Erfolgsgeschichten von Karrierefrauen Raus aus den Kellergewölben der Macht!

Frauen klagen lieber über ihr Karriereelend, als sich nach oben zu kämpfen, findet Personalberaterin Angela Hornberg. Doch so lässt sich die Männerkultur der Chefs nicht ändern, die in den Bordell-Skandalen von Volkswagen und Ergo gipfelte.

Angela Hornberg: Nicht kämpfen wollen? Das ist dämlich!
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Angela Hornberg: Nicht kämpfen wollen? Das ist dämlich!


Zwölf Top-Managerinnen, ein Dutzend Geschichten: Hier zeichnen erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute: Angela Hornberg. Die italienische Volkswirtin war Investmentbankerin in Frankfurt am Main, Berlin und London. Seit 2002 ist sie Personalberaterin auf den Top-Etagen der europäischen Wirtschaft.

"Zugebeben, manchmal nerven mich die Männer. Gerade weil ich sie liebe. Und manchmal nerven mich die Frauen. Gerade weil ich gern eine Frau bin. Ich habe Freude an Lippenstift, an hohen Absätzen, an schönen Kleidern. Und ich genieße Macht und Erfolg. Das ist nicht ungewöhnlich: Ich bin eine italienische Frau. Und Italienerinnen lieben Bellezza und Grandezza, aber auch beruflichen Erfolg und Selbstbestimmung. Das gilt sicher auch für Französinnen, Spanierinnen, Engländerinnen und - wer weiß?! - insgeheim wohl auch für die deutschen Frauen.

Überall auf der Welt genießen es Frauen, wenn Männer uns Blumensträuße überreichen, zum Essen einladen, in den Mantel helfen und die Tür aufhalten. Und die Männer genießen es, all das zu tun. Doch hierzulande klingen die Diskussionen, als ob ein unterschwelliger Geschlechterkampf die Begegnung von Männern und Frauen in der Arbeitswelt nahezu unmöglich macht.

Ja, es nervt: Statt sich nach der Arbeit herauszuputzen und uns in eine Cocktailbar einzuladen, streifen die Herren die (meist ohnehin lieblos gebundene) Krawatte ab und trinken in einsamer Männerrunde ein Feierabendbier.

Und die Damen schleichen in flachen Tretern durch die Kellergewölbe der Macht und weinen sich in Frauennetzwerken ihr Elend vor, statt mit hohen Absätzen entschlossen auf- und vor allem einzutreten: für eine angemessene Wertschätzung ihrer Klugheit und Schönheit, ihrer strategischen Weitsicht und ihrer taktischen Raffinesse, ihrer Entschlossenheit und Durchsetzungskraft, ihrer Disziplin und Kraft.

Nicht kämpfen wollen? Das ist dämlich!

Kämpfen mit Charme, mit Humor, mit Beharrlichkeit? 'Nein, kämpfen kann und will ich nicht', höre ich ständig. Das ist dämlich, im wahrsten Sinne des Wortes!

Im Gegenzug soll einer der mächtigsten deutschen Manager zur Frauenquote gesagt haben, Aufsichtsräte seien 'keine Kaffeekränzchen'. Stimmt, aber sie sind auch kein bierseliger Skatabend. In dem obersten Kontrollgremium von Kapitalgesellschaften geht es um sehr nüchterne Dinge: um Bilanzen und Abschlüsse, um Strategien und Positionen. Hier muss der Vorstand eines Unternehmens sein Vorgehen mit den Interessen von Anteilseignern und Arbeitnehmern abgleichen.

Hier wird ernst und hart verhandelt, manchmal sogar erbittert gestritten. Gelegentlich dringen die Konflikte an die Öffentlichkeit. Dann ahnt man, welche Machtkämpfe sonst hinter verschlossenen Türen ausgefochten werden.

Männer kehren geläutert ins entspannte Büroleben zurück

Eine wie ich verhandelt gern, widerspricht, kann streiten und kann schweigen. 'Die ist so männlich', heißt es dann. Dabei muss selbst das 'Heimchen am Herd' tagtäglich einen verdammten Kampf durchstehen. Das wissen immer mehr Männer, seit sie sich in Elternzeit zumindest für kurze Zeit in den banalen Wahnsinn zwischen Wäsche, Windeln und Wachsmalstiften begeben. Sie kehren geläutert ins entspannte Büroleben zurück, wo der Satz 'bitte nicht stören' von jedem verstanden und akzeptiert wird.

Statt dass sich Männer und Frauen beruflich und menschlich miteinander und spannungsvoll auf neue Ideen bringen, erstickt ein nach Geschlechtern sortiertes Weltbild alle Kreativität: Frauen wollen nicht, Frauen können nicht, heißt es, weswegen Frauen nicht dürfen.

Männer wollen angeblich immer, Männer brauchen, Männer müssen - wenn's sein muss, sterben sie sogar fürs Vaterland. Das Nervigste an solchem Unsinn ist, dass er nicht nur die Frauen unglücklich macht, sondern auch die Männer einfältig. Die Bordell-Skandale aus den Chefetagen von Volkswagen und Ergo waren nur scheinbar die Spitze eines ganz normalen Eisbergs. Nein, in Wirklichkeit waren sie der Bodensatz einer trüben Monokultur-Brühe, in der nur Selbstgefälligkeit und Ignoranz gedeihen können. Solche Dekadenz gefällt den Allerwenigsten, nicht Frauen, nicht Männern.

Die berühmte gläserne Decke besteht aus Angst und Verletzlichkeit: Die Boys trauen sich nicht, die Girls zum Tanz aufzufordern, und die Damen wagen nicht, mal mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Wenn wir alle diese Art von Schüchternheit verlören, könnten wir viel voneinander lernen und noch mehr miteinander auf die Beine stellen!"

Protokolliert von Gisela Maria Freisinger

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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
ItchyDE 24.11.2014
1. Und die nächste
...die sich in der Wirtschaft ach so durchgebissen hat und jetzt "Personalberaterin" ist. Ist das das Ergebnis des Kampfes, der im Artikel beschrieben wird? Oder doch eher das Ergebnis von Resignation?Dabei bin ich ganz klar für mehr Frauen in oberen Führungspositionen. Aber wenn sich hier nur Damen aus der HR-Ecke, die ja schon seit langem eine Frauendomäne ist äußern, wird das nichts. HR ist im Wesentlichen nichts anderes als Kindergarten für Erwachsene. Mit dem Unterschied, dass die "Erzieherinnen" deutlich mehr verdienen als ihre Pendants in der Kita.Wo sind sie, die Top-Informatikerinnen, die Top-Maschinenbauerinnen, die Top-Volkswirtinnen? Lasst die doch mal zu Wort kommen!
trazom2011 24.11.2014
2. Völlig richtig
Bestimmte Dinge sind ohne Kampf nicht zu erreichen. Man kann nicht immer warten, bis andere die Kastanien aus dem Feuer holen und einen gleichstellen. Gleichberechtigung bietet lediglich gleiche Chancen, umsetzen muss man sie schon selbst.
Jamesteakirk 24.11.2014
3. Die üblichen Mythen und Pauschalannahmen
Woher weiß die Dame eigentlich, daß Frauen angeblich genauso scharf auf Chefposten sind wie Männer? Es ist die immer gleiche Leier: Willkürliche Konstruktionen von angeblicher Benachteiligung. Etwas abgewandelt kommt diese Rhetorik daher, wenn den Frauen mangelnder Ehrgeiz vorgeworfen wird. Wir wissen schlicht nicht, welche Ursachen verschiedene Ungleichverteilungen haben. Also sollte man auch mit dieser absurden Gleichheits- und Gleichverteilungsideologie aufhören. Wenn man tatsächliche Widerstände gegen Frauen in Führungspositionen bekämpfen will, sollte man etwas gegen diese Widerstände tun - wenn sie denn vorhanden sind. Es hat totalitäre Züge, wenn gouvernantenhafte Frauenpolitikerinnen sämtliche Ungleichheiten pauschal auf Widerstände und Benachteiligung zurückführen und entsprechende Quoten fordern. Es ist diese Anmaßung, die so wütend macht. Realexistierende Widerstände soll man gerne bekämpfen, das sollte dann aber auch reichen. Echte Mißstände sollen bekämpft werden, keine vermeintlichen, spekulativen. Wann hört dieser totalitäre Quotenwahnsinn endlich auf - fragt sich ein in seiner Männlichkeit verunsicherter Mann, der "rechts" und gegen Gleichberechtigung ist. (Man verzeihe mir diese Verarschung von profeministischen Gender-Akademikern, die gesellschaftlichen Protest gegen die Quote und den Gleichstellungsirrsinn zu "erklären" versuchen.) http://manndat.de
mipez 24.11.2014
4.
Die gute Dame scheint nicht zu wissen, wo Sie ihre Worte verankern soll und wechselt von einem Klischee zum anderen.Vielleicht sollte man mal seine Scheuklappen absetzen und aufhören alles so engstirnig zu sehen? Ach halt, passt ja nicht ins Weltbild.
chefplaner 24.11.2014
5. danke, denn das leben hat mehr zu bieten
danke für diesen schönen Artikel, denn das Leben hat wahrhaft mehr zu bieten als sich hinter vermeintlich einfältigen Gegenbenheiten zu verstecken. Das Leben wird bunter, wenn zu allem steht, was einen ausmacht. und dazu gehört es hart zu verhandeln, vieleicht sogar Spaß daran zu haben, Freude mit und am andere Geschlecht ( oder auch dem gleicheb), mit Leidenschaft für seine Sache einzustehen, es zu genießen, mal die Zügel aus der Hand zu geben, ...habe immer das Gefühl dass hier zu viel Angst herrscht irgendwie aufzufallen, dass alle sich in einer Uniformitat verstecken. das ist so langweilig
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