Unbequemer Beamter Von dauernder Versetzung gefährdet

Seine Vorgesetzten haben den indischen Beamten Ashok Khemka versetzt - zum 45. Mal. Immer wieder deckt er Korruptionsskandale auf. Nun muss er einfache Arbeiten in einem Museum verrichten.

Indischer Beamter Ashok Khemka (2013): zum 45. Mal versetzt, aber angeblich "keinerlei Bestrafung oder Degradierung"
Getty Images

Indischer Beamter Ashok Khemka (2013): zum 45. Mal versetzt, aber angeblich "keinerlei Bestrafung oder Degradierung"


Weil er so unbequem ist, wurde ein Beamter in Indien vor Kurzem zum 45. Mal in 23 Jahren versetzt. Ashok Khemka habe nun eine einfache Arbeit in der Abteilung für Archäologie und Museen des Bundesstaates Haryana bekommen, berichtete der indische Sender NDTV.

Khemka ist in ganz Indien bekannt, weil er in seiner Laufbahn zahlreiche Korruptionsskandale aufgedeckt hat - und dafür von verschiedenen Regierungen immer wieder seines Postens enthoben wurde. Im Internet kursiert eine beeindruckende Liste mit allen Positionen, auf denen er eingesetzt war - und von denen er zum Teil schon nach wenigen Wochen wieder abberufen wurde.

Zuletzt war Khemka Transport-Beauftragter in Haryana. "Wir müssen uns entscheiden zwischen Verkehrssicherheit, Schutz des Gemeingutes und der Umwelt auf der einen Seite und privaten Profiten auf der anderen Seite", twitterte er nach der Übernahme des Postens vor einigen Monaten. Er erklärte, gegen den Lizenzkauf auf dem Schwarzmarkt vorgehen zu wollen.

"Versetzung ist keinerlei Bestrafung"

In der Regierung des Bundesstaats Haryana hat die Versetzung des unbequemen Beamten für Diskussionen gesorgt. Transportminister Ram Bilas Sharma bezeichnete den Vorgang als Routine und rein administrative Entscheidung: "Die Versetzung bedeutet keinerlei Bestrafung oder Degradierung." Gesundheitsminister Anil Vij äußerte dagegen öffentlich seine Unterstützung für den Staatsdiener: "Ich werde noch mal mit meinem Ministerkollegen sprechen", so Vij, "Khmeka hat schließlich ganz im Sinne des Kongresses versucht, die Korruption auszurotten."

Ashok Khemka hatte zuletzt angekündigt, die Namen aller illegalen Profiteure im Transportwesen veröffentlichen zu wollen. Dazu kam es nicht mehr, zum ersten April wurde er erneut versetzt. Nun twitterte er: "Ich habe mir große Mühe gegeben, Korruption zu bekämpfen und Reformen im Transportwesen durchzusetzen, obwohl mein Spielraum sehr begrenzt war und viele Interessengruppen tief involviert waren. Dieser Augenblick ist jetzt sehr schmerzhaft."

him/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kismet56 15.04.2015
1. Wer setzt sich noch für ihn ein?
Der Mann hat meine Hochachtung!!!
in_peius 15.04.2015
2. Ein ehrenwerter Sachwalter, wie mir scheint...
Vielleicht sollte die BRD um seine Versetzung nach Deutschland (ggf. im Rahmen der internationalen Amtshilfe) bitten. Von derartigem Eifer träumen hiesige Beamte allenfalls schlecht...
absinthe 15.04.2015
3. Kompetenter Mann
Ich frage mich, ob es im ganzen Indien einen gibt, der politisch kompetenter als Herr Khemka ist. Eine Schande, dass er keinen höheren Posten bekommt.
rainerson 15.04.2015
4. erinnern wir uns doch
an die Finanzbeamten in brD die wegen ihrer vorschriftsmäßigen Arbeit für Psychisch Krank erklärt wurden. Von einem hochbezahlten Amtsarzt. was wurde eigentlich aus den betroffenen Beamten? Und was wurde aus den politisch Verantwortlichen für diesen Skandal?
Stäffelesrutscher 15.04.2015
5.
Zitat von in_peiusVielleicht sollte die BRD um seine Versetzung nach Deutschland (ggf. im Rahmen der internationalen Amtshilfe) bitten. Von derartigem Eifer träumen hiesige Beamte allenfalls schlecht...
In Hessen wäre er wahrscheinlich nicht bei der Müllabfuhr oder im Archiv, sondern in der Klapse gelandet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.