Atypische Arbeitszeiten 25 Prozent der Beschäftigten arbeiten am Wochenende

Woche ohne Ende statt Wochenende: Jeder vierte Beschäftigte muss regelmäßig samstags oder sonntags arbeiten. Auch abends oder nachts müssen viele Arbeitnehmer ran.

Krankenschwester auf der Intensivstation (Symbolbild)
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Krankenschwester auf der Intensivstation (Symbolbild)


Arbeiten im Schichtdienst, nachts oder am Wochenende gilt eigentlich als "atypische Arbeitszeit". Für Millionen Arbeitnehmer in Deutschland ist das aber der Normalfall. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor.

Arbeiten am Wochenende

Jeder vierte Beschäftigte muss demnach regelmäßig am Wochenende ran: Neun Millionen der gut 37 Millionen abhängigen Beschäftigten arbeiten damit an jedem oder zumindest an zwei Wochenenden pro Monat.

Am stärksten betroffen sind die Beschäftigten im Gastgewerbe: Von ihnen müssen laut Bundesregierung 62 Prozent am Wochenende arbeiten. Gleiches galt für 47 Prozent der Beschäftigten in Kunst, Unterhaltung und Erholung sowie 39 Prozent im Handel und in Autowerkstätten.

Arbeiten an Sonn- und Feiertagen

Jeder zehnte Beschäftigte arbeitet laut Bundesregierung an Sonn- und/ oder Feiertagen. Das sind 4,7 Millionen Beschäftigte, die an jedem oder mindestens an zwei Sonn- oder Feiertagen in den letzten vier Wochen vor der Befragung gearbeitet hatten. Hier sind vor allem Angestellte im Gesundheits- und Sozialwesen betroffen: 31 Prozent von ihnen mussten an Sonn- und Feiertagen am Arbeitsplatz erscheinen.

Schichtdienst

Jeder siebte Beschäftigte arbeitet in Schicht. Demnach sind es 5,2 Millionen Beschäftigte, die an jedem Arbeitstag oder an mindestens der Hälfte der Arbeitstage in den letzten vier Wochen im Schichtdienst war.

Abend- und Nachtdienst

Knapp jeder Fünfte arbeitet abends und 5,2 Prozent nachts. Die Zahl der regelmäßig abends Beschäftigten liegt damit bei 6,8 Millionen Menschen, in der Nacht sind es zwei Millionen Arbeitnehmer.

Überlange Arbeitszeiten

1,6 Millionen Beschäftigte arbeiten 49 Stunden oder mehr in der Woche.

Atypische Arbeitszeiten bergen gesundheitliche Risiken, mahnt Linken-Politikerin Susanne Ferschl, die die Anfrage gestellt hat. Schichtarbeiter klagen demnach häufiger über Schlafstörungen, Rücken- und Kreuzschmerzen und körperliche Erschöpfung. Beschäftigte, die am Wochenende arbeiten, berichten häufig von Müdigkeit und Rückenschmerzen.

Diejenigen, die Überstunden leisten, klagen durchgängig häufiger über körperliche und psychische Beschwerden, so Ferschl. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin steigt das Unfallrisiko nach der achten Arbeitsstunde zudem stark an.

Die Bundesregierung bezieht ihre Daten aus dem Mikrozensus. Dieser änderte im vergangenen Jahr die Frageweise, weshalb die neuen Zahlen mit den alten nur noch eingeschränkt vergleichbar sind.

sun/AFP



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Duffy73 15.11.2018
1.
Viele Angestellte im Gastgewerbe arbeiten oft an Wochenenden, Schichtarbeiter auch nachts. Da bin ich jetzt aber doch überrascht... wer hätte das gedacht.
bloßmolwassage 15.11.2018
2. Ohne
Wochenendarbeit und jahrzehntelangem Urlaubsverzicht hätte ich mein bescheidenes EFH nach fast 40 Jahren bis heute nicht bezahlt. Ist eben so, wenn man nichts erbt.
chris25ca 15.11.2018
3. Schichtarbeit und Zeitumstellung
5,2 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in Schichtarbeit und müssen ihren Tagesrhythmus mindestens ein Mal pro Woche um 8 Stunden umstellen. Aber die Politik kümmert sich um die 2,6 Mio. Hypochonder, die in Deutschland die halbjährliche Zeitumstellung um 1 Stunde nicht verkraften! Mir fällt nichts mehr ein, außer vielleicht: geht's noch?
mucki007 15.11.2018
4. Was soll das ?
Ist ja voll die Überraschung. Hätte ich nicht gedacht, wenn ich am Wochende ins Restaurant gehe, dass da tatsächlich jemand arbeitet und mir leckeres Essen kocht. Oder wenn mir am Wochende schwindelig wird, gibt es auch Menschen die sich um mich kümmern und mich medizinisch versorgen. Auch wenn's brennt, kommt tatsächlich auch am Sonntag die Feuerwehr. Das ist einfach unglaublich. Aber vielleicht können die Gewerkschaften was dagegen unternehem. Spaß beiseite: Natürlich gibt es gibt es bestimmte Berufe, die für uns alle und um die Uhr da sind. Es geht nun mal bei Feuerwehren, Polizei, Medizin, usw. nun mal nicht anders. Wir alle können diesen Menschen, die anderen rund um die Uhr helfen nur sehr dankbar sein und hoffen, dass Sie entsprechend entlohnt werden.
mens 16.11.2018
5. Staat pennt
Und was ist, wenn die ZUSÄTZLICHE Mehrarbeit (!) am Wochenende gar nicht ausgeglichen oder vergütet wird, geschweige denn dafür Sozialabgaben geleistet werden? In vielen coolen Werbeagenturen und Medienberufen z.B. wird das den Angestellten wie selbstverständlich abverlangt. Diese Kombination aus Körperverletzung, Verstoß gegen Arbeitsrecht und Steuerbetrug interessiert die zuständigen Stellen jedoch gar nicht. Sehr eigenartig...
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