Arbeiten an Weihnachten "Liebe Einsame, ihr seid nicht allein"

Protokolle: Marie-Charlotte Maas und

2. Teil: Kuscheldecken für Unterkuschelte - Angie Herzog, 36, ist Teleshopping-Moderatorin


Sarah Hansen

Angie Herzog moderiert an Heiligabend auf QVC die Sendungen "QVC Schmuck-Outlet" und "Mikrofaser zum Wohlfühlen"

"Ich werde an Heiligabend zwei Stunden live auf Sendung sein. Letztes Jahr habe ich auch an Weihnachten gearbeitet, das war sehr nett. Für viele Stammzuschauer gehören wir ja zur Familie - das merkt man gerade an den Feiertagen. In jeder Sendung bekommen wir Anrufe durchgestellt, manchmal will uns jemand nur frohe Weihnachten wünschen.

Ob die Leute kurz vor der Bescherung nichts anderes zu tun haben? Manche schauen unsere Sendungen zum Beispiel, während sie die letzten Vorbereitungen treffen und Geschenke einpacken. Für andere ist Weihnachten gar kein Grund zur Freude. Sie sind allein, erwarten keinen Besuch - und sind an Heiligabend deshalb traurig oder melancholisch. Ich versuche, allen gerecht zu werden. Ich möchte meinen Zuschauern sagen: Hi, ihr seid nicht allein, wir sind auch hier!

Im vergangenen Jahr hat eine Frau angerufen und mir dafür gedankt, dass ich auch an die Menschen denke, denen es nicht so gutgeht. Ihr Partner war gestorben, es war ihr erstes Weihnachtsfest allein. Die Anrufe sind wie Leserbriefe. Ich weiß vorher nicht, was die Zuschauer sagen wollen.

Meist sind sie sehr wohlwollend. Wenn es einmal ein Problem gibt, versuchen wir, das noch während der Sendung zu lösen. Das ist ja auch das Spannende an der Live-Moderation: Es gibt keinen vorgegebenen Text zum Ablesen. Das hat mich am Teleshopping schon immer fasziniert.

Der Produzent ist der kleine Mann im Ohr

Die Sachen, die ich an Heiligabend verkaufe, schaue ich mir erst am Tag vorher an. Wir haben eine strenge Qualitätskontrolle, da muss ich mir keine Sorgen machen. Es geht eher darum, ein Gefühl mit dem Produkt zu verbinden. Wenn ich eine Bettwäsche verkaufe, steckt zum Beispiel die Sehnsucht nach gutem Schlaf dahinter. Und eine kuschelige Decke ist vielleicht etwas für jemanden, der sich unterkuschelt fühlt.

Für jedes Produkt wird die Dauer der Präsentation und der erhoffte Mindestumsatz pro Minute festgelegt. Damit wir alles in Ruhe besprechen können, muss ich als Moderatorin schon drei Stunden vor Sendungsbeginn im Studio sein. Je nachdem, wie sich der Artikel verkauft, wird reagiert: Im Ohr habe ich einen kleinen Knopf, darüber teilt mir der Produzent seine Planung mit. Dass ich an Weihnachten zwei Outlet-Sendungen moderiere, heißt nicht, dass ich da Ladenhüter verkaufe. Die Sachen kommen aus dem Lager, sind aber keine Restposten.

Ich bin jetzt seit sieben Jahren bei QVC und habe rund 5000 Stunden live moderiert. Trotzdem bin ich vor jeder Sendung aufgeregt, man weiß ja nie, was passiert. Auf die Moderation an Heiligabend freue ich mich, mehr noch auf das Fest mit meiner Familie danach. Weil ich arbeiten muss, bin ich von allen Vorbereitungen befreit und darf einfach nur genießen." (vet)

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fiutare 24.12.2011
1. ????
"Sie schieben Gänse für Tausende Gäste in die Röhre, verhökern Kuscheldecken oder blinzeln in die Polarsonne: Rund 1,3 Millionen Deutsche malochen regelmäßig an Sonn- und Feiertagen." Ach, was für eine Neuigkeit! Hat jemand "Krankenhaus" gesagt? Dort wird an Weihnachten sogar nachts gearbeitet, wenn die Gänse gefressen und für Kuscheldecken irgendwelche blöde Käufer gefunden sind. Dort wurde sogar schon gearbeitet, als es diesen ganzen Überfluss noch nicht gab.
Narn 24.12.2011
2.
Zitat von sysopSie schieben Gänse für 2000 Gäste in die Röhre, verhökern Kuscheldecken oder blinzeln in die Polarsonne:*Sechs Weihnachtsarbeiter mit besonderen Jobs erzählen, was bei ihnen Heiligabend los ist - und wie Loriots "Familie Hoppenstedt"*in die Antarktis fand. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,805175,00.html
"Arbeiten, wenn andere Geschenke auspacken, die Weihnachtsgans anschneiden oder den geschmückten Tannenbaum bewundern - keine schöne Vorstellung." Ganz ehrlich: DOCH! Diesem ganzen Firlefanz und diesem Theater mit der simplen Begründung, Arbeiten zu müssen, entkommen. Ein Traum. Aber wenigstens Familie Hoppenstedt steht mir bei. Cheers
stanislaus2 24.12.2011
3. Angst vorm Alleinsein
haben nur die, die nicht mit sich selbst allein sein können.
moin8smann 25.12.2011
4. Was soll dieser Artikel?
Was soll dieser Artikel? Warum schreiben Sie nicht über Leute im Pflegedienst, die auch Heiligabend zu ihren "Kunden" müssen und da als Familienersatz dienen? Oder über Krankenschwestern? Not-Apothekern? Leuten bei McDonalds? Oder Tankstellen? Polizisten oder Feuerwehrleuten? Zu wenig Glamour?
Thomas Mainka 25.12.2011
5. Alles Gute
für die Menschen, die unser Leben möglich machen. Die da sind, wenn wir uns am Heiligen abend den Arm brechen oder es schneit wie verrückt. auch die unsichtbaren, die für Strom, Gas, Wasser usw. sorgen. Ich wünsche diesen Menschen ein Frohes Weihnachten, ein guten Rutsch und sage DANKE. Thomas Mainka
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