblicher Mumm
Das äußerst patriarchisch strukturierte Unternehmen, in dem ich damals arbeitete, bot eine kreative Umgebung, bei der 'Trial and Error' zur Normalität gehörten.

Neben den geschäftlichen Zielen, die gesteckt waren, spielten auch die Familienkultur und die Parkettfähigkeit innerhalb dieses Familienunternehmens eine bedeutende Rolle. Eine wunderbare Voraussetzung, die Weiblichkeit weiterhin zu leben und zu lernen, mich in den männlichen Bewegungsmustern zurechtzufinden. Die Firmenkultur war außerdem geprägt vom Anspruch an permanente Weiterentwicklung - man wurde gefordert und gefördert.

Das führte dazu, dass ich 2003 die nächste Karrierestufe nahm. Natürlich war ich akribisch vorbereitet und nahm die Verantwortung sehr ernst. Inhaltlich wie netzwerktechnisch. Als Geschäftsführerin übernahm ich im Alter von 35 Jahren die Verantwortung für unterschiedliche Business Units mit in Summe knapp hundert Personen an fünf Standorten in Europa und in den USA. Ich war die erste Frau im Haus, der das gelungen war. Fast unnötig zu erwähnen, dass mich meine Position sehr einsam machte.

Allein unter Männern - wie ein Tropfen Essig in Olivenöl

Allein unter Männern fühlte ich mich als Frau manchmal wie ein Tropfen Essig in Olivenöl. Das mochte sich nicht von alleine vermischen. Ich musste lernen, mich in die Männerwelt zu integrieren, schloss mich Gruppen an und baute mir Partner auf. Für mich war es schwer zu verstehen, dass Männer sich offen attackieren, anschließend ein Bier an der Bar zusammen trinken oder joggen gehen und nichts nachgetragen wird.

Als Frau war ich mal verletzt, zweifelnd, den Grund für eine Auseinandersetzung bei mir suchend und ertappte mich oft, Dinge persönlich zu nehmen. Aber nach und nach lernte ich, Gefallen an dem männlichen Pragmatismus zu finden, der unsere Geschäftswelt diktiert, und versuche heute, dieses meinen Kolleginnen mit auf den Weg zu geben. Situationen abstrahieren, Sachverhalte annehmen und diese nicht auf die eigene Person beziehen.

Was Frauen von Männern lernen können: Chancen beherzt ergreifen

Ich habe übrigens den Männern auch abgeguckt, Chancen, die sich bieten, ohne Zögern zu ergreifen. Das berühmte 'Window of opportunity' zu nutzen und nicht so viel Zeit mit Abwägen und Planen zu verbringen, bis dieses womöglich schon wieder geschlossen ist.

Als junge Managerin habe ich ein großes Angebot abgelehnt, weil ich Skrupel hatte, ich könnte die Position womöglich nicht erfüllen. Das würde ich heute anders machen. Mittlerweile wüsste ich, wie ich mir die Bedingungen schaffe, um in die viel zu großen Stiefel zu wachsen. Männer sind mutig und tollkühn. Ich kenne keinen Mann, der das Angebot, von dem ich spreche, abgelehnt hätte. Auch Frauen können das trainieren.

Mut zur eigenen Vision

Denn der Mut zur eigenen Vision hat mich schließlich dahin gebracht, wo ich heute stehe. Die weibliche Interpretation beziehungsweise die Art, Netzwerke zu leben, ist eine andere als die der Männer. Ich denke immer auch an meine Mitstreiter im Team, für die ich mich verantwortlich fühle. Das ist nicht mit einer Glucke zu verwechseln.

Ich finde, Spaß miteinander zu haben und sich auf die Loyalität untereinander verlassen zu können, sind Erfolgsgaranten im Job. Das geht in gemischten Teams automatischer. Hier kommt übrigens die Rolle des Mentors ins Spiel, die ich für essenziell halte. Ich hatte glücklicherweise einen Mentor, der mich in meiner Entwicklung begleitet hat, mir direktes Feedback gab, mich schulte im Umgang mit politischen Situationen und mich dabei ermutigte, mir selbst treu zu bleiben - wissend, dass man als Frau unter besonderer Beobachtung steht. Ich war automatisch zu einem 'Role Model' geworden. Die Frau, die den Weg ebnet.

Wie uniform muss man sich geben?

Eine weitere Frage stellte sich auf der neuen Hierarchiestufe: Wie weiblich darf man sein? Wie uniform muss man sich geben? Ich hatte mich für die Uniformität entschieden. Kleidete mich dann im Stile meiner Kollegen in schwarzem Anzug und weißer Bluse (es fehlte zur Uniform nur die Krawatte). Es dauerte, bis ich - bedingt durch das Gefühl der Akzeptanz im männlichen Führungskreis - zur Authentizität der Weiblichkeit auch im Kleidungsstil zurückkehrte. Im Rückblick denke ich, dass ich mir zu viele Gedanken darüber gemacht habe.

Denn: Es gibt keine Problemlösung, die durch Kleidung erzielt werden könnte. Man ist und bleibt eine Frau (das hatte ich witzigerweise bereits 1986 während eines Praktikums bei einem Münchner Autobauer erlebt: Selbst im Blaumann, mit Sicherheitsschuhen, Schweißerbrille und Helm, bleibt man eindeutig eine Frau, die beobachtet wird). Meine Antennen sind übrigens noch heute ausgefahren: In Meetings achte ich nach wie vor darauf, was die einzelnen Frauen tragen. Und ich erfreue mich an dem bunteren Erscheinungsbild - inzwischen bei Männern und Frauen.

2008 wurde ich mal wieder Präzedenzfall - diesmal, weil ich als Geschäftsführerin schwanger wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits im sechsten Jahr in der Geschäftsführungsposition. Im Unternehmen standen Umstrukturierungen auf Vorstandsebene an, die zu deutlichen Weichenstellungen führen sollten. Was tut man im Moment der Neupositionierung idealerweise? Man sammelt Fakten, führt Gespräche, bringt sich in Stellung und ins richtige Licht. Man achtet auf die Verschiebung der Machtverhältnisse und positioniert sich selbst.

Heiß begehrter Platz in der Firmenkrippe

Ich war zu dieser wichtigen Zeit aus geschäftlicher Sicht sicherlich nicht am idealen Ort, sondern im Kreißsaal. Der Wiedereinstieg nach der Geburt musste also neu durchdacht werden, neue Netzwerke mussten gebildet werden, und die Positionierung musste nun in eine bereits geschaffene Struktur passen.

Nach einer dann achtwöchigen Baby-Pause stieg ich stufenweise wieder ein, bis ich innerhalb des Unternehmens eine neue Geschäftsleitungsposition antrat. Unsere Tochter bekam mit sechs Monaten einen heiß begehrten Platz in der Firmenkrippe, was natürlich die Konzentration auf den Wiedereinstieg enorm begünstigte.

Natürlich stellt sich auch bei mir als Mutter die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Viele meiner neuen Kolleginnen und Kollegen und Geschäftspartner wussten lange nicht, dass ich ein Baby habe, da ich wie immer 'normal' funktionierte. Viel reiste, Meetings zu jeder Zeit und open end abhielt und immer ein offenes Ohr hatte. Wie bei vielen anderen erfolgreichen Frauen, die ich kenne, übernimmt bei uns mein Ehemann die Erziehung unserer Tochter. Uns liegt daran, dass einer von uns für sie da ist. Die Familie ist mir so wichtig wie der Job. Ich habe mich übrigens auch gefragt, wie eine weitere Schwangerschaft, eine weitere, wenn auch nur kurze Auszeit meine Karriere wohl beeinflusst hätte.

Ich habe immer schon einen klaren Blick für das gehabt, was ich erreichen will, und die Wege gesucht und getestet, die mich zum Ziel führen. Flexibilität und absolute Disziplin sind meine Begleiter auf dem Weg. Bei all der Strenge und Absolutheit im Job spielt für mich die menschliche Komponente eine große Rolle, Respekt und lebenslanges Lernen. Ich arbeite am liebsten in Teams. Übrigens antwortet meine Tochter auf die Frage, was sie denn mal werden wolle, 'Chefin'."

Protokolliert von Gisela Maria Freisinger

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
stefan211 01.01.2015
1. Window of opportunity
Sie kennen wirklich keinen Mann der eine Möglichkeit Aufzusteigen ablehnen würde? Das kenne ich aber ganz anders. Vermutlich liegt das aber daran, dass ich in einer Entwicklungsabteilung sitze und nicht in der Medienbranche tätig bin. Wir haben zahlreiche Fälle von Kollegen, die um eine Zurückstufung vom ungeliebten Cheffposten zurück zu einem einfachen Entwickler gebeten haben. Manche sind sogar so weit gegangen zu kündigen, weil die Firma nicht den Wunsch erfüllen wollte. Aber vielleicht haben wir ja Glück. Seit kurzem haben wir auch Frauen in der Abteilung. Vielleicht können die sich für die Cheffrollen begeistern.
DMenakker 01.01.2015
2.
Sie hat es begriffen. Leistung, Netzwerke und Leistung. Frau oder Mann ist egal, wobei ein gewisser Pragmatismus männlich sein mag, aber eben unabdingbar ist. Dauernde Selbstreflexion im Sinne von Selbstzweifeln "kann ich das?" sind tödlich. Gibts bei Männern aber genauso und sind dort auch die Megakarrierebremsen. Gut dass sie auch kapiert hat, dass der ganze Unsinn, wie verhalte ich mich als Frau, was ziehe ich an, wie männlich muss ich sein, absoluter Kappes ist, und lediglich dazu dient dass weibliche Berater ihre weiblichen Klienten abzocken. Wenn sie jetzt noch ein bisschen lockerer würde, alles mit ein bisschen mehr Selbstverständlichkeit darstellen würde, könnte der Weg ganz nach oben frei werden.
spontanistin 01.01.2015
3. Was treibt Sie nach oben?
Ehrlicherweise wurde nicht der Einfluss des Mentors beim "Aufstieg" verschwiegen. Was dazu wirklich motiviert hat, wird aber verschwiegen. Und was treibt man denn so da oben, wenn es einen dorthin getrieben hat?
Moridin 01.01.2015
4.
Zitat von stefan211Sie kennen wirklich keinen Mann der eine Möglichkeit Aufzusteigen ablehnen würde? Das kenne ich aber ganz anders. Vermutlich liegt das aber daran, dass ich in einer Entwicklungsabteilung sitze und nicht in der Medienbranche tätig bin. Wir haben zahlreiche Fälle von Kollegen, die um eine Zurückstufung vom ungeliebten Cheffposten zurück zu einem einfachen Entwickler gebeten haben. Manche sind sogar so weit gegangen zu kündigen, weil die Firma nicht den Wunsch erfüllen wollte. Aber vielleicht haben wir ja Glück. Seit kurzem haben wir auch Frauen in der Abteilung. Vielleicht können die sich für die Cheffrollen begeistern.
Dem würde ich im Wesentlichen zustimmen, aber auch innerhalb der "Medien". Ich glaube, dieses Karriere-Gedöns findet nur in ausreichend großen Unternehmen statt - da können dann auch die hingehen, die sowas wollen. Der Rest kann dann in kleineren Unternehmen einfach nur vernünftig arbeiten. Oder sich als Opfer der Karrieristen in einem der größeren Unternehmen verwursten lassen.
Sollu 01.01.2015
5.
Und mal wieder ein Artikel für "die aufstrebende Frau". Ich finde es schon bedenklich, wie unser heutiger Karrierekapitalismus derart auf "schneller, höher, weiter" getrimmt ist. Wer hier (egal welchen Geschlechts) an einer Stelle sagte "hier gefällts mir, genau da bleib' ich", der gilt als Karriereverweigerer, mit dem kann was nicht stimmen, schonmal an Hilfe gedacht? Das ist schon recht bezeichnend für unsere Gesellschaft. Wenn man mit den Leuten redet kommt im Groß zurück "ich möchte noch hier hin, da hin, dort hoch kommen", usw usf. Dass mal jemand beherzt sagt "ich mach das, das macht mir Spaß, das mach ich weiter", sowas ist selten geworden in unserer Zeit. Nichts gegen Karriere im Sinne des Chefposten-Erklimmens. Es ist nur, das verkaufen eben dieser einen Karriereform, die als die einzig wahre verkauft wird.
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