Arbeitszeugnis-Quiz Enträtseln Sie den Geheimcode der Chefs

Die Sprache in Arbeitszeugnissen ist tückisch. Welches Lob ist ehrlich, welches nur eine raffiniert verpackte Ohrfeige? Mit dem Klartext-Test finden Sie heraus, was Ihre Zeugnisse wirklich wert sind.

Erst verschlüsseln, dann enträtseln: Das Arbeitszeugnis, ewige juristische Baustelle
DPA

Erst verschlüsseln, dann enträtseln: Das Arbeitszeugnis, ewige juristische Baustelle

Von


Für Eilige: Spurten Sie hier direkt zum Quiz

KarriereSPIEGEL-Klassiker
Manche Dinge ändern sich (fast) nie: Wie man eine interessante Bewerbung schreibt. Wie man im Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck hinterlässt. Die besten zeitlosen Artikel aus dem KarriereSPIEGEL präsentieren wir Ihnen in loser Folge.

Für Personaler oder Firmenchefs muss man kein übertriebenes Mitgefühl aufbringen. Aber an dieser harten Nuss, die ihnen der Gesetzgeber schenkte, haben sie schwer zu knacken: Die Leistungsbeurteilung eines Angestellten im Arbeitszeugnis soll wahrheitsgemäß und vollständig sein. Einerseits. Sie soll aber auch wohlwollend formuliert sein. Andererseits.

Wie geht das bloß zusammen?

Die naheliegende Fluchtmöglichkeit, einfach gar kein Zeugnis auszustellen, bleibt Arbeitgebern verschlossen - durch den Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis. Denn es ist wichtig für einen Neustart in einer anderen Firma, diese Chance darf niemandem verbaut werden.

Wahrheitsgemäß, aber wohlwollend: kein Problem, sofern ein Chef vom Mitarbeiter ehrlich begeistert ist und ihn in den höchsten Tönen loben möchte. Schwierig wird es bei durchwachsenen oder schlechten Leistungen. Dafür hat sich über Jahrzehnte ein eigener Jargon etabliert. Es ist kein Geheimcode im Sinne eines perfekt entwickelten Regelwerks, so dass man Einzelformulierungen wie in einem Lexikon nachschlagen könnte. Und auch nicht jedes Zeugnis schreibt ein Jargon-Kenner. Aber Experten lesen zwischen den Zeilen leicht heraus, ob ein scheidender Mitarbeiter als echter Firmenleuchtturm gewürdigt wird - oder doch vom Hof gescheucht als fauler, inkompetenter Kretin.

Blumig ist die Sprache in Zeugnissen, doppelbödig, pathetisch. Viele Sätze klingen vordergründig positiv oder gar übertrieben. Aber am Ende umhüllen sie oft doch nur raffiniert verstecktes Gift. Und heimtückische Schein-Komplimente sind bei der Jobsuche die Pest. Zudem beschäftigen sie immer wieder die Arbeitsgerichte.

Im Dschungel der Zeugnisfloskeln finden Mitarbeiter sich meist nur schwer zurecht. So kann die erste Freude über das freundlich formulierte, frisch ausgestellte Arbeitszeugnis schnell in bohrende Zweifel umschlagen. Wie gut kennen Sie sich aus im Gestrüpp mehrdeutiger Botschaften und geschickt getarnter Leerstellen? Wissen Sie, wofür die Floskel "viel Glück" steht oder was die Aussage "An seinen Aufgaben war er sehr interessiert" tatsächlich bedeutet?

Die Lösung des Rätsels ist mitunter verblüffend. Für KarriereSPIEGEL haben die Berater von arbeitszeugnis-bewerten.de einen Test entwickelt. Damit können Sie 15 gängige Aussagen auf ihren wahren Gehalt überprüfen: Wird da ein Überflieger, Mitläufer oder eine Niete beschrieben? Und am Ende verraten wir Ihnen, ob Sie Zeugnis-Anfänger oder Profi sind.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DJ Doena 28.09.2015
1.
Der ganze Schlamassel hat doch erst angefangen, seitdem man nichts mehr negatives im Arbeitszeugnis sagen darf. Als ob der Mitarbeiter dadurch magisch besser wird, als er eigentlich war.
ThomasGB 28.09.2015
2. Die Anwortmöglichkeit,
bei Frage 6, "Wir wollten eigentlich kein Zeugnis ausstellen" ist Käse. Daher kann es auch nie die richtige Anwort auf die Frage sein, denn jeder Arbeitnehmer hat das RECHT ein Zeugnis ausgestellt zu bekommen. "Wir freuen uns ..." würde bedeuten: "Wir sind froh sie bald los zu sein". Richtig kann daher nur Antwort zwei sein, nicht Antwort eins.
yeyo 28.09.2015
3.
Das system der positiven abstufungen hat es nicht nur in die arbeitszeugnisse geschafft sondern auch in die knochen unserer gesellschaft. Wer tacheles redet, ist rebell, wer kritisiert, ein miesepeter. Danke für den weichspüler aus england.
Butenkieler 28.09.2015
4. schwarze Listen
wenn schon keine schlechten Zeugnisse, dann ein Eintrag z.B. in schwarze Listen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und MacPom. Und schon kannste Dich eigentlich nur aufhängen. Gehen sie in die Gosse, aus der sie hervorgekommen sind, war noch das Harmloseste, was mir mein ehemliger Chef an den Kopf warf.
thomas_c 28.09.2015
5. Falsche Auflösung
Bei Frage 14 ("Was heißt… "Wir wünschen ihr für die Zukunft viel Glück.") ist als dritte Antwortmöglichkeiten angegeben: "Wir haben ihren Vertrag vorzeitig gekündigt." Klickt man das an, erscheint aber als Auflösung "Falsch", mit dem Zusatz "Richtig wäre Antwort 3". Aber das IST doch Antwort 3!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.