Ausufernde Dienstzeit Jeder Vierte arbeitet an Sonn- und Feiertagen

In Deutschland arbeiten immer mehr Menschen sonntags und an Feiertagen. 2012 war es schon mehr als jeder Vierte, so die Bundesregierung. Seit 1995 ist die Zahl um ein Drittel gestiegen. Besonders betroffen sind Krankenschwestern.

OP-Saal in Hamburg: Traditionell rund um die Uhr
DPA

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11,5 Millionen. So viele Menschen sind im Jahr 2012 an Sonntagen und an Feiertagen zur Arbeit gegangen. Das sind 28,6 Prozent der Beschäftigten - mehr als jeder vierte. Die Zahlen gehen aus einer Stellungnahme der Bundesregierung hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Damit antwortete die Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Die "Saarbrücker Zeitung" hatte zuerst darüber berichtet.

1995 war es noch etwa jeder Fünfte gewesen, der sonntags oder an Feiertagen arbeiten ging. Der Wert lag damals bei 21,4 Prozent, bis 2002 stieg er bereits auf 24,2 Prozent. Aktuell handelt es sich den Angaben zufolge vor allem um Krankenschwestern, Altenpfleger und Köche. Auch Geistliche und Hoteliers tauchen in der Statistik weit oben auf.

Besonders stark habe die Sonn- und Feiertagsarbeit im Wirtschaftsbereich "Handel" zugenommen: Aktuell seien 973.000 Beschäftigte betroffen, im Vergleich zu 1995 ein Anstieg um 69 Prozent. Arbeitszeitexperte Werner Eichhorst vom Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) sprach in der "Saarbrücker Zeitung" vom Trend zu einer "24-Stunden-Gesellschaft", der von den Verbrauchern vorangetrieben werde: "Diesem Trend kann man sich kaum entgegenstellen, denn jeder Arbeitnehmer ist zugleich auch Kunde."

Feste Erholungstage in Gefahr?

"Sonn- und Feiertage sind als Erholungstage zu schützen, so steht es auch im Grundgesetz", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann. "Es ist nicht hinnehmbar, dass die Bundesregierung bei dem Problem der ausufernden Sonn- und Feiertagsarbeit die Hände in den Schoß legt."

In der Stellungnahme der Bundesregierung wird zwischen ständiger, regelmäßiger und gelegentlicher Sonn- und Feiertagsarbeit unterschieden. Ständig und regelmäßig arbeiteten 2012 demnach rund 6 Millionen Menschen, gelegentlich 5,5 Millionen. 1995 lagen diese Zahlen noch bei 4 beziehungsweise 3,8 Millionen.

Die Zahlen schließen auch Selbstständige und Freiberufler mit ein, die laut Bundesregierung "erfahrungsgemäß häufiger als abhängig Beschäftigte an Sonn- und Feiertagen tätig sind" - bei Letzteren liegt der Wert unter einem Viertel.

aar/dpa

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insgesamt 52 Beiträge
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campl3r 08.05.2014
1. lieber sonntags arbeiten..
...und montags frei. Das Modell von festen freien Tagen ist überholt und bringt doch nichts. Sonntage/Feiertage sind verlorene Tage.
rsoell 08.05.2014
2. Am Problem vorbei !
Da die Zahl von Pflegebedürftigen in Zukunft explodieren wird, dürfte auch die Sonntagsarbeit massiv zunehmen. Das ist unvermeidbar. Ein Skandal ist die miese Bezahlung für Sonntags- und Nachtarbeit. In Schweden gibt es 100 % Zuschlag. Zahlen müssten halt die, die werktags in ihren Büros herumsitzen und für die die bloße Vorstellung, in der Nacht oder Sonntags zu arbeiten, Panik auslösen würde. Da aber z.B. Verdi die Interessenvertretung der "Couchpotatoes" ist, hülfe nur eine Gewerkschaft "Pflege".
Gutenmorgenallerseits 08.05.2014
3. Für mich als (nicht reichen!) Arzt
völlig normal! Visiten, Dienste, Notfälle...
tobi1971 08.05.2014
4.
Geistliche beklagen sich über Sonntagsarbeit? Krankenschwestern auch? Da würde ich sagen: Beruf verfehlt. Den Sinn von verkaufsoffenen Sonntagen habe ich allerdings noch nicht verstanden. Da gibt es auch nichts anderes zu kaufen als am Samstag, dafür ist es voller. Danke nein, ohne mich...
kandana 08.05.2014
5. Das Geistliche in der
Statistik weit oben, ist ja nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Feiertage religiöse Hintergründe haben. Auch Sonntagsgottesdienste heißen nicht umsonst so. Die ausufernden Öffnungszeiten, bei denen jeder kleine Supermarkt ja schon bis in die Nacht, sonntags und feiertags geöffnet hat, finde ich lächerlich. Als man nach 18/ 20 Uhr, sonn- und feiertags nur noch an der Tankstelle was kaufen konnte, ist doch auch niemand verhungert.
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