Rüstige Rentnerin App-Entwicklerin mit 82 Jahren

Masako Wakamiya war 60 Jahre alt, als sie sich ihren ersten Computer kaufte. Heute ist sie 82 - und eine der betagtesten App-Entwicklerinnen der Welt. Ihr Spiel für Senioren begeistert auch Apple-Chef Tim Cook.

Masako Wakamiya
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Masako Wakamiya


Auf Apples Entwicklerkonferenz WWDC geht es um Software und Tools für Programmierer, das Durchschnittsalter der Teilnehmer liegt um die 30 Jahre. Masako Wakamiya hat es in diesem Juni angehoben. Sie war mit 82 Jahren die Älteste.

Drei Monate habe sie gebraucht, bis sie verstanden habe, wie das Internet funktioniert, sagt sie rückblickend über ihren Start im World Wide Web in den Neunzigerjahren. "Mein Gesicht war nass von Tränen und Schweiß", so sehr habe sie sich gefreut, als sie endlich ihre erste Online-Nachricht bekam, erzählt Wakamiya in einem Video auf YouTube, das sie bei einer Tech-Konferenz in Tokio zeigt. "Der Computer hat mir Flügel verliehen."

Das Internet ermöglichte ihr, sich mit anderen auszutauschen, ohne die pflegebedürftige Mutter alleinzulassen. Doch eines störte die pensionierte Bankkauffrau gewaltig: Es gab kaum Programme oder Anleitungen für Senioren.

Das einzig halbwegs Spannende sei ein Buch über Excel gewesen, sagt sie. Also studierte sie das - und fing an, mit dem Programm japanische Strickmuster digital nachzubauen. "Excel ist Kunst", sagt sie.

Ihre neu gewonnenen Erfahrungen schrieb sie nieder als Gebrauchsanweisungen für Computer. Und dann brachte sie sich das Programmieren bei.

In nur sechs Monaten entwickelte sie "Hinadan", eine Spiele-App für Ältere. Die Nutzer müssen Zierpuppen in traditionellen japanischen Kostümen in eine bestimmte Reihenfolge bringen. Inspiriert ist das Spiel vom japanischen Puppenfest Hina-Matsuri, das jedes Jahr im März gefeiert wird.

Wakamiya zeigt die von ihr entwickelte App "Hinadan"
AFP

Wakamiya zeigt die von ihr entwickelte App "Hinadan"

Das Spiel ist besonders für Ältere geeignet, weil es sich leicht bedienen lässt. "Ich habe beim Programmieren berücksichtigt, dass ältere Leute ihr Hör- und Sehvermögen verlieren, und dass sie ihre Finger womöglich nicht so gut bewegen können", so Wakamiya.

Bislang ist ihre App nur auf Japanisch erhältlich, doch sogar Apple-Chef Tim Cook interessiert sich für das von ihr entwickelte Spiel. Bei der WWDC trafen die beiden aufeinander, und die japanische Seniorin erklärte Cook, wie sie bei der Entwicklung des Spiels vorgegangen ist. Cook habe sie beglückwünscht und als "Inspirationsquelle" gelobt, erzählt die Seniorin stolz. Und sie habe Großes vor: "Ich habe noch viele Ideen und will neue Apps entwickeln."

koe/AFP



insgesamt 19 Beiträge
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wanderer777 07.08.2017
1. Die Wahrheit...
Leider nennt sich heute jeder "App Entwickler", der mit einer Maus einem 1-Click Baukasten umgehen kann - und das trifft sowohl auf achtjährige, als auch achtzigjährige zu. Wirkliche Programmierkenntnisse? Wer braucht sowas schon. Und dementsprechend grottig sieht mittlerweile leider auch die Qualität der angebotenen Apps aus: uneffiziente Programmierung, Batterie- und Speicherfressend - und oft sogar mit hohem Sicherheitsrisiko.
jufo 07.08.2017
2. Schöne Geschichte
Apps entwickeln ist eine schöne Beschäftigung. Gut wenn Senioren die Scheu davor verlieren, sie haben ja meistens Zeit. Ich gratuliere daher der rüstigen Japanerin. (Auch wenn ich den Artikel für etwas geschönt halte ;-) )
brucewillisdoesit 08.08.2017
3.
Zitat von wanderer777Leider nennt sich heute jeder "App Entwickler", der mit einer Maus einem 1-Click Baukasten umgehen kann - und das trifft sowohl auf achtjährige, als auch achtzigjährige zu. Wirkliche Programmierkenntnisse? Wer braucht sowas schon. Und dementsprechend grottig sieht mittlerweile leider auch die Qualität der angebotenen Apps aus: uneffiziente Programmierung, Batterie- und Speicherfressend - und oft sogar mit hohem Sicherheitsrisiko.
Nah, Angst um die eigenen Pfründe weil andere auch irgendwie Software produzieren ? Vermutlich wird sie nicht Software der Komplexität von OS360, Windows oder dem Oracle RDBMS entwickeln. Na und ? Sofern es auch nur die Anforderungen eines einzigen Nutzers trifft und es ihr Spass macht, ist doch alles ok, oder ? Meiner subjektiven Erfahrung nach können auch zahllose Entwickler, die damit irgendwie Ihren Lebensunterhalt verdienen nicht vernünftig programmieren. Das gilt insbesondere für jene, die sich etwas darauf einbilden, wie toll sie doch sind und aus pseudo-intellektuellem Selbstbeglückungsverlangen immer neue Abstraktionslayer einziehen, so das der Code am Ende vollkommen unwartbar und durch die ganzen Hierarchien vor allem extrem unperformant ist, dafür aber die 3-fache Entwicklungszeit benötigt, wie geplant. Derartige Typen verschwenden danach auch gerne Unmengen an Entwicklungszeit auf Laufzeitoptimierung ihrer produzierten Module, ohne überhaupt zu wissen, wo der Bottleneck der Applikation liegt. Nicht das theoretische Überlegungen architektonischer Art grundsätzlich irrelevant sind, aber primär ist erst mal wichtig, das überhaupt Code produziert wird, der die (functionmal & non-functional) Requirements fehlerfrei erfüllt. Der Rest kommt in der Priorität danach, vergessen die meisten "ich bin so ein geiler Entwickler"-Typen leider meistens.
enchiriadis 08.08.2017
4. Eine andere Wahrheit...
Zitat von wanderer777Leider nennt sich heute jeder "App Entwickler", der mit einer Maus einem 1-Click Baukasten umgehen kann - und das trifft sowohl auf achtjährige, als auch achtzigjährige zu. Wirkliche Programmierkenntnisse? Wer braucht sowas schon. Und dementsprechend grottig sieht mittlerweile leider auch die Qualität der angebotenen Apps aus: uneffiziente Programmierung, Batterie- und Speicherfressend - und oft sogar mit hohem Sicherheitsrisiko.
Nun gut, sich ein völlig neues und komplexes Wissensgebiet anzueignen, aus eigener Kraft; ausgehend von einer Tabellenkalkulation sich die Grundkoordinaten der Programmierung beizubringen - sei‘s mit oder ohne „1-Click-Baukasten“, scheint mir per se und unabhängig vom Alter eine bemerkenswerte Leistung. Dass jemand im Alter von 82 über Monate hinweg, im absoluten Neuland, diese Frustrationstoleranz und geistige Fokussierung aufzubringen vermag, ist faszinierend. Demgegenüber gibt es selbstverständlich noch die ganz Großen unter uns. Die Genies. Die, deren reines Sein die Welt zu einem besseren Platz erhebt. Guck mal, zum Beispiel soll es Typen geben, die mit Vokabeln wie „grottig“ oder „wer braucht sowas schon“ undifferenziert gegen die Arbeit anderer ätzen. Selbstverständlich, ohne diese Arbeiten im Einzelnen zu kennen oder sich drauf zu beziehen. Der pauschale Hinweis auf die Apps von „Acht- wie Achtzigjährigen“ ist kongruent mit dem umfassenden Horizont des Denkers. DAS wahrlich ist eine Leistung, die mir, schon aufgrund der subtilen Wortwahl, respektvolle Verbeugungen abnötigt. Wenn Großgeister wie du eines Tages 80 plus geworden sind, stehen uns sicherlich wahre Wunder bevor, kognitiv wie kommunikativ. Die Leistung, den Knopf für‘s Zimmer-TV zumindest nicht mehr jedes Mal mit dem für die Klo-Hilfe zu verwechseln, wäre beispielsweise ein Schritt, der spätestens im zweiten Pflegeheimjahr zu erwarten wäre. Aus Sicht des Pflegepersonals bestimmt ein echter Mehrwert.
Addams 08.08.2017
5. Ach kommen Sie...
Zitat von wanderer777Leider nennt sich heute jeder "App Entwickler", der mit einer Maus einem 1-Click Baukasten umgehen kann - und das trifft sowohl auf achtjährige, als auch achtzigjährige zu. Wirkliche Programmierkenntnisse? Wer braucht sowas schon. Und dementsprechend grottig sieht mittlerweile leider auch die Qualität der angebotenen Apps aus: uneffiziente Programmierung, Batterie- und Speicherfressend - und oft sogar mit hohem Sicherheitsrisiko.
... heutzutage nennt sich jedes Geschäft, das Convenience-Teige aus Massenbetrieben zu Backwaren verarbeitet, Bäckerei, Betriebe mit "Austausch-Mechanikern" Autowerkstatt etc. Das Zeichen der Zeit ist halt Redundanz. Dass jetzt auch die diesem Prozeß zum Opfer fallen, die in der Vergangenheit fleißig daran mitgearbeitet haben, hat eine Spur von Tragikkomik. Daher verzeihen Sie: Mein Mitleid hält sich doch arg in Grenzen. Davon abgesehen, bin ich von der betagten App-Entwicklerin geradezu fasziniert. Sie zeigt sehr anschaulich, dass ein produktives Leben jenseits der von unserer Gesellschaft vermittelten "Produktivphase" zwischen 18 und 45 Jahren nicht nur möglich sondern auch erstrebenswert ist. Da kann man auch mal geflissentlich über Neider, die einem den Titel absprechen wollen hinwegsehen.
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