Azubi 4.0 Wie Digitalisierung die Ausbildung verändert

Ohne Computer geht nichts mehr: Maschinen haben viele Berufe völlig verändert. Doch die Lehrpläne der Berufsschulen hinken noch hinterher.

TMN

Marie Klein macht eine Ausbildung zur Tischlerin. In der Berufsschule lernt die 23-Jährige viel über Holzarten und ihre Bearbeitung, so wie Generationen angehender Tischler vor ihr. Die Arbeit mit CNC-Maschinen wird kaum besprochen - dabei prägen diese per Computer gesteuerten Maschinen ihren Alltag in der Firma.

Die Auszubildende erlebt jeden Tag, was in vielen Branchen passiert: Die Digitalisierung verändert die Arbeit in rasant. Und die Ausbildung an der Berufsschule hält mit den Neuerungen kaum mit.

"Wir gehen davon aus, dass die Ausbildungsberufe sich in den nächsten Jahren stark wandeln werden", sagt Alexander Bickel von der Firma Festo Didactic. Das Unternehmen bietet Lehrmittel für die technische Ausbildung an. Spätestens in fünf Jahren würden durch die Digitalisierung ganz neue Berufsbilder entstehen, meint sie.

Ausbildungen werden komplexer

Schon jetzt ist die Veränderung der Ausbildungsberufe in vollem Gange. Beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) werden zum Beispiel gerade die Inhalte der bestehenden vier IT-Ausbildungen grundlegend überarbeitet. Auch die Ausbildung zum Produktionstechnologe ändert sich: Hier müssen Azubis den Umgang mit untereinander vernetzten Maschinen lernen.

Änderungen könnte es auch in der Ausbildung im Einzelhandel geben. "Es gibt Überlegungen, beim Einzelhandelskaufmann das Qualifikationsfach E-Commerce einzuführen", sagt Sophia Tiemann, Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen.

Was bedeuten die Umbrüche für Jugendliche? "Ausbildungen werden in Zukunft viel interdisziplinärer sein, als sie es heute sind", glaubt Bickel. Vom BIBB heißt es, die Ausbildungen würden komplexer, aber gleichzeitig würden viele Aufgaben auch einfacher, weil Maschinen sie erledigen.

Marie Klein hatte bis zur Ausbildung mit Computern nicht viel am Hut. "Es ist schon ganz schön kompliziert", sagt sie. "Doch dann habe ich mich reingefuchst, und dann geht es auch."

fok/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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wauz 23.03.2016
1. Deutschland, deine Schulen...
Das Problem stellt sich nicht erst seit jetzt. Das zieht sich durch. Ein Mitschüler von mir war im Schüleraustausch in den USA. Auf einer Highschool. Da haben die schon Textverarbeitung auf Computern gemacht. Nein, keine PCs, die gab es noch nicht. In Deutschland haben zu der Zeit die Behörden noch mit Schreibmaschinen geklappert. Schreibmaschinen-Unterricht gab es zur der Zeit an den Realschulen. Gymnasiasten musste man damals mit so etwas nicht kommen, die waren ja für 'Höheres' bestimmt. Und die Hauptschuler mussten ja nur Einmaleins, Lesen und unterschreiben können. Den Schreibmaschinen-Unterricht gab es damals übrigens nur für Mädchen... Dann weiß ich von einer berufsschule, ein paar jahre später, da hatten die mehrere Klassensätze PCs vom Feinsten, was es damals gab. Proppenvoll mit der teuersten Kaufsoftware, so dass jeder Arbeitsplatz über 10.000 DM kostete. Aber die besten Lehrer gaben damals gerade mal einen BASICi-Kurs. Da kam es schon mal vor, dass 2x45 Minuten für die "Let"-Anweisung drauf ging.. Da war die DDR schon besser daruf. Die hatten zwar kaum Computer, aber an den POS wurde schon so etliches gelehrt. Wenn man sich heute so umschaut, findet man immer noch, dass 95% der Lehrer 'computer illiterates' sind. Wenn die einen Rechner unfallfrei an und aus schltlen können, ist schon viel...
Herr Schäuble 23.03.2016
2.
Das ist ein allgemeines Problem mit dem deutschen Bildungssystem. In der Berufsschule wird meist nur Allgemeinwissen zu diesem Beruf und die Grundzüge oder Grundlagen eines Berufes gelehrt. Im Betrieb schaut das dann aber wieder völlig anders aus.
Marlo 23.03.2016
3.
Die Berufsausbildungen in Deutschland dauern viel zu lange. Ein Grund dafür ist natürlich die Berufsschule. Dort verschwendet man teilweise seine Zeit mit Fächern, die völlig unnötig sind, anstatt die Dauer zu verkürzen und in dieser Zeit dann nur die wichtigen Dinge zu lernen. Das meiste lernt man sowieso im Betrieb bzw während der Arbeit und mit der Zeit. Niemand kommt perfekt vorbereitet in den Job. Das Ausbildungssystem gehört schon seit Jahren reformiert. Vor allem sollte die Dauer von 3 auf maximal 2 Jahre sinken. In der Zeit gibt es dann einen sehr guten Mix aus Praxis und Theorie und danach ist man fertig und kann sich im Betrieb immer weiterbilden. Denn auslernen tut man sowieso selten, somit sollte man sich von diesem Begriff verabschieden. Die Zeiten sind vorbei, als man 3 Jahre was gelernt hat und mit diesem Wissen sein ganzes Arbeitsleben klar gekommen ist. Man sollte viel allgemeiner ausbilden, anstatt so spezifisch. Die spezifischen Kenntnisse kommen mit der Zeit und in Lehrgängen. Aber der fertig ausgebildete ist Geschichte.
Kernspalter01 24.03.2016
4. Berufsausbildung
@Marlo - die Berufsausbildung in der jetzigen Form ist eine große Stärke des deutschen Arbeitsmarkts und einer der Gründe weswegen wir mit die besten Facharbeiter haben. Natürlich werden dort auch Dinge erlernt, die man nicht unmittelbar zum Arbeiten braucht. Aber damit wird auch der Horizont erweitert und das Allgemeinwissen verbessert. Es sind in den letzten 20 Jahren bereits viele neue und modifizierte Berufe entstanden.
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