Sonntagsdienste Diese Rechte haben Arbeitnehmer

"Am siebten Tag sollst du ruhen", stand schon im Alten Testament. Längst nicht jeder hält sich daran: Immer mehr Beschäftigte müssen sonn- und feiertags arbeiten. Doch es gibt gesetzliche Grenzen.

Ackern, wenn andere abschalten: Rettungsschwimmer müssen sonntags arbeiten
DPA

Ackern, wenn andere abschalten: Rettungsschwimmer müssen sonntags arbeiten


Sonntags ausschlafen, in Ruhe frühstücken und mal nicht an die Arbeit denken - darauf freut sich so mancher sechs Tage in der Woche. Doch viele Deutsche müssen auch dann arbeiten, wenn andere die Füße hochlegen: Mehr als jeder vierte Erwerbstätige arbeitet nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts auch sonn- oder feiertags. Und die Tendenz ist steigend - 1995 musste nur jeder Fünfte an solchen Ruhetagen ran.

Doch der Arbeitgeber darf Mitarbeiter nicht grenzenlos einspannen. Welche Regeln Angestellte und Chefs bei der Sonntagsarbeit beachten müssen, sagt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Heidelberg und Mitglied im Vorstand des Deutschen Anwaltvereins.

Kann der Chef bei jedem Sonn- und Feiertagsarbeit anordnen?

Nein. Grundsätzlich darf laut dem Arbeitszeitgesetz an Sonn- und Feiertagen überhaupt nicht gearbeitet werden (Paragraf 9). Laut dem Gesetz gibt es aber zahlreiche Ausnahmen. So ist Sonn- und Feiertagsarbeit erlaubt, wenn Mitarbeiter etwa in Gaststätten, Krankenhäusern, in der Landwirtschaft oder bei Verkehrsbetrieben arbeiten. Möglicherweise hat der Arbeitgeber auch eine behördliche Ausnahmeregelung. Ob das der Fall ist, kann der Angestellte etwa beim Betriebsrat nachfragen.

Gibt es dabei Obergrenzen?

Ist die Sonn- und Feiertagsarbeit in der Branche grundsätzlich erlaubt, dürfen Chefs ihre Mitarbeiter nicht grenzenlos einsetzen. Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen beschäftigungsfrei bleiben (Paragraf 11). Bei den Feiertagsdiensten gibt es keine Obergrenze.

Haben Beschäftigte Anspruch auf Sonn- und Feiertagszuschläge?

Grundsätzlich nicht. Ein entsprechender Zuschlag kann aber im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt sein. Ist dort nichts zu finden, gibt es auch nicht mehr Gehalt.

Darf der Chef die Dienste in der Abteilung ungleich verteilen?

Der Arbeitgeber muss abwägen. Der Grundsatz ist zwar, dass er alle Mitarbeiter gleich behandeln muss. Davon gibt es allerdings Ausnahmen. Hat jemand etwa Familie oder pflegt er einen Angehörigen, darf der Chef ihn bei den Sonn- und Feiertagsdiensten entlasten. Ein Kollege muss dann unter Umständen mehr arbeiten.

dpa/ant

insgesamt 22 Beiträge
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spon-facebook-10000084939 31.05.2014
1.
de facto hat der arbeitnehmer keinerlei rechte, ausser das er 15 sonntage frei hat. keine weiteren ansprüche. der arbeitgeber hat also fast freie hand. ja wahnsinn.
nemensis_01 31.05.2014
2. Sonntagsarbeit
müsste Pflicht werden. Und zwar ohne Lohn. Nur für das wohl und wehe des Dienstherrn. Damit der weiter den schönen Arbeitsplatz sicherstellt. Was denkt sich dieser Arbeiter- und Angestelltenpöbel eigentlich? Diese Leute glauben wohl, eine Firma stellt sie gerne ein? Nein. Sie sind nur ein Kostenfaktor, also können sie ruhig jeden Sonntag umsonst arbeiten, damit sie etwas beitragen. Also, Initiative Sonntags umsonst jetzt!
aktiverbeobachter 31.05.2014
3. optional
Naja, es ist für den AG für SozVersPflichtig Angestellte in Branchen die üblicherweise nicht Sonntags arbeiten doch sehr aufwendig Sonntags Arbeit tatsächlich genehmigt zu bekommen. Diese muss sowohl vom Betriebsrat und auch dem Gewerbeaufsichtsamt im Vorfeld genehmigt sein. Und dazu bestehen nur wenige, gesetzlich sehr genau geregelte Fälle. Die Rechte liegen hier also ganz klar beim Arbeitnehmer.
zwitschack 31.05.2014
4.
Tja so ist das halt. In den anderen Ländern sieht es nicht anders aus, bzw. zum Teil noch viel schlimmer. Und dieses ständige gebashe gegen die CDU nervt langsam extrem. Hätte die SPD gewonnen würde es auch nicht anders aussehen. Oder wen soll man denn sonst wählen? Eine der kleinen Parteien, die, wenn sie soviel Macht hätte, total überfordert damit wäre? Die sind doch überhaupt nicht in der Lage mit den paar Hanseln eine halbwegs vernünftig funktionierende Regierung aufzustellen.
kira1615 31.05.2014
5. Sonntagsarbeit
Also mal ganz ehrlich: Ob ich jetzt Samstag, Sonntag oder Feiertag arbeite ist mir egal. Ich hab dafür meine freien Tage unter der Woche. Ich weiß gar nicht, was die Diskussion um diesen heiligen Sonntag soll. Mein Wochenende heißt z.B. Mittwoch/Donnerstag und für die Feiertage an denen ich arbeite erhalte ich einen Tag Urlaub gutgeschrieben. Gehts mir jetzt schlechter, weil ich nicht am Sonntag in die Kirche gehen kann? Nein, denn dahin wär ich eh nicht gegangen.
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