Managerin auf den Malediven Arbeiten im Paradies

Feiner Sand, türkisfarbenes Meer: Die Berlinerin Anica Roch arbeitet auf der winzigen Malediven-Insel Mirihi. Wie lebt es sich, wo andere Luxusurlaub machen?

Laura Engels

Aufgezeichnet von Laura Engels


Fast drei Monate Paradies waren erst mal genug - dann musste ich runter von der Insel. Für eine Nacht bin ich von Mirihi auf die Hauptinsel Malé geflogen, die in 30 Minuten mit dem Wasserflugzeug zu erreichen ist. Ich habe mir die Stadt angesehen, war einkaufen und bei der Bank.

Mirihi ist mit 350 mal 50 Metern eine der kleinsten Inseln der Malediven, hier gibt es keinen Supermarkt, ich kann mir nicht mal eben was kochen, Freunde treffen oder in den Pub gehen. Wer gemütlich läuft, umrundet die Insel in zehn Minuten. Die nächstgelegene Insel ist Rangali, fünf Kilometer nordwestlich - ebenfalls eine Hotelinsel.

Mirihi ist ein Urlaubsparadies: feiner weißer Sand, türkisfarbenes Wasser und Hängematten zwischen den Palmen. Es gibt 37 Gästevillen, zwei Restaurants, eine Bar, eine Weinbar, mehrere Apartments für die 157 Mitarbeiter des 5-Sterne-Resorts und einen kleinen Fußballplatz. Die meisten Mitarbeiter schnorcheln oder tauchen in ihrer Freizeit.

In Berlin wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, aber hier habe ich schon meinen dritten Tauchschein gemacht. An freien Tagen oder in meiner Nachmittagspause versuche ich immer, einen Trainingstauchgang einzulegen.

Front Office Manager Anica Roch, 26: Seit acht Monaten auf Mirihi
Laura Engels

Front Office Manager Anica Roch, 26: Seit acht Monaten auf Mirihi

Meine Arbeitszeiten hängen stark davon ab, wann unsere Gäste an- und abreisen, weil wir sie immer persönlich begrüßen und verabschieden. Als Front Office Managerin gehöre ich zum oberen Management und bin für Rezeption, Gästebetreuung und unsere Boutique zuständig. In den acht Monaten, die ich nun hier bin, habe ich einige Freunde gefunden. Aber ich glaube, wenn man nicht auf Managerebene arbeitet, entstehen Freundschaften leichter.

Monopoly auf der Dachterrasse

Von unseren Mitarbeitern sind 60 Prozent Einheimische, außerdem kommen viele aus Sri Lanka, Bangladesch und Indien, und dann gibt es noch ein paar Europäer. Manchmal treffen wir uns nach Feierabend an der Bar, spielen eine Runde Monopoly oder setzen uns auf die Dachterrasse. Die Manager dürfen auch mal ein Feierabendbier in der Hotelbar trinken, im Personalbereich ist Alkohol komplett verboten - schließlich sind wir in einem muslimischen Land und die Malediver dürfen keinen Alkohol konsumieren.

Ich achte darauf, wie ich mich kleide: nicht zu kurz und kein zu tiefer Ausschnitt.

Bei der wöchentlichen Kinonacht laufen meistens Bollywood-Filme - nicht mein Fall, aber schon okay. Wir sind hier Gastarbeiter, wir haben nicht den Anspruch, dass es nach europäischen Regeln laufen muss.

In Deutschland oder in der Schweiz, wo ich vier Jahre gearbeitet habe, zählen Pünktlichkeit und schnelle Arbeitsabläufe. Hier ist alles etwas ruhiger, entspannter.

Trauminsel Mirihi: In zehn Minuten einmal rum
Laura Engels

Trauminsel Mirihi: In zehn Minuten einmal rum

Wenn wir etwas ändern - wie etwa das Gewicht von jedem einzelnen Gepäckstück auf dem jeweiligen Anhänger zu notieren - kann es schon sein, dass man fünfmal erinnern und nachhaken muss, bis es funktioniert. Auch die Wünsche unserer Kunden sind nicht immer einfach zu erfüllen - gerade, wenn sie etwas vergessen haben, was auf der Insel nicht vorrätig ist, wie Tampons oder eine Pinzette. In der Stadt kann man das im Supermarkt besorgen, hier muss man es einfliegen.

Als Kind träumte ich von einem Job in der Mordkommission oder bei der Bundeswehr. Aber als ich mit 16 Jahren ein erstes Praktikum hinter mir hatte, wusste ich: Das will ich machen. Ich habe in Berlin Hotelfachfrau gelernt und nach meiner Ausbildung in der Schweiz an verschiedenen Orten erst an der Rezeption gearbeitet, später als Schichtleiterin und in der Reservierungsabteilung. Nebenbei habe ich ein Hotelmanagement-Fernstudium gemacht - und von der Ferne geträumt.

Der Job auf Mirihi war auf einer deutschen Plattform im Internet ausgeschrieben, das Bewerbungsgespräch hatte ich per Skype. Einen Tag später kam die Zusage. Der Verdienst ist etwas höher als in Deutschland. Der größte Unterschied ist aber, dass ich Unterkunft und Verpflegung gestellt bekomme. Und ein Auto braucht man ja nicht.

Vor einem Jahr das letzte Mal gekocht

Die Kosten für die An- und Abreise werden einmal übernommen. Die Kosten für Heimflüge im Urlaub müssen wir selbst tragen. Für uns Mitarbeiter gelten im Wasserflugzeug zwar spezielle Preise, aber wir bekommen nur Plätze nach Verfügbarkeit. Da kann es schon mal passieren, dass wir auf der Rückreise am Flughafen in Malé länger warten müssen. Wenn wir von Mirihi aus internationale Flieger bekommen müssen, funktioniert das aber.

Ich habe 30 Tage Urlaub im Jahr und jede Woche einen Tag frei. Die meisten Kollegen sammeln ihre freien Tage, um alle zwei Monate nach Hause zu ihren Familien zu fliegen.

Seit ich hier arbeite, war ich eine Woche in Thailand im Urlaub und nach einem halben Jahr das erste Mal zu Hause. Mit "zu Hause" meine ich Berlin und die Schweiz. Berlin ist meine Heimat. Doch die meisten meiner Freunde wohnen rund um Zürich.

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Kulturschock: Arbeiten in fremden Welten
Was ich auf Mirihi vermisse, hole ich im Urlaub nach: Freunde treffen, ins Café oder Kino gehen. Am allermeisten vermisse ich aber, selber zu kochen - in den Supermarkt gehen, die Zutaten zusammensuchen, einen gemütlichen Abend mit Freunden verbringen. Es ist fast ein Jahr her, dass ich etwas gekocht habe. Auch in meinem Urlaub habe ich das leider nicht geschafft. Aber ich war selbst erstaunt, wie sehr ich mich über die Stille gefreut habe, als ich wieder zurück auf der Insel war.

Ich bin jemand, der immer Hummeln im Hintern hat, aber solange es mir hier gefällt, bleibe ich. Mein Arbeitsvertrag ist unbefristet. Wenn ich hier mal weggehe, dann wieder in eine Stadt - vielleicht Europa. Für immer nach Deutschland zurückzukehren, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.

  • Laura Engels (Jahrgang 1983) hat nach ihrem Studium volontiert und als Redakteurin gearbeitet. Jetzt schreibt sie als freie Journalistin aus dem Ruhrgebiet vor allem über Themen aus Kultur und Gesellschaft.
  • Ihre Website: engels-presse.de
Kulturschock

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insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
Wayne2000 18.02.2016
1. Arbeiten wo andere Urlaub machen
kann der Horror sein. Ich weiß wovon ich rede. Gibt es sicher Abstufungen. Aber Malediven? Da würde ich es schon als Urlauber nicht länger als 2 Wochen aushalten...
wirdschon 18.02.2016
2. Wirklich, Wayne2000?
Schorcheln, Tauchen, Baden, Windsurfen, Kayak fahren, Fussball spielen, die Sonne geniessen, mit Walhaien schwimmen, niemals Schuhe tragen, Buecher lesen...Die Malediven allgemein und Mirihi insbesondere sind toll. Und nein, ich mache keine Promo, sondern ich berichte lediglich von meinem Urlaub.
baumisms 18.02.2016
3. Mir kommt das auch irgendwie wie ein Luxusgefängnis vor.
Ich bekäme nach wenigen Wochen Klaustrophobie. Und wenn ich einmal alle Fische besucht hätte, die dort schwimmen, wäre mir vermutlich stinklangweilig.
cabeza_cuadrada 18.02.2016
4. keine Frage, ist toll
Zitat von wirdschonSchorcheln, Tauchen, Baden, Windsurfen, Kayak fahren, Fussball spielen, die Sonne geniessen, mit Walhaien schwimmen, niemals Schuhe tragen, Buecher lesen...Die Malediven allgemein und Mirihi insbesondere sind toll. Und nein, ich mache keine Promo, sondern ich berichte lediglich von meinem Urlaub.
Aber ich kann mir nicht vorstellen dort zu leben. Aber das gilt , wie gesagt , nur für mich. Kenne auch Reiseleiter die in solchen Regionen mal ein Jahr waren, nochmal wollte das keiner machen. Es ist einfach öde auf die Dauer, aber wer es mag....
jupp78 18.02.2016
5. Für kein Geld der Welt
Für kein Geld der Welt würde ich dort arbeiten. Zwei Wochen Urlaub dort machen ist sicher schön, dann ist aber auch gut. Wenn man nicht grade tauchverrückt ist, gehen einem dort doch sehr schnell die Beschäftigungsmöglichkeiten aus. Nicht umsonst schreibt sie hier, dass die Kollegen lieber keine Tage frei machen und sich diese Tage aufsparen für Orte, wo sie mit der Zeit etwas anzufangen wissen.
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