Arbeitsmarktstudie Darum haben Migrantenkinder schlechtere Jobchancen

Die Herkunft entscheidet: Kinder von Migranten haben auf dem deutschen Arbeitsmarkt massive Probleme. Eine neue Studie zeigt, woran das liegt.

Auszubildender in Erfurt
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Auszubildender in Erfurt


Kinder von Migranten haben in Deutschland deutlich schlechtere Jobchancen als Gleichaltrige ohne ausländische Wurzeln. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) lag der Anteil der Erwerbstätigen bei den 25- bis 44-Jährigen mit Migrationshintergrund im Jahr 2017 bei 72,3 Prozent.

Das sind rund 15 Punkte weniger als bei Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund (87,2 Prozent), wie die "Rheinische Post" berichtet. Überproportional viele 18- bis 20-Jährige mit Migrationshintergrund verfolgten demnach weder einen akademischen noch einen beruflichen Bildungsweg.

"Das erklärt sich vorwiegend mit deren relativ niedrigem Bildungsstand und mit Lücken bei den Deutschkenntnissen", schreiben die Forscher in ihrem Bericht. Denn auch Jugendliche, die in Deutschland geboren oder im Kindesalter zugewandert sind, erreichen am Ende ihrer Bildungslaufbahn "oftmals nicht das gleiche Bildungsniveau wie Personen ohne Migrationshintergrund".

Der Befund erstaunt auch die Forscher - denn die Familien mit Migrationshintergrund haben häufig sogar besonders hohe Bildungsziele und Ambitionen für ihre Kinder. "Dennoch sind diese im deutschen Bildungssystem weniger erfolgreich als andere Kinder", heißt es in dem Bericht. Dafür gebe es vor allem strukturelle Ursachen.

Die größten Hürden:

  • Schon im Vorschulalter gebe es "Rückstände bei der Kompetenzentwicklung, die sich in der weiteren Bildungslaufbahn noch verstärken", analysieren die Forscher. Eine gezielte frühkindliche Förderung sei eine mögliche Gegenmaßnahme.
  • Dem steht allerdings entgegen, dass Kinder mit Migrationshintergrund erst vergleichsweise spät eine Betreuungseinrichtung besuchen. Selbst wenn in der Kita eine gute Förderung angeboten wird, erreicht sie damit nicht rechtzeitig alle betroffenen Familien.
  • Probleme gibt es darüber hinaus auch nach der Einschulung: "Auch die Schulen schöpfen ihre Potenziale zur Förderung der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund derzeit noch nicht aus", kritisieren die Forscher.

Zudem sind Menschen mit Migrationshintergrund häufiger von Armut bedroht: 2017 hatten 14 Prozent von ihnen ein Einkommen unterhalb der Armutsrisikoschwelle. Das ist mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Migrationshintergrund (6,1 Prozent).

Die Autoren des Berichts empfehlen deutlich mehr gesellschaftliche und politische Anstrengungen, um Kinder aus Migrantenfamilien früher in die frühkindliche Bildung einzubeziehen. So könnten mangelnde Sprachkenntnisse besser bekämpft werden.

him/dpa

insgesamt 29 Beiträge
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MiguelD.Muriana 19.12.2018
1. Verschwiegen
werden neben den genannten Problemen, dass bereits in den Schulen Kinder mit ausländischen Namen schlechter bewertet werden als solche mit „normalen“ Namen. Das setzt sich bei der Jobsuche fort. Identische Bewerbungen nur mit „fremd“ klingenden Namen erhalten signifikant weniger Einladungen zu einem Vorstellungsgespräch. Das ist die Kehrseite der hier genannten Probleme. Alle Probleme müssen aufgezeigt und gelöst werden, auch im Interesse der deutschen Kevins, Mandys etc. Interessant wäre daher auch ein Vergleich mit deutschen Kindern aus Anteilig den gleichen sozialen Schichten und damit auch der Vergleich der Bildungschancen der jeweiligen sozialen Schichten, die in Deutschland sehr ungleich verteilt sind. Da drückt nämlich durch das jahrelange Kaputtsparen der Schuh am meisten...
rubraton 19.12.2018
2. aaaaaach neeee...
... wer hätte denn damit rechnen können, dass ein großer Teil an Migranten als billige Arbeitskräfte verheizt werden, bzw überhaupt auf dem Arbeitsmarkt Chancen haben ? Lieben Dank an unsere Politik und in erster Linie an Angela Merkel. Meine Tochter hat mir 14 Jahren mehr gesunden Menschenverstand und hat früh gelernt das nur die Bevölkerung Geld bringen welche auch in die Kasse einzahlen. Wir haben mehrere Jahre in unterschiedlichen Länder und Kulturen gelebt und haben hautnah erlebt wie hoch die Arbeitsmotivationen in unterschiedlichen Kulturen sind ... dem ist nichts hinzuzufügen.
leseoma 19.12.2018
3. Bereitschaft zum Lernen kann man nicht erzwingen.
Es ist die Pflicht der Eltern, ihre Kinder so früh wie möglich in Bildungseinrichtungen zu geben, damit ihnen keine Möglichkeit verbaut wird. Wenn sie das - warum auch immer- ablehnen, ist das nicht die Schuld der Gesellschaft.
andere Hobbys 19.12.2018
4. Immer sind die anderen schuld.
Und Migrationshintergrund ist nicht gleich Migrationshintergrund. Wer das dt. Schulsystem eben nicht mit Erfolg durchläuft, hat eben auch auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen. Dann ist das eben so. Das hat auch viel mit Eigenverantwortung zu tun, wie gut ich in der Schule bin. Wenn die Schulzimmertür geschlossen ist und der Lehrer unterrichtet, haben alle dieselbe Chance etwas daraus zu machen. Ich kann das Gejammere über Herkunft usw. nicht mehr hören.
K:F 19.12.2018
5. Herkunft entscheidet
Das ist nicht nur bei Migrantenkindern so, sondern auch bei in Deutschland geborenen Kindern. Kndern aus bildungsfernen Elternhäusern bleibt der soziale Aufstieg in Deutschland verwehrt. Da gibt es genügend Studien drüber. Wieso sollte das bei Migrantenkindern anders sein.
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