Arbeitsrecht bei Flugverspätungen Gestrandet im Urlaub - das müssen Sie für die Arbeit wissen

Sie hängen wie Tausende Urlauber auf Bali unfreiwillig im Urlaub fest und zu Hause vermisst Sie Ihr Chef schon? Gibt es trotzdem Gehalt, oder droht jetzt eine Abmahnung? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Passagiere vor einer Anzeigetafel am internationalen Flughafen in Denpasar, Bali
AFP

Passagiere vor einer Anzeigetafel am internationalen Flughafen in Denpasar, Bali


Tausende Urlauber hängen wegen der Vulkanasche des Agung auf Bali fest, darunter laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) auch mehr als 5500 deutsche Touristen. Gründe für eine verspätete Rückkehr aus dem Urlaub gibt es viele: Naturkatastrophen oder Fluglotsen-Streiks, eine insolvente Airline oder technische Probleme am Flieger. Was passiert, wenn Berufstätige deswegen nicht rechtzeitig wieder bei der Arbeit sind?

Ich hänge unverschuldet an meinem Urlaubsort fest und kann nicht zur Arbeit. Bekomme ich trotzdem mein Gehalt?

Nein, Sie haben als Arbeitnehmer die Pflicht, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Sind Sie nicht da, gibt es auch kein Entgelt für die versäumte Zeit. Das Risiko liegt in solchen Fällen allein bei Ihnen.

Kann mein Arbeitgeber mich abmahnen oder mir gar kündigen?

"Dafür fehlt in der Regel das Verschulden", sagt Bredereck. Nur ein Pflichtverstoß hat laut dem Fachanwalt arbeitsrechtliche Konsequenzen wie eine Abmahnung oder die Kündigung.

Sie müssen Ihren Arbeitgeber aber in jedem Fall über die Verspätung informieren, und zwar unverzüglich - genau wie bei einer Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit. Denn ein Verstoß gegen die Informationspflicht kann durchaus arbeitsrechtliche Konsequenzen haben, im Wiederholungsfall sogar bis zur Kündigung.

Muss ich bei der Urlaubsbuchung einen Puffer einplanen, um pünktlich zur Arbeit zurück zu sein?

Wenn Sie Ihren Rückflug sehr knapp kalkuliert haben - zum Beispiel Landung Sonntagabend gegen 22 Uhr, Dienstbeginn um 8 Uhr am Montag - ist eine Verspätung eher eigenes Verschulden, so Bredereck. Sie sollten in jedem Fall alles Ihnen Zumutbare getan haben, um den Arbeitsausfall zu vermeiden. Was das ist, hängt allerdings vom Einzelfall ab. Bei einem knapp kalkulierten Puffer etwa ist es Ihnen eher zuzumuten, kostenpflichtig auf einen anderen Flug umzubuchen, um doch noch pünktlich zu kommen.

Lesen Sie hier, welche Rechte und Pflichten Sie bei Verspätungen wegen Schnee und Glatteis haben.

sun/dpa



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
zerr-spiegel 28.11.2017
1. Wenn der Chef in dieser Situation kündigt, ...
Wenn der Chef in dieser Situation kündigt, dann hat er nur einen Grund gesucht. Abmelden sollte man sich natürlich schon, wie auch im Artikel geschrieben.
hisch88 28.11.2017
2. Ich versteh das Problem nicht.
Mit dem Schiff von Bali weg nach Java und weiter mit Bus, Bahn, Taxi nach und über Jakarta raus fliegen nach Deutschland oder EU. Ein Verzögerung von 3-5 Tagen dadurch wird der Arbeitgeber sicher akzeptieren müssen. Nur "Jammern" und den so verlängerten Urlaub auf Bali ausnutzen und das Problem somit aussitzen, seh ich als vernünftigen Kündigungsgrund an. Ob der jeweilige Arbeitgeber das auch durchzieht (Kündigung) ist dessen Sache.
Kanalysiert 28.11.2017
3. Beitrag Nr. 2, ich erkläre gerne, weshalb.
Das Problem ist, dass sich z.B. das nicht Jeder einfach mal eben so leisten kann, einen alternativen Heimreiseweg dann zu bezahlen. Oder denken sie an Kinder, fast undenkbar, wenn die noch klein sind, einen relativ riskanten spontanen Landweg mit den verbundenen Strapazen zu unternehmen. Versetzen sie sich einfach mal objektiv in verschiedene Lebenslagen, dann wird ihnen schnell klar, wieso das nicht zwingend eine Option für Jeden ist.
spon_3501918 28.11.2017
4. @1: Und das macht es warum besser?
Zitat von zerr-spiegelWenn der Chef in dieser Situation kündigt, dann hat er nur einen Grund gesucht. Abmelden sollte man sich natürlich schon, wie auch im Artikel geschrieben.
Und es gibt viele Gründe warum der Chef einen Grund suchen kann. Mitarbeiter zu teuer geworden? Mitarbeiter Ü50? Mitarbeiter hat mal das Wort Betriebsrat in den Mund genommen? Was hilft nun Deine Aussage einem Mitarbeiter?
grommeck 28.11.2017
5. Wer in solchen Fällen kündigt ist als Arbeitgeber keinen
Pfifferling wert. Neuen Arbeitgeber suchen ist die Lösung.
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