Arbeitslose Ingenieure Wir wurden aussortiert

Protokolle: und Eva-Maria Hommel

2. Teil: Elektroingenieur und arbeitslos - "Nicht so gern jemanden, der ihnen reinreden könnte"


Schröder: "Die meisten Arbeitgeber hätten wohl gern Leute, die nicht so teuer sind"

Schröder: "Die meisten Arbeitgeber hätten wohl gern Leute, die nicht so teuer sind"

Ingolf Schröder, 55, droht nächstes Jahr Hartz IV

"Ich habe Ingenieur für Elektrotechnik gelernt, bin dann aber in die IT abgewandert. Das geht natürlich, schließlich habe ich während meines Studiums auch programmiert. Bei meinem letzten Arbeitgeber habe ich die Datenbanken betreut und gepflegt, mit denen der Mitarbeitereinsatz geplant wurde.

Im Juli 2010 hat dann die amerikanische Mutter unsere Niederlassung geschlossen. 140 Ingenieure wurden auf einen Schlag auf die Straße gesetzt, viele haben schnell was gefunden. Und ich machte mir erst auch keine großen Sorgen. Man hört ja immer vom Fachkräftemangel, da habe ich gedacht, ich dürfte schnell unterkommen, ohne allzu weit umziehen zu müssen.

Aber Fehlanzeige. Ich bewerbe mich und bekomme Absagen und bewerbe mich und bekomme Absagen. Das geht jetzt seit einem Jahr so, im nächsten Jahr würde mir Hartz IV drohen, dann müsste ich wirklich von der Substanz leben. Die wenigsten Firmen laden mich zum Gespräch ein, und wenn, dann ist es bisher auch negativ ausgegangen. Dabei sind meine fachlichen Referenzen alle gut, das sagt sogar der Fallmanager bei der Agentur für Arbeit. Ich unterstelle mal, es liegt am Alter. Man hört ja, dass manche Firmen schon keine Über-50-Jährigen mehr in ihren Reihen haben.

Die meisten Arbeitgeber hätten wohl gern Leute, die nicht so teuer sind und vielleicht auch etwas zurückhaltender und leichter zu führen. Ein gestandener Ingenieur mit 20 Jahren Berufserfahrung lässt sich nicht so schnell was anordnen, wenn er die Sache skeptisch sieht. Chefs wollen eben nicht so gern jemanden, der ihnen reinreden könnte."

(bk)

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