USA Amazon bezahlt Logistikmitarbeiter fürs Twittern

US-Mitarbeiter von Amazon sind von ihrer Arbeit in den Lagerhallen freigestellt worden, um zu twittern. Als Botschafter sollen sie sich positiv über das Unternehmen äußern.

Mitarbeiterin bei Amazon (Archiv)
Getty Images

Mitarbeiterin bei Amazon (Archiv)


Phil schreibt, er und seine Kollegen könnten immer auf die Toilette gehen, wenn sie wollten. Adam erwähnt, dass er seit dem ersten Tag eine Krankenversicherung habe. Und Carol teilt mit, dass sie 15 Dollar pro Stunde verdiene. Seit ein paar Wochen gehören Phil, Adam und Carol zu einer Mannschaft von Amazon-Botschaftern aus den USA.

Normalerweise arbeiten sie in den Logistikzentren des Internetriesen und stellen Waren zusammen. Doch nun wurden sie freigestellt, um in Vollzeit über ihre Erfahrungen an ihrem Arbeitsplatz zu berichten.

Aus der Presseabteilung von Amazon in Deutschland heißt es, die Botschafter seien erfahrene Mitarbeiter. "Weil sie lange genug hier sind, können sie die Fakten anhand persönlicher Erfahrungen teilen", sagte ein Pressesprecher des Unternehmens dem SPIEGEL. Und es sei wichtig, die Öffentlichkeit über das "tatsächliche Arbeitsumfeld" zu informieren. Wie viele Mitarbeiter als Botschafter im Einsatz sind und wie genau sie ausgewählt wurden, verrät Amazon nicht.

Unter den Accounts @amazonFCPhil, @amazonFCAdam und @amazonFCCarol (das FC steht für Fulfillment Center, also Lieferzentrale) beantworten Phil, Adam und Carol nun also die Fragen anderer Nutzer nach den Arbeitsbedingungen, zum Beispiel, wie viele Pausen sie machen können, wie warm es in den Lagerhallen ist und wie viel Geld sie verdienen.

Phil, Adam und Carol sollen offenbar das Image des Onlinehändlers aufpolieren, nachdem immer wieder Nachrichten über schlechte Arbeitsbedingungen und eine schlechte Bezahlung an die Öffentlichkeit drangen, wie auch "The Guardian" berichtet.

Erst vor kurzem hatte sich US-Senator Bernie Sanders für bessere Arbeitsbedingungen der Amazon-Mitarbeiter ausgesprochen: "Ich stehe an der Seite der Amazon-Mitarbeiter, die für angemessene Arbeitsbedingungen und ein anständiges Gehalt kämpfen. Während Jeff Bezos' Reichtum um 275 Millionen Dollar am Tag wächst, haben Amazon-Mitarbeiter Angst, Toilettenpausen zu machen und sind total unterbezahlt", hatte Sanders getwittert.

Auch in Deutschland kam es seit dem Frühsommer 2013 immer wieder zu Streiks, weil der US-Konzern es ablehnt, den Tarifvertrag für die Mitarbeiter anzuerkennen.

kha

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.