So geht Arbeit Wann der Chef Ihre E-Mails lesen darf

Dürfen Sie Ihren Dienst-PC auch privat nutzen? Das ist praktisch, macht das Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber aber nicht unbedingt einfacher.

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Sie haben ein Problem:

Erst hatten Sie Urlaub, dann wurden Sie krank, und zwar gleich für mehrere Wochen. Nun sind Sie an den Arbeitsplatz zurückgekehrt und stellen fest: Ihr Abteilungsleiter hat in der langen Abwesenheit ihren Mail-Account geöffnet. Es ging ihm um ein paar dienstliche Mails, die Bearbeitung war eilig. Wie es aussieht, hat er sie ausdrucken lassen, damit Kollegen sich darum kümmern können.

Sie sind empört, schließlich nutzen Sie den Account teils auch privat - das wird in Ihrem Unternehmen auch geduldet. Sie hätten sich nie träumen lassen, dass der Laden einmal in ihren Privatsachen herumschnüffeln würde. Eigentlich war das Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten gut, aber nun sind Sie enttäuscht.

Das ist die Rechtslage:

Verständlich, dass Sie sich aufregen. Eigentlich ist Ihr Account gut geschützt vor den Blicken Ihrer Vorgesetzten: Wenn Sie über die Internetanbindung Ihres Arbeitgebers surfen, dann gilt der Arbeitgeber zunächst einmal als Dienstanbieter, so wie ein Telekomkonzern, der ihren DSL-Anschluss zu Hause betreibt.

Und genau so geht ihn der Inhalt der Kommunikation, die über diesen Dienst läuft, nichts an. Das wäre eine Verletzung des Fernmeldegeheimnisses, für die hohe Strafen vorgesehen sind. Aber: Diese Regel ist an eine Voraussetzung gebunden, und es gibt Ausnahmen.

  • Als Voraussetzung muss in Ihrem Unternehmen die private Nutzung erlaubt oder zumindest geduldet sein. Wenn das Netzwerk ausschließlich für dienstliche Zwecke bereitgestellt wird, haben Sie dort praktisch keine Privatsphäre. (Das ist allerdings immer seltener der Fall.)
  • Bei allen Mischnutzungen wägen die meisten Gerichte inzwischen ab: Zwischen der Privatsphäre des Arbeitnehmers und den Bedürfnissen der Firma. In einem Fall wie Ihrem heißt das: Die Not des Arbeitgebers war so groß, dass er ein Recht hatte, Ihren Mailaccount zu überprüfen. Allerdings muss er dabei einiges beachten: Der Datenschutzbeauftragte des Unternehmens sollte die Aktion überwachen, der Betriebsrat vorher informiert werden.
  • Eine andere Ausnahme ist rechtlich derzeit hochumstritten: Wenn der Arbeitgeber annehmen muss, dass Sie den Dienstrechner auf unerlaubte Weise nutzen, darf er unter bestimmten Umständen dafür auch Beweise sichern. Allerdings muss er erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um an diese Informationen zu kommen. Denn eigentlich dürfen Beweise nicht verwendet werden, die auf rechtswidrige Weise gesammelt wurden. Eigentlich, wie ein Fall aus diesem Jahr zeigt: Ein Chef belegte mit dem Browserverlauf, dass sein Angestellter gegen das Verbot verstieß, die Firmenrechner privat zu nutzen - und bekam Recht.

Worauf müssen Sie achten?

Sorgen Sie immer für klare Verhältnisse, wenn es um private Internetnutzung geht:

  • Finden Sie vorher heraus, ob Ihr Unternehmen dafür eine verbindliche Richtlinie hat. Gibt es ein klares Verbot: Finger weg.
  • Erkundigen Sie sich auch bei Mitarbeitern, wie diese Fragen in der Praxis gehandhabt werden. Setzt eine Firma so ein Verbot nicht durch, kann die private Nutzung als geduldet gelten. Wobei: Klare Verhältnisse sehen eigentlich anders aus.
  • Wenn Sie tatsächlich Ihren dienstlichen Mailaccount auch für Privates nutzen wollen, empfehlen Juristen eine klare Kennzeichnung der Mails. Wenn Sie zum Beispiel in den Betreff jeder privaten Nachricht das Schlüsselwort "PRIVAT" schreiben, ist die Grenze Ihrer Privatsphäre deutlich gezogen. Muss Ihr Arbeitgeber an den Account, darf er diese Nachrichten auf keinen Fall öffnen.
  • Es kann auch dann noch Ärger geben, wenn der Arbeitgeber die private Nutzung seiner Geräte erlaubt. Nämlich dann, wenn Sie einen großen Teil Ihrer Arbeitszeit mit Privatkram vertoben. Im Zweifel ist das Arbeitszeitbetrug, und der Nachweis könnte in so einem Fall auch mit einer Kontrolle des PCs geführt werden - was wohl immer unangenehm ist.

Und sonst so?

Zumindest der Mail-Konflikt lässt sich heute doch eigentlich leicht umgehen. Kostenlose private Mailaccounts bekommen Sie an jeder Ecke des Internets, da muss man nicht mehr mit der Firmenadresse hantieren. Und abrufen können Sie sie ganz leicht mit dem privaten Smartphone.

Natürlich können Sie während der Arbeitszeit nicht andauernd mit Ihrem Handy rumdaddeln, aber ein gelegentlicher Blick ist in den meisten Jobs möglich.

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
dipl.inge83 12.12.2016
1. Arbeit und Privatleben strikt trennen
So mache ich es, und zwar konsequent. Wobei die Vermischung in der Regel vom AG sogar gewünscht ist, Thema ständige Erreichbar UND Verfügbarkeit. Man stößt während der Umsetzung zwar oft auf Unverständnis, auf lange Sicht war es jedoch stets zu meinem Vorteil. Auf mein privates Telefon würde ich trotz Diensthandy niemals verzichten. Private Mails, wie im Artikel, sind heute dank Smartphone doch eh leicht und kurzfristig zu beantworten. Auch um den privat nutzbaren Firmenwagen mache ich nach allen Erfahrungen mit gutem Gewissen einen Bogen.
Lagrange 12.12.2016
2.
Es gibt auch dienstliche Emails, die den Chef nichts angehen. Konversationen mit der Personalabteilung gehören da zum Beispiel dazu. Meine privaten Blablub darf mein Chef gerne lesen, wenn es ihm Spass macht :).
felisconcolor 12.12.2016
3. Bevor
wieder ein was wäre wenn und überhaupt sollte alles verboten werden ausbricht. Ich persönlich halte ein generelles mail und surfverbot am Arbeitsplatz für nicht ok und nicht praktikabel. Gerade wegen der Umsetzung der Überwachung. Jeder Arbeitgeber sollte mit seinen AN eine sinnvolle Lösung erarbeiten und diese über eine Dienst- oder Betriebsvereinbarung abschliessen. Gerade bei Recherchearbeiten am Dienst-PC sind die Grenzen so fliessend, das eine Abgrenzung unmöglich ist. DIe Sache mit den emails hat aber einen besonderen Hintergrund. Richtig ist, das der AG hier als Provider (im rechtlichen Sinne) auftritt und private Mails daher tabu sind. Gleichzeitig ist heute fast jede Firma verpflichtet den geschäftlichen Mailverkehr manipulationssicher für die gesetzlich festgelegten Fristen zu speichern. (ich weiss macht trotzdem kaum eine Firma) Private mails dürfen / sollen hier normalerweise nicht gespeichert werden. Warum dürfen / sollen. Bei einer Buchprüfung durch entsprechende Stellen darf die überprüfende Stelle auch auf den gespeicherten Mailverkehr zugreifen. Und da wäre es vielleicht peinlich wenn gewisse Bestellbestätigungen oder das Schatzimausi dummerweise in den Fokus der Behörden kommt. passiert nun mal. Deswegen immer eine Betriebsvereinbarung abschliessen. Sind dort private Emails verboten hat der AG kein Problem mit der Speicherung. Sind private Emails erlaubt hat der AN mit Unterzeichnung der Vereinbarung der Speicherung seiner privaten mails zugestimmt und ist sich dessen bewusst das diese mails auch von Dritten eingesehen werden können. Existiert keine Vereinbarung kann es für die Firma zu einem rechtlichen und technischen Dilemma führen. Zum Privaten Surfen sei nur soviel gesagt. Sie als AN möchten das ihr Arbeitsplatz PC und die IT Struktur dahinter störungsfrei läuft. Was illusorisches Wunschdenken ist. Der Administrator hat die Aufgabe das Netzwerk am laufen zu halten. Das beinhaltet auch die Einsicht von Logfiles im Störungsfall. Dazu muss der Admin nicht einmal ihren Arbeitsplatz-PC untersuchen. Bedenken sie auch hier die Rechte und Pflichten der beteiligten Personen. Eine generelle Erlaubnis zum privaten Surfen könnte u.a. dazu führen das der Admin im Störungsfall nicht befugt wäre Logfiles auszuwerten und sie in ihrer Arbeit eingeschränkt werden. Ein Verbot des Surfens hat aber auch harte arbeitsrechtliche Folgen bei Nichtbeachtung. Gut für alle Beteiligten wäre ein wohlwollender Konsens zwischen der Firma und den Arbeitsnehmern. Und dem Willen gewisse Dinge doch einfach nur vom heimischen PC aus zu machen ;-). Das verhindert Ärger und Peinlichkeiten. Für alle Beteiligten
upalatus 12.12.2016
4.
Wenn wer krank wird, ist in einer guten Arbeitsstruktur der zweite miteingebundene Kollege zur Stelle, der zumindest über die wichtigsten zeitnahen Abläufe informiert ist und im Notlauf übernehmen kann. Dann muss auch niemand in (in der Regel passwortgeschützten) email-Konten herumgruschern. Der IT-Netzwerkpfleger vor Ort kann das ohne Probleme. Auch ohne hochoffiziellen Anlass..... . Daher die Empfehlung: Niemals, auch wenn es erlaubt ist, Privates über den Arbeitsplatz! Ebenso Austausch mancher sensibler Inhalte innerhalb der Firma nur per verschlossener Hauspost oder direkt erfolgt.
wdiwdi 12.12.2016
5. Multipe Accounts
Eine vernünftige Lösung: Dienstlicher Email-Account nur für dienstliche Belange, so dass da notfalls auch Kollegen und Chefs reinschauen können. Aber geduldeter Zugang zu Internet-Email-Providern wie gmail oder gmx - darüber kann man dringende private Angelegenheiten parallel abwickeln. Es gibt keinen Grund, das in einem Account zu vermengen.
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