Arbeitsrecht Dürfen Eltern bei Hitzefrei auch nach Hause?

Temperaturen über 30 Grad, da geben manche Schulen Hitzefrei und schicken die Kinder nach Hause. Wer kümmert sich dann um die Betreuung? Eltern dürfen sich beim Chef durchaus abmelden, sagt eine Fachfrau - allerdings nicht einfach so.

DPA


Wenn die Schule entscheidet, dass es zu heiß zum Lernen ist, stehen viele berufstätige Eltern vor einem Problem. Die Kinder werden nach Hause geschickt, und ihnen fehlt eine Betreuung. Dürfen sie sich bei ihrem Arbeitgeber dann auch verabschieden und sich um die Kinder kümmern?

"In bestimmten Fällen schon", sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Köln. "Wenn Schulen kurzfristig die Entscheidung treffen, Hitzefrei zu geben, müssen Arbeitgeber berufstätige Eltern im Zweifel unbezahlt freistellen."

Es komme dabei aber darauf an, dass die Schule die Eltern so kurzfristig über den Unterrichtsausfall informiert hat, dass Mütter und Väter nicht so schnell anderweitig eine Kinderbetreuung organisieren können, sagt Oberthür. Diese Regel gelte nicht nur bei Hitzefrei.

Freistellung als letzte Option

Das Recht auf Freistellung hätten Arbeitnehmer immer dann, wenn sie für verhältnismäßig kurze Zeit kurzfristig verhindert seien. "Die klassischen Gründe sind: Kind krank, Oma gestürzt, Eheschließung und Niederkunft der Ehefrau", zählt Oberthür auf.

In allen Fällen stünden Eltern in der Pflicht, so zu organisieren, dass sie trotzdem arbeiten gehen können. Im Fall Hitzefrei bedeutet das: Eltern müssen eine Betreuung suchen. Erst wenn das nicht klappt, können sie beim Arbeitgeber um Freistellung bitten.

Ob es überhaupt Hitzefrei gibt oder nicht und wer darüber bestimmt, ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. "Die Entscheidung liegt bei den Ministerien der Länder", sagt Thorsten Heil, Pressesprecher der Kultusministerkonferenz. "Die können entscheiden, ob sie das Thema landesweit regeln oder den einzelnen Schulen überlassen."

In Baden-Württemberg zum Beispiel entscheiden die Schulleiter. Orientierung biete eine alte, aber nicht mehr verbindliche Verwaltungsvorschrift, heißt es vom Kultusministerium. Darin steht: "Die Außentemperatur beträgt um 10 Uhr mindestens 25 Grad Celsius im Schatten. Hitzefrei gibt es frühestens nach der vierten Stunde vom allgemeinen Unterrichtsbeginn der Schule an gerechnet. Hitzefrei gibt es nicht für die beruflichen Schulen und nicht für die gymnasiale Oberstufe."

lku



insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Pride & Joy 14.09.2016
1. Flächendeckende Kinderbetreuung - quo vadis?
---Zitat--- In allen Fällen stünden Eltern in der Pflicht, so zu organisieren, dass sie trotzdem arbeiten gehen können. ---Zitatende--- Hier geht es zwar um das Thema Arbeitsrecht. Im Grunde ist dies aber ein gesellschaftliches Problem, welches auf die Eltern heruntergebrochen wird. Auch Arbeitgeber sind in der Pflicht für ausreichende Möglichkeiten der Kinderbetreuung zu sorgen. Das ergibt sich schon aus der Fürsorgepflicht. Unter diesem Aspekt kommt diese Thematik eine ganz andere Bedeutung zu.
g_bec 14.09.2016
2. Problem.
Irgendwie kann ich zu diesem Thema so gar kein Problem sehen: Schulkinder sollten doch wohl in der Lage sein: a) den Heimweg selbständig zu finden, b) die Haustür zu öffnen und c) die paar Stunden, bis Mama und Papa nach Hause kommen, alleine klarzukommen. Wo ist hier also ein Problem, das rechtlich beleuchtet werden muss?
gutes_essen 14.09.2016
3.
Zitat von g_becIrgendwie kann ich zu diesem Thema so gar kein Problem sehen: Schulkinder sollten doch wohl in der Lage sein: a) den Heimweg selbständig zu finden, b) die Haustür zu öffnen und c) die paar Stunden, bis Mama und Papa nach Hause kommen, alleine klarzukommen. Wo ist hier also ein Problem, das rechtlich beleuchtet werden muss?
Das sehen nicht nur Sie so. Sicherlich können Sie sich aber vorstellen, dass nicht jedes Kind alleine zurechtkommt. Am Ende möchten die meisten Kinder bei dem schönen Wetter eh lieber draußen rumstrolchen und was erleben. Ob da unbedingt Mama und Papa immer dabei sein müssen... Ich gebe aber auch Pride & Joy -mit Einschränkungen- Recht. Mitarbeiter, die ihre Kinder gut betreut wissen arbeiten. Und müssen nicht unbezahlt freigestellt werden. In größeren Konzernen gibt es Betriebskindergärten ja schon teilweise.
Pride & Joy 14.09.2016
4. Aufsichtspflicht?
Zitat von g_becIrgendwie kann ich zu diesem Thema so gar kein Problem sehen: Schulkinder sollten doch wohl in der Lage sein: a) den Heimweg selbständig zu finden, b) die Haustür zu öffnen und c) die paar Stunden, bis Mama und Papa nach Hause kommen, alleine klarzukommen. Wo ist hier also ein Problem, das rechtlich beleuchtet werden muss?
Kindergärten und Schulen dürfen die Kinder ohne die Gewährleistung von Aufsicht (s.o.) entlassen! Grüße
elibobo 14.09.2016
5. Wenn kurzfristig hitzefrei gegeben wird,
dürften die wenigsten Grundschulkinder einen Schlüssel mit sich führen. Auch später wird in den unteren Klassen der weiterführenden Schulen den Kindern nicht immer prophylaktisch ein Schlüssel mitgegeben. So einfach ist es mit dem Nachhausegehen auch nicht. Und mehrere Stunden alleine zu Hause kann auch nicht jeder Grundschüler. Also nicht nur an die großen Kinder denken...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.