Berlin Merkel blockt Gleichstellungsbeauftragte ab

Die Bundesregierung hat fast ausschließlich Männer zu Staatssekretären gemacht. Gleichstellungsbehörden sind empört - doch Angela Merkel und Horst Seehofer ignorieren sie.

Angela Merkel mit Horst Seehofer
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Angela Merkel mit Horst Seehofer


Die Gleichstellungsbeauftragten der obersten Bundesbehörden fordern in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel, sich stärker dafür einzusetzen, dass Frauen Spitzenpositionen in den Ministerien bekommen. Der Bundestag ist derzeit so männlich wie nie, und auch bei den Posten der Staatssekretäre sind Frauen meist leerausgegangen, kritisieren die Gleichstellungsbeauftragten. Zunächst hatte "Zeit Online" darüber berichtet.

In einige Ministerien seien "sogar wieder ausschließlich Männer" benannt worden, heißt es in dem Brief an Merkel. Diese Entwicklung sei "fatal". Männer und Frauen müssten in "allen Führungsebenen" gleichgestellt werden. Aktuell sind nur vier von 29 verbeamteten Staatssekretären Frauen. In den Ministerien für Inneres, Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Verteidigung gibt es nicht eine einzige Staatssekretärin.

Der Brief ging bereits vor vier Wochen an Merkel, eine Antwort blieb die Kanzlerin bisher schuldig. Das Bundeskanzleramt soll allerdings bestätigt haben, dass der Brief eingegangen sei und der Bundeskanzlerin vorgelegen habe.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Gleichstellungsbeauftragten bei der neuen Bundesregierung beschweren. Zuletzt traf ihre Kritik Bundesinnenminister Horst Seehofer, der acht Männer als Staatsekretäre berufen hatte und keine einzige Frau, was für Kritik gesorgt hatte.

Laut "Zeit Online" soll sich der CSU-Politiker bei der Besetzung über eine Empfehlung der Gleichstellungsbeauftragten hinweggesetzt haben. Er habe die Personalentscheidungen intensiv abgewogen, gleichwohl habe er sich entschieden, an der Besetzung festzuhalten, heißt es demnach in einem internen Brief. Die Gelichstellungsbeauftragen müssen bei der Besetzung angehört werden, ihre Empfehlung ist jedoch nicht bindend.

Die Besetzung der politischen Spitzenpositionen widerspricht der eigenen Zielsetzung der Bundesregierung. SPD und Union hatten sich im Koalitionsvertrag eigentlich auf eine Gleichstellung von Frauen und Männern in Leitungsfunktionen des öffentlichen Dienstes bis 2025 geeinigt.

koe



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Sonia 25.04.2018
1. Schaut euch in der Welt um
zig Frauen haben Spitzenpositionen ohne irgendwelche Quoten. Frauen um jeden Preis ist genauso schädlich wie Männer um jeden Preis. Ich weiß, ich werde hier gleich medial gesteinigt, aber vielleicht gibt es mal einen Artikel darüber, welche Folgen es für ein Unternehmen haben kann, wenn es nicht darum geht, wer ist am besten qualifiziert und menschlich für eine Position geeignet, sondern auf jeden Fall sind Quoten einzuhalten. Frau van der Leyen gehört aus meiner Sicht wohl zu den negativsten Beispielen. Wenn eine Frau so richtig was drauf hat, umgangssprachlich formuliert, dann schafft sie es in höchste Positionen ohne jegliche Quoten.
Emderfriese 25.04.2018
2. Dienste
Was wollen die eigentlich? Bisher war doch "die Sekretärin" eine Domäne der Frauen! Jeder Chef hatte eine. Oder sogar zwei. Warum sollen jetzt nicht auch mal Männer als Sekretäre Kaffee kochen, das Büro aufräumen und auch sonst zu Diensten sein? ;-)
Gmorker 25.04.2018
3. Gleichstellung ist nicht gleiche Anzahl
Mich würde mal interessieren, wie denn die Verteilung in dem Pool der Personen aussieht, die für diese Posten überhaupt in Frage kommen. Wenn bei den Kandidaten für einen Staatssekretär-Posten schon 80% Männer und 20% Frauen sind, dann wäre es unlogisch eine andere Verteilung unter den Posten zu erwarten, das wäre dann nämlich eine klare Benachteiligung der Männer. Gleichstellung bedeutet auch nicht, eine Verteilung von 50:50 mit der Brechstange, sondern es heisst, das bei gleicher Qualifizierung eine gleichmässige Verteilung zwischen männlich und weiblich besetzten Posten zu erreichen ist. Wenn diese gleiche Qualifizierung nicht da ist, weil es schlicht nicht ausreichend Kandidatinnen gibt, die diesen Job machen wollen, dann kann es nicht der richtige Weg sein, die wenigeren Kandidaten trotzdem zu 50% zu befördern, dann hätten die Frauen ja plötzlich wesentlich bessere Aufstiegschancen als die Männer, alles dank einer Quote, die ausser Quantität nichts ansieht. Wenn die Basis der Politiker gleichverteilt 50% Männer und Frauen wären, dann sollte sich mit der Zeit auch ein annähernd 50:50 Verhältnis in allen Führungsetagen durchsetzen, das kann und sollte aber eben nicht mit der Brechstange passieren.
freigeistiger 25.04.2018
4. Kompetenzen vor Geschlecht
Kein Wort über Kompetenzen. Allein das Geschlecht zählt. Wenn jetzt die Anzahl der Männer so groß ist, dann muss Gleichstellungsbeauftragte auch einmal selbstkritisch hinterfragen, was der Grund ist. Schulzertifikate und Geschlecht sind keine ausreichenden Qualifikationen. Auch nicht als Zählkandidatin. __ Heute reden alle von Selbstbestimmtheit und Rechte haben, Niemand über Bildung und Kompetenzen. Dabei ist ein Unizertifikat und Bildung etwas anderes.
biesi61 25.04.2018
5. Wir leben im Jahr 2018!
Ich bin mir sehr sicher, dass es für nahezu jede Staatssekretär-Stelle auch eine geeignete und entsprechend qualifizierte Kandidatin gegeben hat. Aber unsere z.T. für ihre Funktionen erheblich überalterten Minister leben halt noch in einer anderen Zeit.
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