Deutscher Arbeitsmarkt Frauen stellen nur knapp jede dritte Führungskraft

Sie bekommen weniger Geld und seltener Führungsjobs - eine neue Auswertung zeigt, wie langsam sich die Lage von Frauen am Arbeitsmarkt bessert. Der Rat der Statistiker: Augen auf bei der Berufswahl!

Managerin im Betrieb (Symbolbild)
Getty Images/ Caiaimage

Managerin im Betrieb (Symbolbild)


In Deutschland gibt es deutlich weniger Frauen in Führungspositionen als Männer: Knapp jeder dritte Chefposten ist von einer Frau besetzt. Der Anteil ist seit Jahren weitgehend konstant und hat sich auch nach einer neuen Auswertung von Arbeitsmarktdaten des Statistischen Bundesamts kaum verändert.

Demnach lag der Frauenanteil unter den Führungskräften in Deutschland im Jahr 2017 bei 29,2 Prozent. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren betrug er 26,6 Prozent. Frauen sind den Angaben zufolge auch immer noch seltener berufstätig als Männer. Ihr Anteil an allen Erwerbstätigen lag 2017 bei 46,5 Prozent. Zwanzig Jahre zuvor waren es 42,9 Prozent gewesen.

Wie hoch der Anteil weiblicher Führungskräfte war, hing 2017 den Angaben zufolge allerdings stark von der Branche ab - und vom Alter:

  • Im Bereich Erziehung und Unterricht sowie im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiteten den Statistikern zufolge deutlich mehr Frauen in Führungspositionen als Männer - der Anteil lag jeweils bei mehr als 60 Prozent. In diesen Branchen ist der Frauenanteil unter den Erwerbstätigen insgesamt höher.
  • Besonders wenige weibliche Führungskräfte gab es mit 11 Prozent im Baugewerbe und in der Industrie mit 16,9 Prozent.
  • In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen war der Anteil an Frauen in Führungspositionen deutlich höher als im Durchschnitt: 36,8 Prozent. In der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen lag er bei 27,7 Prozent.

Zu Führungskräften rechnen die Statistiker die Geschäftsführung von Unternehmen, die Bereichsleitung großer Unternehmen sowie leitende Positionen im Verwaltungsdienst. Eine solche Führungsposition hatten 2017 den Angaben zufolge 4,6 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland.

Die Zahlen sind Teil einer umfangreichen Datensammlung mit verschiedenen Aspekten zur Qualität der Arbeit, die das Statistische Bundesamt mit teils unveröffentlichten und teils bekannten Daten aufbereitet hat. Zu den insgesamt sieben Bereichen zählen unter anderem Arbeitssicherheit und Gleichstellung, Arbeitszeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Beschäftigungssicherheit.

Unterschiede in Verdienst und Karrierewegen

Zur Gesamtsituation der Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt stellten die Statistiker fest: Frauen würden sich bei der Berufswahl immer noch häufig auf ein begrenztes Spektrum an Tätigkeiten festlegen. Die Folge: "Mit der frauen- und männertypischen Berufswahl sind häufig Unterschiede im Verdienst und in den Karriereverläufen verknüpft."

Frauen verdienen demnach seit Jahren weniger Geld als Männer. Seit dem Jahr 2002 sei der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern fast konstant geblieben, teilen die Statistiker mit. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen lag 2017 demnach um 21 Prozent niedriger als der Verdienst von Männern. Die Unterschiede seien in Westdeutschland und Berlin mit 22 Prozent höher ausgefallen als in Ostdeutschland.

Jobsharing in Führungspositionen: Ein Fall für zwei
  • SPIEGEL ONLINE
    Zwei Professorinnen leiten zusammen einen Lehrstuhl, zwei Managerinnen teilen sich eine Führungsposition bei der Deutschen Bahn. Funktioniert Jobsharing bei Chefs?

Am größten seien die Gehaltsunterschiede im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung gewesen, sowie bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen - jeweils etwas mehr als 30 Prozent. Auch im Handel sowie bei der Instandhaltung und Autoreparatur, wo traditionell Männer stärker vertreten sind als Frauen, waren die Verdienstunterschiede hoch. In keinem einzigen Wirtschaftszweig hätten Frauen mehr Einkommen als Männer.

Mehr Menschen haben einen Nebenjob

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Der Anteil der Beschäftigten, die neben ihrem eigentlichen Beruf noch einen Nebenjob haben, steigt. Im Jahr 2017 übten 5,4 Prozent aller Erwerbstätigen mindestens eine weitere Tätigkeit aus. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil den Angaben zufolge noch bei 3,7 Prozent.

Mit 5,9 Prozent gingen Frauen im Jahr 2017 häufiger einem weiteren Job nach als Männer (4,9 Prozent). Als Grund dafür vermuten die Statistiker, dass Mehrfachbeschäftigungen häufiger bei Teilzeitangestellten vorkommen. Und bei denen ist, wenig überraschend, der Frauenanteil höher.

fok/AFP

insgesamt 123 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
funkstörung 24.09.2018
1. schleier
ich behaupte mal bei der angeblichen ungleichheit in bezug auf die bezahlung von ca. 20 % handelt es sich nicht um eine reale größe sondern um eine ideologische. bei der beamtenbesoldung gibt es keinen unterschied in der bezahlung von männern und frauen. ebensowenig im öffentlichen dienst, da wird nach tarif bezahlt. und selbstständige frauen und männer verdienen eben das was sie verdienen. und das die aldi-kassiererin weniger bekommt als der aldi-kassierer halte ich auch für ein gerücht. wie man da einen unterschied von ca. 20 % errechnen will ist mir schleicherhaft.
ilikebooks 24.09.2018
2. Ich hoffe unsere Tochter
Wird es später nicht in ein frauendominiertes Arbeitsfeld ziehen. Ich hoffe, sie begeistert sich für irgendwas technisches, womit sie genug Geld verdienen kann um ein unabhängiges Leben zu führen. Ich hoffe das nicht nur, ich werde ihr sogar dringend dazu raten.
joshuaschneebaum 24.09.2018
3. Überschriften
Die Überschrift könnte auch anders lauten: "Frauen stellen schon jede dritte Führungskraft" Für einen Historiker ist doch ein halbes Jahrhundert Entwicklung zur Gleichbehandlung nach Jahrtausenden der Ungleichheit keine lange Zeit. Also von Null auf über 30 Prozent, das ist doch eine gute Quote.
harald441 24.09.2018
4. Bitte mal klarstellen:
Welchen nachweislichen und wirtschaftlichen Mehrwert bringt es, wenn die Anzahl der Frauen in Führungspositionen erhöht wird, und erhöht werden muß er ja nur deswegen, weil es viele von alleine und aus eigenem Antrieb sonst gar nicht schaffen. Also: Was ist der nachgewiesene wirtschaftliche Nutzen?
k999 24.09.2018
5. 30% bedeutet Parität
Wenn man die Teilzeitquoten von Frauen (ca. 50%) und Mönnern (ca. 13%) einkalkuliert und bedenkt, das man idR aus einer Teilzeitstelle nur selten zur Führungskraft aufsteigt (egal ob als Mann oder als Frau), dann kommt man schon rein rechnerisch in die Nähe von 30% wenn ansonsten absolute Parität herrscht. Daher ist die im Artikel angegebene Quote ein Zeichen, das Frauen bzgl. Führungspositionen gleichbehandelt werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.