Ausbildungsabbruch Jeder vierte Azubi will nicht mehr

Fast 150.000 Lehrlinge sind 2016 frühzeitig aus ihrem Ausbildungsvertrag ausgestiegen - ein neuer Höchststand. Einige Berufsgruppen sind davon besonders betroffen, heißt es in einem Zeitungsbericht.

Nachwuchsköche in Wismar (Symbolbild)
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Nachwuchsköche in Wismar (Symbolbild)


Nur drei von vier Lehrlingen, die eine Ausbildung beginnen, halten bis zur Prüfung durch. Damit ist die Abbrecherquote in der Berufsausbildung so hoch wie seit Anfang der Neunzigerjahre nicht mehr, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf den Entwurf für den Berufsbildungsbericht 2018. Der wird vom Bundesbildungsministerium jährlich im April vorgelegt.

Besonders betroffene Berufsgruppen sind Köche, Restaurantfachkräfte oder Friseure - in diesen Jobs schmeißt sogar etwa jeder zweite Azubi hin. Dem Bericht zufolge seien 2016 gut 146.000 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst worden. Damit liege der Anteil der abgebrochenen Ausbildungen bei 25,8 Prozent - ein Wert, der erstmals höher ist als die seit Anfang der Neunzigerjahre üblichen Quoten von 20 bis 25 Prozent.

Am höchsten sei der Anteil der Abbrecher bei angehenden Sicherheitsfachkräften mit 50,6 Prozent, am niedrigsten mit 4,1 Prozent bei Azubis, die Fachangestellte in der Verwaltung werden wollen, heißt es in dem Bericht weiter.

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"Dort, wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch", sagte dazu Elke Hannack, Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). "Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen." Hannack forderte die Bundesregierung deshalb auf, die geplante Mindestvergütung für Azubis zügig durchzusetzen.

him/dpa



insgesamt 133 Beiträge
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observerlbg 04.04.2018
1. Wenn's nur die Vergütung wäre....
Ich war lange selbst Ausbilder und kenne noch viele andere Gründe, den Job hinzuschmeißen. Z.B. erkennt man/frau oft erst nach Monaten, dass einem dieser Job nichts gibt. Ich hatte z.B. ein Lehrling, der in unserer Elektronikbranche nicht klar kam. Er lernte rechtzeitig um in Mechatroniker und arbeitet nun seit Jahren selbstständig und zufrieden als Kfz-Techniker. Und aktuell ist die Situation sehr gut für Azubis, sich rechtzeitig umorientieren zu können, ich gönne es ihnen. Viele Arbeitgeber und Ausbilder sind noch nicht im Hier und Heute angekommen und agieren noch wie vor dreißig Jahren. Wie wollen die so Lehrlinge halten? Ich hatte übrigens mit der Fluktuation weniger Probleme, weil ich diese frühzeitig eingeplant hatte. Wer sich das nicht "antun" will, soll das Ausbilden halt lassen. ist ja immer auch eine finanzielle Frage.
ketzer2000 04.04.2018
2. Nutzlose Statistik
Interessanter als diese Statistik der Abbrecher wäre, wenn man mindestens gleichzeitg erfahren könnte, wie viele Menschen ohne Berufsabschluss sind und ob sich das verschlechtert hat. Dass einige Lehrberufe keinen Lehrling mehr das Leben bestreiten lässt, kann ich grundsätzlich nachvollziehen, allerdings bin ich schon verwundert, warum bei 16-18 Jährigen das Geld nicht ausreicht. Sicherlich nicht für eine eigene Wohnung, aber für ein Leben bei den Eltern allemal.
kenterziege 04.04.2018
3. Die Abbruchquote ist völlig normal
Schon seit Jahren liegt die Abbruchquote bei Lehrlingen weit über 20 %. Sogar in sehr begehrten Berufen, wie dem Kfz-Mechatroniker war sie immer so um 16 - 20 %. Es gab schon vor 25 Jahren umfassende Unzersuchungen für die Gründe. Immer das Gleiche: Überforderung, angebliche Unterforderung, Schwierigkeiten mit dem Ausbilder, Schwierigkeiten in der Berufsschule. Vergleicht man die Abbruchqouten mit denen der Hochschulen, ist das noch gering. Die Bezahlung ist es eher nicht. Manche Berufe mit miesem Image locken mit hohen Ausbildungsvergütungen - das bringt nicht viel. Wir haben eben in der Gesellschaft hohe Wechselstimmung. Ehescheidungen: Über 30 % ! Zunehmend macht sich die sanktionslose Stimmung: " Ich habe keinen Bock mehr..." breit. Und dann sollte man auch die Abbrecher herausziehen, die schon in der Probezeit ausscheiden. Dann war das eben ein Speed-Dating mit der Arbeitswelt!
großwolke 04.04.2018
4. Sogenannte "Ausbildungen"
Sicherheitsfachkraft, Restaurantfachkraft, Verkäufer - was gibt es nicht alles für Berufe, die wohl nur in Deutschland eine mehrjährige Ausbildung zu Niedrigstentgelten rechtfertigen. Dabei handelt es sich oftmals nur um Anlerntätigkeiten, oder Jobs, in denen die formale Qualifikation in relativ kurzen Kursen vermittelt wird, der Rest ist Blähwerk. Klar schmeißen da viele hin, vor allem dann, wenn sie woanders für einen ähnlich niedrig qualifizierten Job als Ungelernte schon ein Stück weit über Mindestlohn bekommen können.
ch@rybdis 04.04.2018
5. Interessant ...
... eine Abbrecherquote von 25 Prozent bei Ausbildungsberufen = eine "Randmeldung". 25 Prozent Abbrecherquote bei der Bundeswehr im Freiwilligen (!!!) Wehrdienst: dramatische Seite-1-Meldung, die Personalpolitik der Bundeswehr wird hinterfragt und die Ressortleitung zum Rücktritt aufgefordert. Schöne Doppelmoral *lol*
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