Diebstahl im Büro Arbeitgeber haften nicht für gestohlene Wertsachen

Der Rollcontainer aufgebrochen, die persönlichen Wertsachen weg: Ein Krankenhausmitarbeiter wird im Job beklaut. Er verklagt seinen Arbeitgeber auf Schadensersatz - und geht leer aus.

Justitia: Im Berufsleben spielen Gerichte oft eine große Rolle
DPA

Justitia: Im Berufsleben spielen Gerichte oft eine große Rolle


Mitarbeiter sollten es sich zweimal überlegen, ob sie private Wertsachen mit an ihren Arbeitsplatz nehmen. Denn werden diese gestohlen, haftet der Arbeitgeber nicht. Das hat das Landesarbeitsgericht Hamm entschieden (Az.: 18 Sa 1409/15).

In dem verhandelten Fall hatte ein Krankenhausmitarbeiter seinen Arbeitgeber auf Schadenersatz geklagt. Er hatte angeblich Schmuck und Uhren im Wert von 20.000 Euro in einem Rollcontainer in seinem Büro eingeschlossen. Die Wertsachen habe er noch am selben Abend zur Bank in sein Schließfach bringen wollen. Weil er so viel zu tun gehabt habe, habe er dies aber vergessen.

Als er einige Tage später zur Arbeit kam, sei die üblicherweise verschlossene Bürotür offen, der Rollcontainer aufgebrochen und die Wertsachen verschwunden gewesen. Die Bürotür könne nur mit einem Generalschlüssel geöffnet werden, so der Kläger. Sein Arbeitgeber habe nicht dafür Sorge getragen, dass der Schlüssel sicher genug aufbewahrt wurde.

Schon in der ersten Instanz hatte das Arbeitsgericht Herne die Klage des Mannes abgewiesen (5 Ca 965/15). Das Landesarbeitsgericht bestätigte nun diese Entscheidung: Mitarbeiter können den Arbeitgeber nur dann verantwortlich machen, wenn sie die Wertsachen bei der Arbeit zwingend mit sich führen müssen oder sie für ihren Job brauchen.

vet/dpa



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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Malshandir 02.02.2016
1. Fehlurteil
Ganz klares Fehlurteil. Wenn der Arbeitgeber die Büroräume nicht absichert, dann haftet er.
keldana 02.02.2016
2. richtiges Urteil...
auch wenn ich sicher nicht "pro AG" bin, aber das Urteil ist absolut richtig. Egal ob teures Handy, Bargeld oder andere Wertsachen, Sie haben auf der Arbeit nichts zu suchen, bzw. der Besitzer hat eben selbst drauf aufzupassen. Und ob es diesen Schmuck wirklich jemals gegeben hat ?
Manitou-01@gmx.de 02.02.2016
3.
Wenn der AG fahrlässige oder vorsätzliche Beihilfe geleistet hat (keine nachvollziehbarkeit des Zugriffs auf Generalschlüssel), dann ist das ein Fehlurteil. Ob allerdings der Wert der gestohlenen Dinge nachweisbar ist steht auf einem anderen Blatt.
c.r.darwin 02.02.2016
4. Gutes Urteil
Der Arbeitnehmer hat nicht dafür Sorge getragen, daß seine privaten Wertsachen sicher genug aufbewahrt wurden. Zumal es sich dabei um Wertsachen handelt, die offenbar nicht im täglichen Gebrauch stehen. Sollen Arbeitgeber verpflichtet werden, Bankschließfächer zur Verfügung zu stellen, weil jemand eventuell seine Münzsammlung von A nach B transportieren will, und die Möglichkeit besteht, daß er sie vergißt? Ich kann verstehen, daß der Arbeitgeber verdonnert worden wäre, wenn es sich dabei um Sachen gehandelt hätte, die man täglich mitbringt und die man bei der Arbeit nicht bei sich führen darf. Aber Schmuck im Wert von 20000 Euro ist ja wohl exzessive.
werists 02.02.2016
5.
Zitat von MalshandirGanz klares Fehlurteil. Wenn der Arbeitgeber die Büroräume nicht absichert, dann haftet er.
Ganz klar nicht. Das war ein Büro und kein Tresorraum. Private Wertgegenstände in dem Umfang haben da nicht zu suchen.
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